Sandro Ramirez: Evertons Königstransfer im Schatten von Rooney

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Die Fußballwelt redet über die Rückkehr von Rooney zum FC Everton. Doch die Toffees haben mit Sandro Ramirez bereits ein wahres Schnäppchen gelandet.

Als Xavi Hernandez im Juni 2015 den Henkelpott in den Berliner Nachthimmel reckte, war plötzlich auch der junge Sandro Ramirez offiziell Champions-League-Sieger. Der FC Barcelona hatte sich in einem spannenden Finale gerade mit 3:1 gegen Juventus Turin durchgesetzt und sich damit Europas Krone aufgesetzt. Doch so traumhaft wie für die Superstars Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez dürfte es sich für Ramirez, der an diesem Abend nicht dem Kader angehörte, wohl nicht angefühlt haben, war er doch lediglich eine Randfigur in der Triple-Saison der Katalanen und stand in der Königsklasse nur ganze 58 Minuten auf dem Platz.

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Knapp ein Jahr später zog der Angreifer nach einer äußerst durchwachsenen Saison mit einigen wenigen Einsätzen ablösefrei zum FC Malaga weiter. Ein Wechsel, der sich für den jungen Spanier bezahlt machte, denn in Andalusien blühte Ramirez in der abgelaufenen Saison mit 14 Toren in 30 Spielen so richtig auf. Nun folgt in diesem Sommer der Wechsel in die Premier League zum aufstrebenden FC Everton. Die Toffees haben in dieser Transferperiode dank der Millionen für Superstar Romelu Lukaku bereits mächtig aufgerüstet. Diese Lücke, die der Belgier zweifelsohne hinterlassen wird, soll unter anderem mit Ramirez gefüllt werden. Doch ist der junge Mann aus Gran Canaria schon bereit für diese Aufgabe?

Alles der Reihe nach: Barcelona-Scout Jordi Gris fiel Ramirez bereits mit zwölf Jahren auf. Obwohl er mit älteren Spielern kickte, wurde der Talentspäher schnell von seinen Fähigkeiten überzeugt. "Er wusste immer, in welche Räume er sich bewegen muss und war mit beiden Füßen sehr stark", sagte Gris vor einiger Zeit. "Das sind Eigenschaften, die er heute noch besitzt. Er spielt mit sehr viel Selbstvertrauen und will ständig den Ball haben."

Also holten die Katalanen den Jungen in ihre weltberühmte Akademie 'La Masia', welche er bis zu den Profis durchlief. Sein LaLiga-Debüt für Barca feierte er im August 2014 gegen Villareal. Und es gibt sicherlich schlechtere Karrierestarts, als eine Messi-Vorlage kurz vor Schluss zum Tor des Tages zu verwandeln. Doch in der Folgezeit war kein Vorbeikommen an der berüchtigten Angriffsreihe 'MSN', Ramirez wechselte im Sommer 2016 nach Malaga.

Auf den ersten Blick ein Rückschritt. Doch für Ramirez zählte bei dieser Entscheidung vor allem eins: Spielzeit. Und sein Plan ging auf. Er entwickelte sich in Malaga zum absoluten Leistungsträger und spielte sich in den Fokus größerer Klubs. Vielleicht hatte er sich genau dieses Szenario vorgestellt, denn bei seiner Unterschrift ließ er sich eine Ausstiegsklausel von wohl lediglich sechs Millionen Euro in den Vertrag schreiben.

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Eine Möglichkeit, von der nun der FC Everton Gebrauch gemacht hat, obwohl im Laufe der U21-Europameisterschaft auch über einen Wechsel zu Real oder Atletico spekuliert wurde. Doch der 22-Jährige entschied sich für das Projekt bei den Toffees. Ein Zeichen mentaler Reife, hätte er bei den Königlichen hinter Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema ähnlich schlechte Aussichten auf Einsätze gehabt wie damals in Barcelona.

Sein Entdecker Jordi Gris gratuliert den Engländern zu ihrem Coup. "In diesem Markt ist es eigentlich unmöglich, einen Spieler wie Sandro für sechs Millionen zu bekommen", kommentierte er den Transfer. Mit Ramirez bekommt Everton einen Spieler, der in der abgelaufenen Spielzeit hauptsächlich im Sturmzentrum zum Einsatz kam. Genau diese Position wird nach dem Lukaku-Abgang frei, doch der U21-Nationalspieler kann auch auf beiden Flügeln eingesetzt werden.

