Gianluigi Donnarumma: Eine emotionale Katastrophe für den AC Mailand

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Der Schock sitzt tief, Donnarumma wird seinen Vertrag beim AC Milan nicht verlängern - eine emotionale Katastrophe für einen Klub im Aufwind.


KOMMENTAR ZUR DONNARUMMA-ENTSCHEIDUNG

Als gegen 17.30 Uhr Marco Fassone, Geschäftsführer beim AC Mailand, vor die Kameras trat, war die Welt bei allen Milan-Fans noch in Ordnung. Wenige Augenblicke später herrschte Schockzustand bei allen Tifosi, deren Herz für die Rossoneri schlägt. Zwei Sätze reichten aus, um die Aufbruchsstimmung, die dieser Tage im und um den Klub herrscht, ins Wanken zu bringen. "Mino Raiola hat mir die Entscheidung Donnarummas mitgeteilt, seinen Vertrag beim AC Milan nicht zu verlängern. Es ist eine finale Entscheidung des Spielers", sagte Fassone. Ein leise gesprochener Satz mit einer ohrenbetäubenden Wirkung.

Dieser 15. Juni wird - das kann man ohne Übertreibung so sagen - in die Klubgeschichte eingehen. Denn mit Donnarumma geht nicht nur eines der größten Talente der Welt und der designierte Squadra-Azzurra-Nachfolger von Gianluigi Buffon, sondern auch der Spieler, der trotz seiner erst 18 Jahre wie kein Zweiter für den Aufbruch stand. Für das neue Milan, an dem die Kaderarchitekten derzeit so fleißig bauen, basteln und feilen.

Andre Silva im Porträt: Milans neue Hoffnung

Nachdem die Euphorie nach dem Transfer von Andre Silva, für den man stolze 38 Millionen Euro nach Porto überwies, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, hat sie jetzt einen Dämpfer bekommen, von dem sich zu erholen nur durch echte Top-Transfers möglich sein wird. Denn es geht ja nicht nur um die kommende Saison, um die Rückkehr in die Königsklasse und das Ende der Leidenszeit, die der Klub in den letzten Jahren durchmachen musste. Es geht um das Wegbrechen des Akteurs, der das Gesicht einer ganzen Ära werden sollte. 

Gianluigi Donnarumma Milan

Donnarummas Abgang wiegt vor allem psychisch schwer

WORUM GEHT ES?
Gianluigi Donnarumma lehnte das Angebot des AC Mailand ab, seinen 2018 endenden Vertrag zu verlängern. Das gab Geschäftsführer Marco Fassone am Donnerstag bekannt.: "Mino Raiola hat mir die Entscheidung Donnarummas mitgeteilt, seinen Vertrag beim AC Milan nicht zu verlängern. Es ist eine finale Entscheidung des Spielers."

 

Mit Gianluigi Donnarumma als emotionale und auch qualitative Speerspitze wollte man endlich den Anknüpfungspunkt finden an die goldenen Tage der Paolo Maldinis, Alessandro Nestas und Andrea Pirlos. Freilich, der Weggang eines einzelnen Spielers wiegt keineswegs so schwer, wie es in diesem Kommentar bisher den Anschein hat, auch Donnarumma wird irgendwie zu ersetzen sein. 

Viel schwerer, daher der Schock und der pessimistische Tenor des Textes, wiegt die emotionale psychische Komponente. Denn durch die Entscheidung des Mannes, der an manchen Tagen in den letzten beiden Jahren der einzige Lichtblick war, seinen 2018 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, setzt er - ob gewollt oder ungewollt - ein Zeichen. Ein Zeichen, das den Glauben an das Projekt Wiedererstarkung erschüttert.

Denn wer, wenn nicht das Aushängeschild schlechthin, soll daran glauben, dass es nun tatsächlich wieder stetig bergauf geht, dass die Transferoffensive erst der Beginn einer durchdachten Strategie ist, an deren Ende sogar der Thron Europas stehen soll? Donnarummas Ablehnung wird Auswirkungen auf andere dicke Fische im Teich haben, die sich genau überlegen, auf welches Pferd sie setzen, um in ihrer Karriere nicht an Schwung zu verlieren. 

Hass gegen Mino Raiola nicht angebracht

Im Netz entlädt sich derweil der Hass auf den Mann, der hinter Donnarumma steht: Berater-Gigant Mino Raiola. Kommentare, die auf seine körperliche Erscheinung abzielen, gehören noch zu den freundlicheren. Man wirft ihm Geldgeilheit vor, dass er, um sich persönlich mit Millionen zu bereichern, bereit sei, wider die beste sportliche Entscheidung zu handeln und seine Klienten zu verscherbeln. 

Der Italiener, der längst zu den mächtigsten Männern der Branche gehört und zu dessen Klienten Stars wie Pogba, Ibrahimovic und Balotelli zählen, hat einen legendären Ruf, gleich einem Weißen Hai gnadenlose Deals abzuschließen. So machte er Pogba zum teuersten Transfer aller Zeiten - ein Deal übrigens, bei dem er laut Football Leaks unfassbare 49 Millionen Euro eingestrichen haben soll. 

Eine Ausrede für Donnarumma oder gar eine berechtigte Aktion, bei Facebook Giftpfeile gegen Raiola zu verschießen, ist die Tatsache, dass er der Berater des Torwartjuwels ist, aber keinesfalls. Denn Donnarumma ist 18, blutjung zwar, aber alt genug, um selbst Entscheidungen treffen zu können und genau zu wissen, welche Auswirkungen das Ablehnen der Offerte hat, die Fassone als "wichtig" betitelte.

01 NxGn GIANLUIGI DONNARUMMA

Milan muss Donnarumma verkaufen

Schließlich ist Milan nun beinahe gezwungen, ihn sofort zu verkaufen, will man ihn 2018 nicht ablösefrei ziehen lassen. Bei den 60 bis 70 Millionen Euro, die sein neuer Arbeitgeber für seine Dienste wohl berappen müsste, wäre das, so bitter es klingt, das einzig Sinnvolle für die Rossoneri. Schließlich hat man dann Geld und noch genug Zeit, einen geeigneten Ersatz zu finden. 

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Egal, ob der Weg Milans tatsächlich wieder steil nach oben führen mag oder nicht - Gianluigi Donnarumma wird nicht mit an Bord sein. Der stolze Traditionsklub verliert so nicht nur einen seiner besten Spieler, sondern eine Identifikationsfigur, einen Spieler, der das Potenzial hatte, eine Vereinsikone wie Nesta oder Baresi zu werden. Er sollte der emotionale Klebstoff sein, der den neuen Premiumkader zusammenhält, der die den China-Investoren eher skeptisch oder gar feindselig gegenüber stehenden Fans abholen sollte. 

Daraus wird nun nichts und innerhalb weniger Minuten ist Donnarumma vom Liebling der schwarz-roten Massen zu einer Enttäuschung geworden. Dieses Phänomen ist nichts Neues im Fußball und für viele Vereine kein Problem. Bei Milan aber ist es eine Katastrophe. Denn sportlich mag der Abgang zu kompensieren sein, emotional und psychisch allerdings nicht.

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