Victor Lindelöf bei Manchester United: Eis und Feuer

TeilenSchließen Kommentare
Victor Lindelöf kostete Manchester United 35 Millionen Euro und soll Mourinhos Abwehrchef werden. Doch wer ist der 22-Jährige überhaupt?


VICTOR LINDELÖF IM PORTRÄT


Wer weiß, was passiert wäre, hätte sich Emil Krafth nicht im Juni 2015 im Trainingslager der schwedischen U21-Nationalmannschaft verletzt. Der Rechtsverteidiger musste wenige Tage vor der U21-EM in Tschechien absagen, Hakan Ericson nominierte einen damals 20-jährigen Victor Lindelöf von Benfica nach. Der Rest ist Geschichte: Schweden gewann sensationell den Titel.

Der Nachnominierte war Stammspieler und wurde am Ende in die Mannschaft des Turniers gewählt. Fast genau zwei Jahre später zählt er zu den aufstrebendsten Verteidigern Europas, Manchester United bezahlte vor wenigen Tagen 35 Millionen Euro für ihn.

Lindelöf hat es geschafft. Vom Buben aus der schwedischen Provinz zu dem Mann, der bei einem der größten Fußballklubs der Welt eine der Säulen darstellen soll, die Jose Mourinho bei den Red Devils in diesem Sommer installieren will, um dann in der kommenden Saison endlich wieder Angriff auf den Meistertitel nehmen zu können.

Doch wer ist der 22-Jährige, der im Old Trafford der neue Abwehrchef werden und in die Fußstapfen von legendären Abwehrrecken wie Rio Ferdinand oder Nemanja Vidic treten soll?

Steckbrief  | Victor Lindelöf (Manchester United)

Alter 22
Position Verteidiger
Nationalität Schwede
Vertrag bis 2021

Geboren wurde Lindelöf in Vasteras, einer malerischen Stadt in Südschweden. Mit dem Schriftsteller Lars Gustafsson und dem Dichter Tomas Tranströmer stammen zwei berühmte Literaten aus dem Geburtsort des Verteidigers. Ein Vorbild in seiner Kindheit war aber ein anderer: der Eishockey-Verteidiger Nicklas Lidström. Lidström hatte es aus dem beschaulichen Vasteras in die weite Welt geschafft und war zu einem der besten Abwehrspieler in der US-amerikanischen Eliteliga NHL avanciert.

Über 20 Jahre spielte er für die Detroit Red Wings, gewann viermal den Stanley Cup, zudem mit Schweden Gold bei Olympia und der WM. Der kleine Victor bewunderte die Mixtur aus Kampfgeist und Klasse, die Lidström zu einem der einflussreichsten Verteidiger der Eishockey-Geschichte macht. Das Nie-Aufgeben imponierte und prägte ihn. Genau so wie Lidström wollte er es auch machen. Beim Fußball. Denn das lag ihm von Beginn an eher als das Spiel auf Kufen.

Premier League 2017/18: Alle Infos

Fast seine ganze Jugend spielte er bei Vasteras IK, bald war er eines der größten Talente des Vereins. Ein Verteidiger der modernen Art, der hart in die Zweikämpfe ging, aber auch ein gutes Auge in der Spieleröffnung bewies. 2010 debütierte er für die erste Mannschaft, damals in der 3. Liga. Im gleichen Jahr wurde er in die schwedische U16 berufen. Der frühreife Abwehrspieler machte Eindruck auf die Verantwortlichen, die sonst vor allem Talente von den Top-Klubs des Landes beriefen.

Lindelöf war schon früh der Erfolg treu. Als 17-Jähriger stieg Vasteras in die 2. Liga auf, er etablierte sich als Stammspieler, konnte den Abstieg 2011/12 aber nicht verhindern. Es stand fest, dass er sich von seiner großen Liebe trennen musste, um den nächsten Schritt zu machen. Von einigen Offerten, die ihm vorlagen, entschied er sich für die von Benfica Lissabon, einem Klub mit hervorragendem Ruf, was die Aus- und Weiterbildung von Spielern angeht. Außerdem war er immer ein Abenteurer, einer, der Neues liebt, der keiner Herausforderung aus dem Weg geht.

 

Chill mode on!

Ein Beitrag geteilt von Victor Lindelöf (@victorlindelof) am

"Iceman" Lindelöf brennt auf dem Platz

In Portugal gewann er 2013 mit der U19 die Jugendmeisterschaft, der blonde Hüne fiel auf und hatte schon nach wenigen Monaten den Spitznamen "Iceman" verpasst bekommen. Am letzten Spieltag der Saison 2014/15 debütierte er für die 1. Mannschaft. Es folgte die U21-EM, dessen Finale Schweden überraschend gegen Portugal gewann. Lindelöf war das Glück wie bisher immer in seiner Karriere treu geblieben, wie die Krafth-Verletzung, die ihn in den Kader spülte, eindrucksvoll zeigte.

In der zweiten Saisonhälfte 2015/16 wurde er dann Stammspieler im Estadio da Luz, im Stadion des Lichts. Als Innen- und nicht als Außenverteidiger, was er so oft gespielt hatte, auch bei der U21-EM. "Ein Spieler macht keinen Schritt nach vorne, wenn er nicht gewisse Fähigkeiten oder jedenfalls den Glauben hat, den man braucht, um voran zu kommen. Er ist jemand, der seine Chancen nutzt, weil er beides hat", sagt Benfica-Trainer Rui Vitoria über den Musterschüler, der bald zum Publikumsliebling aufstieg.

