Saisonvorschau 2017/18: Was ist drin für den FC Bayern München?

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Der FC Bayern steckt mitten im Umbruch. Spielen die Münchner dennoch eine herausragende Saison? Vier Gründe, die dafür sprechen - und vier dagegen.

Bitteres Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid, bitteres Aus im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund und der souveräne Gewinn der Bundesliga: Die vergangenen Saison war für den FC Bayern München eine gute, jedoch keine sehr gute.

Nun also startet der deutsche Rekordmeister mit Trainer Carlo Ancelotti einen neuen Anlauf. Das Ziel: der Gewinn der Königsklasse. Oder etwa doch nicht? Uli Hoeneß schlägt im Vorfeld der neuen Spielzeit ungewohnt milde Töne an. Pflicht sei einzig der Gewinn der Meisterschaft, erklärte der Klubpräsident. Aber würde das tatsächlich für eine sehr gute Spielzeit reichen? Goal führt vier Gründe auf, warum die Bayern eine herausragende Saison spielen werden - und stellt vier Gründe dagegen.


Der FC Bayern München spielt eine herausragende Saison, weil ...


... die eigenen Ansprüche nicht so hoch sind wie üblich: "Wenn wir Deutscher Meister werden, bin ich schon sehr zufrieden. Wir stehen vor einem Umbruch", sagte Hoeneß im Juli. DFB-Pokal und Champions League sind für die Münchner also ausnahmsweise Bonus, so zumindest trägt es der Klub an die Öffentlichkeit. Gleichzeitig liegt es im Naturell der Münchner, immer alle Titel gewinnen zu wollen, wie es auch Thomas Müller im Goal-Interview bestätigte. Und trotzdem: Die vergleichsweise seichte Erwartungshaltung mindert den Druck, selbst bei einem Klub wie dem FC Bayern. Stimmen Faktoren wie etwa die sportlichen Leistungen sowie die Weiterentwicklung einzelner Spieler, könnte die Saison auch mit "nur" einem Titel als eine sehr gute in die Bilanz eingehen. 

... das Ancelotti-System besser greift: Der Übergang von Pep Guardiola zu Ancelotti entpuppte sich erwartungsgemäß als schwierig. Nun aber kennt Ancelotti die Mannschaft besser - und die Spieler kennen ihn besser. Mit Corentin Tolisso und James Rodriguez hat der Italiener zudem zwei Wunschspieler bekommen, sodass sein System deutlicher erkennbar sein dürfte und in der Folge auch besser funktionieren sollte.

... Sebastian Rudy das Zeug zum Königstransfer hat: Der ablösefrei von der TSG 1899 Hoffenheim gekommene und oft unterschätzte Mittelfeldspieler bringt alle Voraussetzungen mit, um Xabi Alonso zu ersetzen. Seine ersten Auftritte im Bayern-Dress waren vielversprechend. Umsichtig und ruhig fungierte Rudy als Struktur- und Taktgeber. Aktuell darf trotz der namhaften Konkurrenz um Arturo Vidal und Neuzugang Tolisso kein Weg an dem 27-jährigen Nationalspieler vorbei führen. "Rudy könnte die Überraschung sein, mit der man in Fußball-Deutschland nicht gerechnet hat", glaubt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. 

... Joshua Kimmich ein würdiger Nachfolger für Philipp Lahm ist: Lahm hat beim Rekordmeister eine Ära geprägt, keine Frage. Rein sportlich muss sich Kimmich aber nicht vor dem langjährigen Kapitän verstecken. Der Youngster hat schon im vergangenen Sommer bei der Europameisterschaft in Frankreich seine Qualitäten als Rechtsverteidiger hinreichend unter Beweis gestellt. Im vergangenen Jahr meist nur Ergänzungsspieler fürs Bayern-Mittelfeld, ist Kimmich in der neuen Spielzeit rechts in der Viererkette gesetzt. Spielt er weiterhin mit so viel Mut, Klarheit im Passspiel und Offensivdrang, kann er Lahm schneller vergessen machen, als es viele für möglich halten.

*Only Germany* Niklas Süle Carlo Ancelotti Sebastian Rudy Bayern München 31072017


Der FC Bayern München wird Probleme bekommen, weil ...


... der Klub im Umbruch steckt: Lahm und Alonso haben ihre Weltkarrieren beendet, Arjen Robben ist inzwischen 33, Franck Ribery sogar 34 Jahre alt. Die Münchner stehen nicht vor einem Umbruch, wie es Honeeß formulierte, sie stecken bereits mitten drin. Mit den Verpflichtungen von Niklas Süle, Kingsley Coman (beide 21), Serge Gnabry (22 / verliehen an Hoffenheim), Tolisso (23) sowie James (26) und Rudy (27) hat Bayern einige Hebel in Bewegung gesetzt, um die Altersstruktur des Kaders zu verjüngen, eine Abhängigkeit von den häufig verletzten Flügelflitzern besteht aber nach wie vor. 

James mag zwar ein sehr guter Kicker und die von Hoeneß angekündigte "Granate" sein, die Problemzonen im Kader behebt er jedoch nicht. Darüber hinaus haben sich die Münchner aus verständlichen Gründen dazu entschieden, beim Transferwahnsinn nicht mitzumachen. Eine moralisch feine Entscheidung, die es in Zeiten wie diesen allerdings nicht zulässt, gestandene Weltklasse-Kicker zu verpflichten, die auf Anhieb weiterhelfen und besser sind als vorhandenes Personal. Real Madrid hat die Münchner in den vergangenen Jahren bereits abgehängt, in Paris, Manchester und anderswo schmieden sie ähnliche Pläne - und lassen sich das einiges kosten. 

... es hinter den Kulissen Problempotenzial gibt: Kaderplaner und Transfer-Spürnase Michael Reschke hat die Bayern in Richtung VfB Stuttgart verlassen, als Sportdirektor wurde Hasan Salihamidzic installiert, die Wunschlösungen Lahm und Max Eberl hatten zuvor abgesagt. Zudem sitzt mit Willy Sagnol ein neuer Co-Trainer auf der Bank, weil Paul Clement den Verein verlassen hat und Hermann Gerland sich künftig in neuer Rolle als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums für den Verein einbringt. Bedeutet: Viel Stallgeruch, wenig Erfahrung. Dazu kommen die dominanten Bosse Hoeneß und Rummenigge an der Spitze des Klubs. Bei den Münchnern müssen sich die neuen Strukturen erst finden. 

... weiterhin ein Backup für Robert Lewandowski fehlt: Die Problematik begleitet den FCB bereits seit Jahren. Fällt Top-Torjäger Lewandowski in wichtigen Partien aus, haben die Münchner ein Problem. Thomas Müller ist in vorderster Front nicht so stark wie aus tieferer Rolle. Jüngster Beweis: das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid.

... zwei wichtige Persönlichkeiten fehlen: Mit Lahm und Alonso haben die Bayern nicht nur zwei wichtige Spieler verloren, sondern auch zwei wichtige Charaktere. Beide waren in wichtigen Partien gesetzt und somit völlig unumstritten. Beide waren Wortführer in der Kabine, verlängerte Arme des Trainers, Ansprechpartner für die jüngeren Spieler. Auf dem Platz mögen Lahm und Alonso dank Kimmich und der vielen Optionen fürs zentrale Mittelfeld vielleicht zu ersetzen sein, menschlich allerdings schmerzt der Verlust enorm. Das nun aufklaffende Machtvakuum muss sich erst einmal füllen, die neuen Hierarchien um Kapitän Manuel Neuer wachsen. 

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