Der Name verpflichtet: Marcus Thuram macht in der Ligue 1 Furore

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Der Sohn der Frankreich-Legende Lilian Thuram macht als Stürmer in Guingamp enorme Fortschritte in dieser Saison. Eine große Zukunft liegt vor ihm.

Marcus Thuram muss in große Fußstapfen treten.

Der 20-jährige Stürmer von Guingamp, der am Samstag schon nach 56 Sekunden im Spiel gegen Toulouse sein zweites Saisontor erzielte, ist der Sohn von Frankreichs WM-Held Lilian Thuram.

Der Ex-Verteidiger von Monaco, Parma und Juventus ist in seinem Heimatland eine echte Legende - und deshalb ist es etwas überraschend, dass sein ältester Sohn auf der anderen Seite des Platzes sein Glück sucht. Das Toreschießen war nicht die Sache von Lilian, der in 825 Pflichtspielen seiner Karriere nur 15-mal traf.

Vielleicht hat die Entscheidung auch mit der rebellischen Ader von Marcus zu tun, der immerhin nach dem jamaikanischen Bürgerrechtsaktivisten Marcus Garvey benannt worden ist.

Marcus Thuram Guingamp Lyon

Im Laufe der Zeit hat sich der Youngster, der in Italien geboren wurde, als sein Vater dort mit Spielern wie Gianluigi Buffon oder Fabio Cannavaro zusammen auf dem Platz stand, eher als Torschütze als als Toreverhinderer einen Namen gemacht.

Seit seinem Wechsel von Sochaux in die Bretagne spielt er zwar erst seit zwei Monaten in der ersten Liga, doch immerhin kommt er bereits auf zwei Saisontore.

Marcus galt schon seit langem als vielversprechendes Talent: Bereits mit 15 Jahren wechselte er in die Nachwuchsabteilung des Klubs aus dem Stade Bonal - auf Anraten seines Vaters.

"Sochaux ist weitab von allem, es gibt nicht viel Aufmerksamkeit in den Medien. Es ist wie eine Schutzhülle", sagte Marcus L’Equipe. “Mein Vater hat mir empfohlen, von dem ganzen Bling-Bling wegzubleiben."

In der Jugendabteilung von Sochaux, einer der berühmtesten Frankreichs, wurde er auch zum Nationalspieler: Er lief für Frankreichs U17 auf und danach auch für alle anderen Jugendteams der Equipe Tricolore bis zur U20.

Giuseppe Scalera Marcus Thuram 01062017

Für Sochaux feierte Marcus auch sein Profidebüt, als er im März 2015 gegen Chateauroux eingewechselt wurde. Ein paar Monate später traf er im Finale des Coupe Gambardella, bei dem die besten Jugendteams Frankreichs aufeinandertreffen. 

Es folgte wenige Wochen später der erste Profivertrag - und in den folgenden zwei Jahren kam der Angreifer zu immer mehr Einsatzzeiten.

Der ehemalige Abwehrspieler von Paris Saint-Germain, Antoine Kombouare, der nun Guingamp betreut, hat seine Entwicklung noch einmal beschleunigt, denn er setzte Thuram als Mittelstürmer ein; im Gegensatz zu seiner Zeit in Sochaux, als er meist auf dem Flügel ran durfte.

Thuram muss dem Spiel seines Teams in der Offensive mehr Präsenz verleihen - und durfte das inzwischen bei fünf Startelf-Einsätzen tun. Fast 500 Minuten stand er schon in der Ligue 1 auf dem Platz und das beweist, dass er den nächsten Schritt gemacht hat. Denn für Sochaux kam er in der abgelaufenen Spielzeit insgesamt nicht mal auf 1000 Minuten.

Sein erstes Pflichtspieltor erzielte Thuram mit einem Kopfball gegen Lyon. Er feierte seinen Treffer mit einer bekannten Geste: Er hielt seine Hand an den Mund und nahm eine Denkerpose ein - genau wie sein Vater Lilian bei seinem großen Moment, als er zwei Tore in Unterzahl im WM-Halbfinale 1998 gegen Kroatien gemacht hatte. Es waren die einzigen beiden Tore in der Nationalmannschaft für den Verteidiger, der 142 Länderspiele machte.

Erst später stellte Marcus klar, dass er gar nicht seinen Vater mit seiner Geste gemeint hatte, sondern den in Frankreich äußerst beliebten Rapper und Comedian OhMonDieuSialva.

"Nein, nein. Papa war auf den Knien", erklärte Marcus in der Mixed Zone. "Ich wollte jemand anderen nachmachen, der heißt OhMonDieuSialva. Er ist ein Comedian auf Social Media", sagte er.

Marcus hatte es nie darauf angelegt, vom großen Namen seines Vaters zu profitieren, um seine Karriere zu promoten. Und doch hatte die besondere familiäre Verbindung gewisse Vorteile in seinem Leben.

Als Lilian noch in Barcelona spielte, erklärte Marcus, dass "einer von Papas Freunden" ihm Fußballschuhe geschenkt habe. Dieser "Freund" war der damals 20-jährige Lionel Messi.

"Ich war ziemlich sorglos zu der Zeit, etwa 10 Jahre alt, als er 20 war", erzählte Marcus AFP. “Seine Schuhe waren zu klein für mich, deshalb habe ich sie an einen Freund weiterverschenkt. Der muss sie immer noch haben!", fügte er hinzu.

Wenn man Thuram junior ist, hat das auch seine Nachteile, doch Marcus will diese Dinge zu seinen Stärken machen.

Marcus Thuram Marcelo Guingamp Lyon 10092017

"Wenn ich in ein Stadion komme, wo mich die Leute nicht mögen, will ich es ihnen richtig zeigen", erklärte er L’Equipe. “Wenn die Fans mich beleidigen, stachelt mich das an. Mit meinem Namen ist es klar, dass man zum Ziel wird. Aber ich trage meinen Namen mit Stolz und fühle mich deshalb nicht unter Druck gesetzt", ergänzte er.

Seine Leistungen sind nicht unbemerkt geblieben - besonders nicth bei seinen Mitspielern. Sein routinierter Teamkollege Jimmy Briand sagte: "Für ihn ist es erst der Anfang. Er hat großes Potenzial."

Thuram weiß aber auch, dass er sich in seiner neuen Rolle verbessern muss. "Wenn man Mittelstürmer ist, muss man mehr mit seinen Ellbogen arbeiten und kämpfen", sagte er zu So Foot. “Das ist ein Teil meines Spiels, den ich noch verbessern will."

"Es gibt viele kleine Details, die ich noch perfektionieren muss, um ein sehr hohes Niveau zu erreichen. Aber ich bin froh, dass das so ist. Denn wenn ich mit 20 schon am Ende meiner Entwicklung wäre, hätte ich etwas falsch gemacht", so Thuram.

Für Marcus Thuram mag es noch ein langer Weg bis zur Weltspitze sein. Aber immerhin hat er schon den perfekter Helfer in Person seines Vaters an seiner Seite.

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