Marseille-Talent Andre-Franck Zambo Anguissa: Der Unterschätzte zeigt es seinen Kritikern

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Vor drei Jahren wurde Andre-Franck Zambo Anguissa bei Reims unterschätzt und ausgemustert. Heute steht er mit Marseille im Finale der Europa League.

Wenn Olympique Marseille am Mittwoch im Finale der Europa League auf Atletico Madrid trifft, sind die Südfranzosen für viele nur Außenseiter – etwas, das Andre-Franck Zambo Anguissa nur zu gut kennt, denn auch er wurde in seiner Karriere immer wieder unterschätzt.

Es ist keine drei Jahre her, da schickte man ihn bei Reims weg. Die Verantwortlichen machten dem damals 19-Jährigen unmissverständlich klar, dass er nicht genügend taktisches Verständnis mitbringt, um es im Profibereich zu schaffen.

Dieser Rückschlag war im Nachhinein eine Art Wendepunkt in der Laufbahn des Kameruners. Denn seit diesem Rauswurf ging es für Zambo Anguissa stetig bergauf.

Mit Valenciennes bot sich für Zambo Anguissa die Möglichkeit, in der Ligue 2 Fuß zu fassen und langsam im Profifußball zu starten. Doch auch Olympique Marseille hatte ihn auf dem Zettel und wollte ihn trotz seiner Schwächen im taktischen Bereich verpflichten – zu eindrucksvoll war er physisch.

Andre-Frank Zambo Anguissa

"Ich bin seit acht Jahren Trainer und er ist der eindrucksvollste Athlet, den ich jemals gesehen habe", gestand der damalige Valenciennes-Coach David Le Frapper im Jahr 2015, nachdem er Zambo Anguissa in einem Probetraining kennengelernt hatte. "Seine Kraft war unglaublich. Zusätzlich hatte er riesiges Talent. Er musste nur geführt werden und gewillt sein, weiter an sich zu arbeiten."

"Um sein Stellungsspiel zu verbessern, haben wir damals ein Video für ihn angefertigt, das ihm zeigen sollte, wie er sich auf dem Platz bewegen muss", erklärte Le Frapper. "Er war sehr dankbar und hatte Tränen in den Augen, als er sich bei uns verabschiedete."

Als sehr introvertierter und zurückhaltender Charakter fehlte ihm in Reims die Bestätigung, sodass er begann, an sich selbst zu zweifeln. Le Frapper hatte eine besondere Verbindung zum jungen Kameruner und ermutigte ihn schließlich sogar dazu, bei OM zu unterschreiben, obwohl er ihn sehr gern selbst trainiert hätte.

"Als er in Valenciennes ankam, trug er Pullover, die nicht einmal mein Großvater anziehen würde", scherzte der Trainer. "Doch er ist ein großartiger Junge."

Als Zambo Anguissa in Reims vor die Tür gesetzt wurde, wusste der Klub nicht, dass Marseille längst ein Auge auf den talentierten Mittelfeldmann geworfen hatte. Bei einem Turnier in Yaounde 2013 fiel er den Scouts von OM erstmals auf.

Nachdem er schließlich in Marseille vorgestellt worden war, bezweifelten die Anhänger, ob ein Spieler, der in Reims ausgemustert worden war, tatsächlich eine Verstärkung sein kann. Doch ähnlich überraschend wie die Verpflichtung selbst war auch sein starkes Debüt im Stade Velodrome.

Eigentlich zunächst für die zweite Mannschaft vorgesehen, schaffte er es innerhalb weniger Monate ins Profiteam. Eine derart schnelle Entwicklung kam selbst für seinen Entdecker Jean-Philippe Durand überraschend. Dem damaligen OM-Präsidenten Vincent Labrune erklärte er damals: "Ich bin nicht sicher, ob er schon jetzt bereit für den Profifußball ist, doch wir können ihn nicht gehen lassen."

Wenige Monate nachdem ihm in Reims die Reife für den Profifußball abgesprochen worden war, stand Zambo Anguissa im September 2015 schließlich in der Europa League auf dem Platz. Beim 3:0-Sieg gegen den FC Groningen zeigte er eine starke Leistung, die er mit einem Assist krönte.

Als 19-Jähriger kam er in seiner ersten Saison bei einem der größten Klubs Frankreichs regelmäßig zum Einsatz, bevor er ein Jahr später feste Größe bei OM wurde. Von den 60 möglichen Spielen stand er 54-mal auf dem Rasen – auch ein Beleg für seine herausragende Physis. Nur sein Nebenmann im zentralen Mittelfeld, Liuz Gustavo, kam auf mehr Einsätze.

Andre Zambo Anguissa

"Franck gehört zu den Spielern, die sich am besten entwickelt haben, seit ich zurückgekehrt bin", erklärte Dimitri Payet, der seit Januar 2017 wieder die Schuhe für Marseille schnürt.

Die Basis des Spiels von Zambo Anguissa ist seine unglaubliche Power. Trotzdem wirkt er dabei nicht wild, sondern ruhig. Trotz seiner Jugend erscheint er schon heute extrem abgeklärt in seinen Aktionen. Als klassischer Box-to-Boy-Spieler fehlt ihm lediglich der Spielwitz in der Offensive. So wartet er nach 104 Partien für OM noch immer auf seinen ersten Treffer – etwas, was seinen Coach Rudi Garcia sehr verwundert.

"Er steht immer hinter mir und ermutigt mich dazu, mir am Ball etwas zuzutrauen und zu schießen", erklärte Zambo Anguissa nach seinem Tor im Confederations Cup gegen Australien im Juni 2017. Es war sein erster Treffer im Profibereich.

"Garcia hat das Spiel geschaut und hat sich sehr für mich gefreut", betonte der Nationalspieler Kameruns. Denn es waren auch die Motivationskünste und Extraschichten mit dem Trainer, die Zambo Anguissa dorthin gebracht haben, wo er jetzt steht. "Es ist toll, jemanden zu haben, der an mich glaubt."

Nachdem er in seiner Karriere immer wieder unterschätzt wurde, hat er nun endlich einen namhaften Befürworter. Schafft es der zentrale Mittelfeldspieler mit Marseille am Mittwoch, die Europa League zu holen, werden mit Sicherheit einige weitere hinzukommen.

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