Julian Gressel im Goal-Interview: "Es sind 90 Minuten Party"

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MLS-Profi Julian Gressel ist Rookie of the Year. Goal hat mit ihm über die erste Profisaison, seinen Trainer und seinen neuen Spitznamen gesprochen.


EXKLUSIV

Im Sommer 2013 wagte Julian Gressel den Schritt über den Großen Teich und fand seine fußballerische Heimat in den USA. Über das College hat er mittlerweile den Weg in die MLS gefunden und legte gleich einen Mega-Start hin. Nach seiner Premierensaison wurde er als Rookie of the Year ausgezeichnet und schaffte es mit dem neu gegründeten Klub Atlanta United direkt in die Playoffs.

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Goal hat mit ihm über seine erste Profisaison, seinen Trainer und seinen neuen Spitznamen gesprochen. Außerdem verrät er, wie er zu einem Hashtag auf Twitter wurde.

Glückwunsch zur Auszeichnung als "Rookie of the Year". Die Wahl war eindeutig: 54 Prozent haben für Sie gestimmt, der Zweitplatzierte kam auf acht Prozent. Ist das für Sie eine Bestätigung Ihres Weges in den USA?

Julian Gressel: Dankeschön erstmal. Eine Bestätigung habe ich nicht unbedingt gebraucht. Über 50 Prozent der Stimmen zu bekommen, ist natürlich cool. Das zeigt auch, dass ich doch ein ganz gutes Jahr hatte.

In den USA zählen ja auch individuelle Titel für den Verein. Wie war das erste Feedback von den Offiziellen?

Gressel: Ich wusste es schon zwei Tage vorher - der Verein auch. Sie haben mir gratuliert und gesagt, dass ich es verdient hab. Natürlich ist es für den Verein etwas Gutes, weil nicht viele Klubs auf so junge Spieler setzen. Da hat sich Atlanta in diesem Jahr herausgehoben von allen Vereinen. Man kann natürlich nicht nur College-Rookies spielen lassen, aber der Verein hat auch auf andere junge Spieler gesetzt, die unter 25 sind.

Ihr Trainer Gerardo "Tata" Martino ist als "Coach of the Year" nominiert, Ihre Teamkollegen Miguel Almiron (23) und Josef Martinez (24) als "Newcomer of the Year"- Almiron ist noch zusätzlich unter den Kandidaten als wertvollster Spieler der Liga. Das zeigt doch, dass die Saison bis zum Aus in den Playoffs optimal gelaufen ist - für einen Klub in seinem ersten MLS-Jahr ...

Gressel: Das war schon eine gute Saison, aber keine überragende. Die Playoffs sind hier sehr wichtig, weil es da um den Titel geht. Wir hatten die Chance, in der regulären Saison Zweiter zu werden, aber das war uns leider nicht vergönnt, weil im letzten Spiel gegen Toronto Sebastian Giovinco einen überragenden Freistoß zum 2:2-Ausgleich markiert hat. Für einen Verein, der das erste Jahr besteht, war es aber eine sehr gute Saison. Wie die Fans uns aufgenommen haben, war der Wahnsinn.

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Gegen Columbus Crew ist Ihre Mannschaft unglücklich im Elfmeterschießen ausgeschieden. Sie haben gleich den ersten Elfmeter verschossen. Werten Sie die Playoff-Niederlage eher als Rückschlag?

Gressel: Es war sehr ausgeglichen. Beide Mannschaften hatten Chancen, das Spiel zu gewinnen. An so einem Tag kann es dann in die eine oder andere Richtung gehen. Wir lernen alle daraus. Das ist eine Erfahrung, die man hoffentlich irgendwann ins Positive umsetzen kann. Ich habe schon vorher Elfmeter verschossen, aber wenn ich ganz ehrlich bin, werde ich den nächsten wieder schießen. Das hinterlässt keine permanente Narbe.

War es vorher klar, dass Sie den ersten Elfmeter schießen werden?

Gressel: Der Trainer hat mich gefragt, ob ich will und an welcher Stelle. Ich hab sofort ja gesagt und dass ich auch als Erster schießen würde.

Ihr Trainer Tata Martino hat beim FC Barcelona und in der argentinischen Nationalmannschaft schon die größten Spieler Europas unter seinen Fittichen gehabt. Was ist er denn für ein Typ und wie schätzt er den Fußball in den USA ein?

Gressel: Wie er den Fußball insgesamt einschätzt, kann ich nicht sagen. Er ein super Typ, der Fußball lebt. Taktisch überragend. Er macht auch viele Witze auf dem Trainingsplatz, aber er kann auch ernst sein, wenn es um etwas geht. Er hat den unbedingten Willen zu gewinnen und das versucht er natürlich auch an uns zu vermitteln - in jeder Einheit.

Ihr habt viele spanischsprachige Spieler im Team. Organisiert Martino das Training dann zweisprachig?

Gressel: Er spricht meistens spanisch. Er kann ein paar Brocken Englisch, aber der Co-Trainer übersetzt meistens. Mittlerweile verstehe ich aber auch ein paar Wörter spanisch (lacht).

Sie haben zunächst im zentralen Mittelfeld gespielt, dann sind Sie auf die offensiven Außen gerückt. Wie sieht Sie der Trainer als Spielertyp?

Gressel: Ich glaube, er sieht mich längerfristig als zentraler Mittelfeldspieler - und ich mich persönlich auch. Als Achter, der offensiv wie defensiv arbeitet und viel unterwegs ist. Er weiß natürlich, dass ich viele Positionen spielen kann. Er hat schnell festgestellt, dass er mir vertrauen kann. Er weiß, dass ich ein ziemlich schlauer Spieler bin, der sich schnell an eine Position anpassen kann.

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Bis zur C-Jugend haben Sie noch für Greuther Fürth gespielt, vor vier Jahren noch in der Landesliga in Ihrem Heimatverein TSV Neustadt/Aisch. Wie kam es dann zu der Entscheidung, doch im Rahmen eines Sportstipendiums in die USA zu gehen?

Gressel: Ich wollte unbedingt mein Studium fertig machen und das mit dem Fußball verbinden. Wenn ich in Deutschland geblieben wäre, hätte ich auch Regionalliga spielen können, aber mit dem Hochschulabschluss wäre es schwierig geworden. Ich hab mir die Option in den USA dann genauer angeschaut und es hat gut zusammengepasst. Ich habe damals gedacht, dass ich auf einem ziemlich hohen Level Fußball spielen kann - und das ist dann auch wahr geworden.

Sie sind ja nicht der einzige Deutsche, der den Weg übers College in die MLS geschafft hat. Fabian Herbers spielt bei Philadelphia und Julian Büscher bei DC United. Hatten Sie vorher Kontakt zu Ihren jetzigen Kollegen?

Gressel: Bevor ich in die Staaten gegangen bin, hab ich im Internet geschaut, wo die Deutschen spielen. Gegen Fabian Herbers habe ich bereits auf dem College gespielt, weil wir in der gleichen Conference waren. Nachdem sie den Schritt in die MLS gemacht haben, hab ich das dann intensiver verfolgt. Als ich auch auf dem Sprung in die MLS war, hatten wir mehr Kontakt. Sie konnten mir dann mit ihren Erfahrungen und Eindrücken auch weiterhelfen.

Können Sie auch verstehen, dass Spieler in Deutschland beim Draft-System in den USA da die Stirn runzeln? Schließlich kann sich der Rookie den eigenen Verein nicht selbst aussuchen.

Gressel: Ja das war für mich auch ganz komisch zuhause zu vermitteln, dass ich erst nach dem Draft im Januar herausgefunden habe, in welche Stadt ich komme. Umzug innerhalb von einer Woche und dann ging schon die Saisonvorbereitung los. Aber ich hab das System so angenommen und wollte das Beste daraus machen. Mit Atlanta hatte ich ein bisschen Glück, aber das gehört auch dazu.

"Es sind 90 Minuten Party und dann gehen die Leute wieder heim."

Atlanta hat mit das teuerste und modernste Stadion in der MLS. Die Fans scheinen noch eine Spur verrückter zu sein als der Rest der Liga. Vom Fan-Kult ähnelt es eher anderen US-Sportarten wie Football.

Gressel: Es sind 90 Minuten Party und dann gehen die Leute wieder heim. So ungefähr. In den USA ist es auch auf Entertainment ausgelegt im Sport und hier bei uns sorgen die Fans für Entertainment. Alles drum herum, da hat der Verein eine Riesenarbeit geleistet. Als Spieler macht das natürlich Spaß, vor so einer Kulisse spielen zu dürfen.

Einen Spitznamen haben die Fans die Ihnen auch schon verpasst. "Gresselmania" ist eine Anspielung aufs Wrestling, wo "Wrestlemania" das größte Event ist. Ist "Gresselmania" dann das große Fußballevent bei Atlanta United?

Gressel: (Lacht) Es kommt von "Wrestlemania" und darin ist wohl eher meine Spielweise angedeutet. Die Fans haben das in den ersten Wochen kreiert. Irgendwann kam der Hashtag auf Twitter raus.

Der bekannteste Deutsche in der Stadt sind Sie dann aber noch nicht. Dennis Schröder vom NBA-Team Atlanta Hawks ist dann doch nochmal eine Hausnummer größer. Haben Sie ihn mal getroffen?

Gressel: Wir haben uns über Twitter ein bisschen kennengelernt. Er hat eine Dauerkarte für unsere Spiele und er hat mir auch schon Tickets für NBA-Spiele besorgt. Er ist ein cooler Typ, der auch ein großer Fußballfan ist.

In anderen Klubs werden gerne große Namen präsentiert. Glauben Sie, dass Ihr Verein an der eigenen Philosophie festhält?

Gressel: Ich denke, sie setzen weiter auf jüngere Spieler. Wir haben ja auch erfahrene Spieler im Kader. Dass sie einen 35-jährigen Star verpflichten, glaube ich jetzt nicht. Was der Verein genau geplant hat, weiß ich auch nicht genau.

Sie haben noch einen Vertrag mit der MLS bis 2020. Ein Jahr davon sind sie mindestens noch bei United. Wie sind die weiteren sportlichen Ziele mit Atlanta?

Gressel: Wenn wir die nächste Saison gut anfangen dann muss man gucken, wie weit wir kommen. Aber die Ziele sind immer die Titel.

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