Denn "Iceman" vereint wie Nicklas Lidström Härte, Einsatzwille und spielerische Klasse, auf dem Platz brennt er, hart, aber fair. Dabei agiert er, ganz wie sein Idol aus Jugendtagen, mit vor Selbstvertrauen strotzenden Szenen. Volles Risiko, immer alles reinhauen, alles geben! Fußballerisch wird er von der Journaille indes mit Raphael Varane oder Ronald Koeman verglichen.

Lob von Ibrahimovic

"Er macht großartige Dinge, er übernimmt schon jetzt große Verantwortung. Er wächst", lautet ein anderes Zitat über Lindelöf. Getroffen von keinem geringeren als Zlatan Ibrahimovic, dem alles überstrahlenden Superstar, in dessen Schatten eine ganze Generation stand. Nun aber wächst eine neue heran. Ihre beiden Hauptdarsteller: Leipzigs Emil Forsberg und Victor Lindelöf. Beiden traut man im Drei-Kronen-Land eine Weltkarriere zu.

Dass Lindelöf nun an der Schwelle zu der seinen steht, liegt auch an jener Aktion, die sein Spiel, sein Risiko, sein Selbstvertrauen perfekt beschreibt. Ein einziges Tor schoss er in der vergangenen Saison. Dieses eine Tor aber sorgte weltweit für Furore. Aus 30 Metern drosch er den Ball bei einem Freistoß zum 1:1-Ausgleich gegen den großen Rivalen Sporting in den Winkel.

Mit Aktionen wie diesen macht man sich unsterblich – und sorgt für noch mehr Aufsehen. Auch wegen dieses Knallers handelte United so schnell, denn nachdem man sich über ein Jahr intensiv um ihn bemüht hatte, wurden nun auch andere Klubs vorstellig.

Lindelöf soll wie Vidic und Ferdinand werden

Nun also United. Das nächste Kapitel – und eines, das eigentlich schon im vergangenen Sommer hätte starten sollen, nur die Hartnäckigkeit Vasteras', seinem ehemaligen Verein, der noch Anteile an seinen Transfererlösen für sich beansprucht, und Benficas rigoroser Verhandlungstaktik war es zu verdanken, dass er blieb und den einen Schritt machen konnte, der ihn jetzt bereit für eine Aufgabe wie United erscheinen lässt.

Denn er kommt ja nicht in irgendeiner Phase als irgendein Spieler zum englischen Rekordmeister. Nein, er ist einer der Mourinho'schen Königstransfers, ein teurer Luxus-Baustein, den man sich genau überlegt hat und der einer umfassenden Analyse unterzogen wurde, ehe man den Entschluss absegnete, den blonden Schweden mit den eisblauen Augen zum neuen Abwehrchef zu machen.

Victor Lindelof

Er soll dabei das verkörpern, was zuletzt Nemanja Vidic mit dem United-Wappen auf der Brust gelang: Angst verbreiten und diese Arroganz von Weltklasse-Abwehrreihen, ohne Gegentor zu bleiben. Gleichzeitig soll er den Rio Ferdinand mimen, der ein Gespür für Raum und Zuspiele hat und Meter machen kann, ob durch Pässe oder mit Ball am Fuß.

"Ich bin begeistert davon, nun für United zu spielen. Ich freue mich darauf, ins Training einzusteigen und dem Team dabei zu helfen, mehr Titel zu gewinnen", sagte Lindelöf bei seiner Vorstellung. Er will den nächsten Schritt in seiner bisher imposanten Karriere, in der er bereits sechs Titel gewinnen konnte, machen.

"Will einer der Besten der Welt sein"

"Ich will einer der besten Spieler der Welt werden", sagt er selbstbewusst. Oder: "Es ist nie so, dass ich auf dem Platz Angst habe." Der "Iceman" hat gesprochen! Sätze wie diese dürfte man gerne hören in Manchester, wo man in den letzten Jahren einige Demütigungen wie das Verpassen der Königsklasse ertragen musste. Mourinho will ein Team von Champions – und Lindelöf ist so ein Champion.

Artikel wird unten fortgesetzt

Mit dem gesteigerten Medieninteresse dürfte er indes auch klar kommen. Denn in Schweden und auch in Portugal war er nicht selten Gegenstand von Boulevardberichten, die sich seine Beziehung zur bildhübschen Schwedin Maja Nilsson zunutze machten. Auch der Mirror veröffentlichte am Tag seines Wechsels bereits einen Artikel über das neue Premier-League-Traumpaar.

Lindelöf weiß genau, wie er mit den Medien umgehen muss, er ist erstaunlich abgebrüht für sein Alter. Vielleicht interessiert es ihn auch einfach nicht. Denn er will voran kommen auf dem Platz. Er will United in eine neue Ära führen. Als der neue Boss im Old Trafford, als Iceman im feuerroten Dress.

An Glück glaubt er genau wie NHL-Legende Nicklas Lidström übrigens nicht, nur an harte Arbeit, Training und den Lohn dafür. Nicht damals, als Emil Krafth sich verletzte, nicht bei seinem Freistoß gegen Sporting und auch jetzt nicht, wo er beginnt, das erste Kapitel von etwas Neuem zu schreiben. "Ich kann es nicht erwarten, zu starten", hat er bei Instagram geschrieben. Man glaubt es ihm sofort.

Nächster Artikel:
Matthias Sammer: "Borussia Dortmund geprägt von Unruhe"
Nächster Artikel:
Douglas Costa hat sich zur Kritik von Bayern-Präsident Hoeneß geäußert
Nächster Artikel:
FC Bayern München: Noch keine Klarheit über Neuer-Comeback
Nächster Artikel:
Medien: Knie-OP bei Herthas Vladimir Darida
Nächster Artikel:
Pepe: Cristiano Ronaldo soll zu Besiktas kommen
Schließen