Chelseas Andreas Christensen: Eine Lüge zum Karrierestart

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Die Blues haben im Sommer viele ihrer zahlreichen Leihspieler verkauft. Das größte Talent ist allerdings wieder nach London zurückgekehrt.


EXKLUSIV

"Ruhig", "talentiert" und "auf dem Boden geblieben" sind die Attribute, die einem in den Sinn kommen, wenn man mit Andreas Christensen zu tun hat. Der Däne hat sich beim FC Chelsea zur Vorbereitung unter Trainer Antonio Conte zurückgemeldet.

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Der 21-Jährige wird bei den Blues als der Spieler aus der eigenen Jugend gesehen, der die Lücke, die der Abgang von John Terry in der Abwehr hinterlassen hat, zumindest teilweise ausfüllen kann. Von den 38 Chelsea-Spielern, die in der vergangenen Saison verliehen waren, ist er nach Meinung vieler Experten der Beste.

Und genau deshalb hat ihn Coach Conte ins Trainingszentrum nach Cobham eingeladen, um mit der ersten Mannschaft die Einheiten zu absolvieren. Anstatt 70 Millionen Euro für Virgil van Dijk auszugeben, schaute sich Chelsea erst einmal in den eigenen Reihen um, als es darum ging, die Defensive zu verstärken.

Gladbach als perfektes Sprungbrett

Schon Christensens Vater Sten war Fußball-Profi, Torhüter bei Bröndby. Er hat die Entwicklung seines Sohnes wären der zweijährigen Leihe bei Borussia Mönchengladbach genau beobachtet und festgestellt, dass aus Andreas ein viel besserer Fußballer geworden ist.

"Die zwei Jahre, die er dort verbracht hat, sind fantastisch gewesen. Er hat sich enorm entwickelt. Das war der beste Schritt, den er jemals gemacht hat", sagte Sten Christensen zu Goal . "Im ersten Jahr hat niemand daran geglaubt, dass er so viel spielen würde - weder ich, Andreas, Chelsea noch Gladbach", fügte er hinzu.

Andreas Christensen

Andreas Christensen

"Wir haben gedacht, dass er rund 15 Spiele machen würde, um sich an den deutschen Fußball zu gewöhnen, aber er hat viel mehr gespielt. Die Youngster waren richtig gut in Gladbach, er hat dort mit vielen tollen Talenten gespielt", sagte Sten Christensen.

"Manager Max Eberl hat sich prima mit ihm verstanden. Ich werde es vermissen, dort vorbeizuschauen - und Andreas auch. Max wollte unbedingt, dass er bleibt, aber die Ausleihe war zu Ende und deshalb musste er zurück. Egal, was nun passiert: Für Andreas ist es wichtig, dass er spielt. Er ist nicht zufrieden, wenn er auf der Bank sitzt", machte der Vater des Abwehrspielers klar.

Mehr Einsätze als erhofft

In den zwei Jahren beim Bundesliga-Klub machte Christensen 81 Spiele für die Fohlen und durfte auch direkt in der Champions League ran, obwohl er vor seinem Wechsel nach Deutschland erst einmal in der Premier League für die Blues aufgelaufen war. In seiner ersten Saison wurde er sofort zum Spieler des Jahres in Gladbach gewählt.

Andreas Christensen ist ein echter Fußball-Verrückter, der immer noch zu den Partien seines ersten Klubs Bröndby geht. Dort entdeckte ihn Chelsea 2012 und holte ihn zum Team von Trainer Andre Villas-Boas. Auch Bayern München, Manchester City, