Jovanovs HSV: Chancenlos

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Vier Niederlagen in Folge, drei Spiele ohne Torchance, 0:10 Tore: Der HSV gibt vor dem Nordderby ein erschreckend schwaches Bild ab.


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Wenn Niederlagen zur Gewohnheit werden und kaum noch Emotionen freisetzen, ist es für einen leistungsorientierten Fußballklub ein ziemlich mieses Zeichen. Natürlich ärgern sich Fans und Sympathisanten noch immer darüber, wenn sie ihren Hamburger SV verlieren sehen müssen. Aber es fühlt sich im Vergleich zu früher nicht mehr ganz so schlimm an. Die große Leidenschaft und Bindung zu diesem Klub ist bei vielen ein wenig eingefroren. Trotz immer noch erstaunlich guter, aber inzwischen rückläufiger Zuschauerzahlen hat sich die Atmosphäre im und um den HSV spürbar verändert.

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Angesichts der Entwicklung der letzten Jahre ist es kein Wunder, dass vier Niederlagen in Folge bei 0:10 Toren auch nicht mehr als Krise durchgehen. "Wir wissen, wo wir herkommen und dass wir schon schlimmere Zeiten überstanden haben", wurde Sportchef Jens Todt nach dem 0:3 in Leverkusen zitiert. Die Universal-Ausrede für jede noch so schlechte Leistung. Es war schon mal schlechter, also seid doch bitte nicht zu kritisch mit uns, steckt als Botschaft hinter dieser Aussage. Zumal der HSV laut Trainer Markus Gisdol gegen Leipzig, Dortmund und Leverkusen gegen drei der vier Gegner verloren hat, "gegen die man verlieren kann." Problematisch dabei ist nur, dass die Liste der Mannschaften, gegen die man schon mal verlieren kann, von Jahr zu Jahr länger wird.

HSV: Keine Chancen, keine Tore

"Früher wurde ich ausgepfiffen, wenn ich den Ball hinter die Mittellinie zurück gespielt habe. Heute liegen sich die Leute im Stadion in den Armen und jubeln, wenn einer den Ball erfolgreich auf die Tribüne haut", hat Horst Hrubesch in einem Gespräch vor knapp einem Jahr gesagt und damit die auf ein Minimum zurück gefahrene Erwartungshaltung treffend in Worte gefasst. Auch die außersportlichen Themen sind nur Randerscheinungen, da der HSV mit sechs Punkten nach zwei Spieltagen schon mehr Punkte hatte als nach zwölf Spielen im vergangenen Jahr. Außerdem durften die Fans zumindest für eine kurze Zeit wieder "Spitzenreiter" singen. Dafür ist eine Schonfristverlängerung schon mal angebracht, oder? Eigentlich ist sie das nicht.

Auf dem Platz steht eine Mannschaft, die dort angeknüpft hat, wo sie in der Vorbereitung der neuen Saison anfing. Die beiden Siege zu Anfang waren eher dem Unvermögen der überlegenen Augsburger und dem Formtief der Kölner geschuldet, als ein Produkt überzeugender Leistung zu sein. Bereits in der vergangenen Rückrunde wies ich darauf hin, dass der Aufschwung und die erkämpften Siege einer überdurchschnittlichen Chancenverwertung zu verdanken waren.

Christian Mathenia Hamburger SV

"Normal" war es jedenfalls nicht, dass der HSV aus drei Chancen gefühlt zwei Tore schoss. Jetzt erspielt sich das Team aber überhaupt keine mehr. Und wenn doch, fehlt das Glück, das den HSV in der letzten Saison über Monate hinweg begleitet hat. Die letzte große Chance, an die ich mich erinnern kann, ist der Konter über Bobby Wood, Andre Hahn und Filip Kostic gegen RB Leipzig. Das ist drei (!) Spieltage her.

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Fliegt Kühnes rechte Hand aus dem Aufsichtsrat?

Das Bild des HSV Ende September 2017 ist geprägt davon, chancenlos zu sein. Chancenlos auf dem Platz, weil die Leistung insgesamt nur 20 Minuten oder maximal eine Halbzeit gut ist. Chancenlos außerhalb des Rasens, weil das Erbe der Ära Dietmar Beiersdorfer viel zu schwer wiegt und jegliche Korrekturversuche der neuen Führung von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Will man einen Weg ohne Investor Klaus-Michael Kühne gehen, steigt die Gefahr, sportlich an Qualität einzubüßen. Geht man den Weg mit ihm, steigt die Gefahr, wirtschaftlich unter der Last enormer Ausgaben und Verbindlichkeiten erdrückt zu werden.

Der HSV entschied sich vor der Saison, keinen der beiden Wege konsequent zu gehen. Und obwohl Vorstandsboss Heribert Bruchhagen davon sprach, auch ohne Kühne überlebensfähig zu sein, sagt er gleichzeitig, dass man erst im Frühjahr wissen werde, ob seine erneute Hilfe zum Erlangen einer Lizenz für die nächste Saison nötig sein wird. Ob der Milliardär überhaupt noch für weitere Hilfen zur Verfügung steht, ist indes unklar. Die anstehenden Aufsichtsratswahlen ( mehr dazu hie r) und die Personalie Karl Gernandt, bis Ende 2016 Vorsitzender des Kontrollgremiums, belasten die Beziehung zum HSV zusätzlich. Denn innerhalb der Mitgliedschaft scheint Konsens darüber zu herrschen, dass Gernandt dem neuen Aufsichtsrat nicht mehr angehören soll. Das wiederum will Kühne allem Anschein nach nicht akzeptieren. Und wer am längeren Hebel sitzt, dürfte inzwischen klar sein.

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