Saisonvorschau 2017/18: Was ist drin für den Hamburger SV?

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Krisenstimmung schon vor dem ersten Saisonspiel. Nach dem Pokal-Aus herrscht beim HSV wieder einmal mächtig Unruhe. Auch wegen Investor Kühne.

Neue Saison, altes Leid. Der Hamburger SV vergeigt vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison die Generalprobe im DFB-Pokal gegen den bisher sieglosen Drittligisten VfL Osnabrück mit 1:3 und zeigt sich in bedenklich schlechter Verfassung. Schon vor dem ersten Spiel schrillen überall die Alarmglocken. Zudem sorgen Äußerungen von Investor Klaus-Michael Kühne für allgemeine Verunsicherung. Entzieht der Milliardär den Verantwortlichen das Vertrauen, ist ihre Zeit bald abgelaufen.

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Ob die panische Stimmung in der Hansestadt gerechtfertigt ist, wird sich in den nächsten zwei, drei Spielen zeigen. Wohin führt der Weg des Rothosen wirklich?

Goal führt vier Gründe auf, warum der HSV eine erfolgreiche Saison spielt – und stellt vier Gründe dagegen.


Der Hamburger SV spielt eine herausragende Saison, weil ...


… die Gegner ihn unterschätzen. Schon vor Beginn der neuen Saison sind die Rothosen das Gespött der Liga. Trotz Überzahl verlor der HSV gegen den Drittligisten VfL Osnabrück und flog in der ersten Runde aus dem Pokal. Wer kann diese Mannschaft in der Bundesliga wirklich ernst nehmen? Die größte Kraft hat der HSV immer dann geschöpft, als er angeknockt am Boden lag. Das wird in dieser Saison regelmäßig der Fall sein.

... er destruktiven Fußball spielt. Lange Bälle, kompakt verteidigen, viel laufen - mit diesen Tugenden gelang es den den Hamburgern die Rückrundentabelle der letzten Saison auf Platz sieben zu beenden. Favorisierte Teams wie Bayer Leverkusen, RB Leipzig, Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach und die TSG Hoffenheim haben sich an der Spielweise des HSV die Zähne ausgebissen und allesamt verloren. In der Rolle des Unterlegenen sind die Hanseaten besonders gefährlich - und das sind sie in dieser Saison aufgrund der starken Aufsteiger aus Stuttgart und Hannover in jedem Spiel.

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... der Kern der Mannschaft geblieben ist. Normalerweise gibt es beim HSV jährlich einen Umbruch. Dieser blieb in der aktuellen Spielzeit aus. Trainer Markus Gisdol kann weiterhin auf all seine Stützen bauen, Verteidiger Kyriakos Papadopoulos, Stürmer Bobby Wood und Rechtsaußen Nicolai Müller konnten gehalten werden. Die Mannschaft kennt sich und das Spielsystem des Trainers, weiß um ihre Stärken und Schwächen und dürfte nach der aufreibenden letzten Saison noch enger zusammengerückt sein.

... niemand mehr von Europa träumt. Wer erinnert sich noch an den Hype des letzten Sommers? Balkan-Messi Alen Halilovic, Flügelflitzer Filip Kostic, Olympiasieger Douglas Santos - die Neuverpflichtungen weckten schnell Hoffnungen auf einen internationalen Wettbewerb. Hat, wie wir heute wissen, nicht ganz gereicht. Entsprechend zurückhaltender agierten die Verantwortlichen in diesem Jahr auf dem Transfermarkt. Zumindest was die Namen und die damit einher gehenden Erwartungen angeht. Fans und Umfeld haben eigentlich nur noch einen Wunsch: Die Mannschaft soll in jedem Spiel das Maximum abrufen, es jedem Gegner schwer machen und dabei genügend Punkte sammeln, die zum sicheren Klassenerhalt reichen.

Hamburger SV, 30052017


Der Hamburger SV wird Probleme bekommen, weil ...


… die Mannschaft nicht verstärkt wurde. Es ist zwar ein Vorteil, dass der Kern der Mannschaft gehalten werden konnte. Aber dieses Team hätte dringend Verstärkungen nötig. Die gab es aber nicht. Trotz Investitionen von etwa 20 Millionen Euro ist kein neuer Spieler hinzu gekommen, der das Niveau des HSV signifikant anhebt. Etliche Baustellen im Kader, zum Beispiel die Suche nach einem Linksverteidiger, sind vor dem Start in die neue Saison noch immer nicht geschlossen. Auf wen Trainer Gisdol setzen kann und auf wen nicht, weiß er wahrscheinlich erst am Deadline-Day. Suboptimale Voraussetzungen.

... Investor Klaus-Michael Kühne für Unruhe sorgt. Sein Wort hat Gewicht. Entzieht er einem Verantwortlichen das Vertrauen, ist dessen Zeit in der Regel bald abgelaufen. Ex-Coach Bruno Labbadia weiß wie schwierig es ist, unter diesen Bedingungen in Ruhe zu arbeiten. Bislang galt das Verhältnis von Kühne zu Gisdol als sehr vertrauensvoll. Erstmals seit langer Zeit hat der Investor einem Cheftrainer den Rücken gestärkt - jedenfalls bis zum Pokal-Aus in Osnabrück. "Der Trainer muss sehr viel mehr an der Mannschaft arbeiten, muss sie fordern und sie zu einem Team formen, damit das ganze Stabilität erhält und eine Zukunfts-Perspektive hat", sagte der Milliardär im Gespräch mit Sky Sport News HD. Klingt so, als sei Gisdol das bisher nicht gelungen.

... die Liga in diesem Jahr deutlich stärker ist. Galten im letzten Jahr Darmstadt und Ingolstadt in Expertenkreise noch als sichere Absteiger, ist das in dieser Spielzeit anders. Mit Stuttgart und Hannover sind zwei Klubs aufgestiegen, die deutlich stärker und breiter besetzt sind. Während fast alle Konkurrenten des HSV bezüglich ihrer Kaderplanung Fortschritte machen konnten, treten die Hamburger auf der Stelle. In der aktuellen Verfassung sind die Rothosen Abstiegskandidat Nummer eins.

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... er das Vertrauen seiner Fans verspielt hat. Irgendwann reicht es selbst dem treuesten Anhänger. Seit der umstrittenen Ausgliederung der Profifußballabteilung in eine Aktiengesellschaft vor drei Jahren pumpte der HSV mehr als 120 Millionen Euro in den Kader, erhöhte die Abhängigkeit zum Investor, tauschte mehrere Trainer und Sportchefs aus - ohne Erfolg. Die ursprünglichen Ziele, Schulden abzubauen, Personalkosten in den Griff zu bekommen und eine junge und entwicklungsfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen, die Werte für den Klub schafft, wurden mit Füßen getreten. Stattdessen versuchen die Verantwortlichen jedes Jahr das Gleiche: Sie leihen sich Geld von Kühne, zahlen übermäßige Gehälter an durchschnittliche Spieler, während Talente und Eigengewächse wieder einmal kaum oder gar keine echte Chance bekommen werden. Mit dieser Vereinspolitik kann sich niemand identifizieren.

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