Deutschland in Europa: Bestenfalls Stagnation

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Die Deutschen präsentieren sich auf internationaler Bühne äußerst bescheiden. Die Konkurrenz wird immer besser, während die Bundesliga stagniert.


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Nun ist es also amtlich: Der FC Bayern München steht als einziger Bundesligist im Achtelfinale der Champions League. Damit stellt Deutschland im prestigeträchtigsten Klubwettbewerb des europäischen Fußballs genauso viele Teilnehmer wie die Türkei, die Schweiz, die Ukraine, Portugal und Frankreich. Zwei Mannschaften, die auch in der Rückrunde in der Königsklasse vertreten sein werden, kommen aus Italien, drei aus Spanien und sogar fünf aus England. Das ist kein Zufall, sondern ein weiteres Indiz für eine alarmierende Entwicklung.

Kurioser Negativrekord für den BVB

Seit dem deutsch-deutschen Champions-League-Finale von Wembley im Jahr 2013, in dessen Folge zwischenzeitlich übermütig von einer Wachablösung gefaselt wurde, geht es ziemlich dahin mit dem deutschen Fußball. Das hat viele Gründe, ein wichtiger ist sicherlich das Geld. Das Geld aus Fernseheinnahmen und der eklatante finanzielle Rückstand auf die Premier League. Das Geld der Scheichs und Oligarchen.

Die Bayern, einziger deutscher Vertreter im Achtelfinale und damit auch so etwas wie die letzte Hoffnung der Republik, wollen diesen Transferwahnsinn, wie Uli Hoeneß das entfesselte Gebaren auf dem Markt nennt, bekanntlich nicht mitmachen. Die Münchner müssten deshalb kreativer sein und sich etwas ausdenken, forderte Robert Lewandowski zuletzt. Das gilt sicher auch für den FC Bayern, aber vor allem gilt es für all die anderen. Es ist schließlich schwer vorstellbar, dass Dortmund in naher Zukunft 222 Millionen Euro für Neymar auf den Tisch legt, Leipzig 105 für Paul Pogba oder Schalke 90 für Gonzalo Higuain.

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Bloß vier Mannschaften standen in den vier Finals der Champions League seit der Nacht von Wembley. Es waren Real Madrid, Atletico Madrid, Juventus Turin und der FC Barcelona. Ausschließlich Vereine also, die allesamt schon 66 Millionen Euro oder sogar (weit) mehr in einen Spieler investiert haben. Die wiedererstarkten und ebenfalls äußerst zahlungsfreudigen Engländer, Pep Guardiolas Manchester City, Jose Mourinhos Manchester United, Antonio Contes FC Chelsea, Jürgen Klopps FC Liverpool oder Arsene Wengers FC Arsenal, sind noch gar nicht Teil dieser Gleichung. Genauso wenig das bestens betuchte Paris Saint-Germain.

Titelkampf nicht mehr existent

Das Problem der Bundesliga beginnt aber nicht an der Spitze, es beginnt weiter unten, im Mittelfeld. Man braucht eigentlich nur einen Blick auf die Ergebnisse, auf die Kader und auf die Transfers von Durchschnittsteams in England, Spanien, Italien und Deutschland werfen. Man muss nur einen Blick werfen auf die erweiterte Spitze. Es mag ja sein, dass auf der Insel gerade auch nicht die ganz große Spannung an der Tabellenspitze herrscht, das liegt aber nur daran, dass es Guardiola wieder einmal vollbracht hat, ein Team zu formen, das sich beängstigend nahe an der fußballerischen Perfektion bewegt. Dahinter duellieren sich aktuell aber gleich sechs Mannschaften auf Augenhöhe. In Italien sind es derzeit drei an der Spitze und in Spanien ist der Kampf um die Meisterschaft ohnehin abwechslungsreich. Selbst in der von Paris dominierten Ligue 1 gab es zuletzt Unterhaltung, der amtierende Meister kommt aus Monaco.

In der Bundesliga dagegen ist ein Titelkampf seit 2012 faktisch gar nicht mehr existent. Dafür blamieren sich die Deutschen in dieser Saison in bemerkenswerter Art und Weise auf internationalem Pakett. Borussia Dortmund gewann kein einziges Spiel, holte nur zwei Pünktchen in den beiden Partien gegen APOEL. RB Leipzig schied in einer ausgeglichenen Gruppe aus. 1899 Hoffenheim scheitert gerade in einer Gruppe mit Braga, Ludogorets und Basaksehir Istanbul, die Hertha in einer anderen mit Östersunds, Bilbao und Zorya Luhansk. Einzig der 1. FC Köln könnte sich noch für die K.o.-Phase der Europa League qualifizieren.

Dass sich eine gesunde Transferbilanz und sportlicher Erfolg nicht ausschließen, zeigen in der jüngeren Vergangenheit Atletico, Tottenham und sogar Real. Die Qualitätsdichte jedenfalls wird auf höchstem Niveau derzeit sukzessive größer. Immer mehr Teams drängen in die Spitze, während die Bundesliga bestenfalls stagniert und aktuell einzig den FC Bayern zu bieten hat. Es sieht düster aus für den deutschen Fußball auf internationalem Parkett.

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