Dadurch erübrigen sich die Diskussionen, ob nach Bekanntgabe der Verpflichtung von Rückkehrer Wayne Rooney überhaupt noch ein Platz für ihn frei ist, da es aufgrund der Flexibilität beider Spieler mehrere Möglichkeiten gibt, das Duo gleichzeitig auflaufen zu lassen.

Idol aus den eigenen Reihen

Ramirez' Vorbild ist mit David Villa ein Spieler, den er in seiner Barca-Zeit beim Training noch selbst bewundern konnte. Zwar standen die beiden nie zusammen für die Katalanen auf dem Spielfeld, doch trotzdem kennen und schätzen sie sich. "Er würde mich grüßen, wo auch immer wir uns begegnen", schilderte er sein Verhältnis zum einstigen Superstar. "Er weiß, dass er zu dieser Zeit mein großes Vorbild war."

Und tatsächlich gibt es Ähnlichkeiten: Beide Spieler sind beidfüßig, dynamisch und verfügen über einen exzellenten Abschluss aus unterschiedlichsten Entfernungen. Das brachte dem jungen Ramirez in Spanien bereits früh Vergleiche mit seinem Idol. Des Weiteren kann man den Neuzugang der Toffees trotz einer Körpergroße von nur 1,75 Meter durchaus als bulligen Typ bezeichnen, der die Bälle gut halten kann und sich auch für die Drecksarbeit auf dem Platz nicht zu schade ist.

GFX Sandro Ramirez David Villa

Dem Spiel von Everton kann er sicher mehrere Komponenten verleihen. Der Spanier ist schnell und zusätzlich dribbelstark, weshalb er gerne mal zum Solo ansetzt. Doch gleichzeitig hat er ein gutes Auge für den Mitspieler und erkennt die gefährlichen Räume, die mit tödlichen Pässen bespielt werden können. In der abgelaufenen Saison entpuppte er sich zusätzlich als wahrer Freistoßspezialist und versenkte für Malaga gleich mehrere direkte Versuche im Netz.

Natürlich hat er noch Schwächen vorzuweisen, sonst wäre er nicht beim Siebtplatzierten der Premier League, sondern den absoluten Top-Klubs gelandet. Zuweilen ist Ramirez zu verspielt oder taucht wie beispielsweise im Finale der U21-EM phasenweise unter. Doch von den Anlagen her kann er sich in den nächsten Jahren zu einem absoluten Weltklasse-Spieler entwickeln. Dass Everton der richtige Ort dafür sein kann, hat bereits der Fall Lukaku gezeigt.

Große Ziele mit dem FC Everton

Die Verantwortlichen freuen sich jedenfalls auf ihren Neuzugang. "Es gab viel Interesse, weil er einfach ein Torjäger ist", ließ Trainer Ronald Koeman verlauten. "Er ist jung und hat eine große Zukunft vor sich. Wir haben versucht, Spieler in unser Team zu holen, die uns zusätzliche Qualität verleihen und das tut er definitiv."

Auch der Spieler selbst hat große Ziele: "Ich will dem Team mit Toren helfen", sagte er bei seiner Vorstellung. "Ich bringe viel jugendlichen Enthusiasmus, eine große Leidenschaft und den Willen mit, mich stetig zu verbessern. Ich kann es kaum erwarten, im blauen Trikot vor den Everton-Fans im Goodison Park auflaufen zu dürfen."

Vor allem die bisherige Transferpolitik hat ihn bei seiner Entscheidung beeinflusst. Bislang holten die Toffees neben Rooney und Ramirez auch noch vielversprechende Spieler wie Davy Klaassen, Jordan Pickford, Michael Keane und Henry Onyekuru. "Sie haben große Pläne und wollen sich in nächster Zeit nach oben orientieren", so der 22-Jährige. "Wir haben einen fantastischen Kader und ich freue mich darauf, mit Everton um Titel zu spielen."

Klar hinterlässt Superstar Romelu Lukaku, der in der kommenden Saison für Manchester United auf Torejagd gehen wird, beim blauen Arbeiterklub aus Liverpool große Fußstapfen. Doch die Verantwortlichen haben die eingenommenen Millionen bislang sehr klug reinvestiert - wie beispielsweise in 'La Masia'-Produkt Sandro Ramirez. Und vielleicht kann der junge Mann mit herausragendem Talent einen ähnlichen Weg wie Vorgänger Lukaku einschlagen. Nämlich vom Ausnahmetalent zum Mann reifen, so wie es ihm der Belgier innerhalb der letzten Jahre eindrucksvoll demonstriert hat.

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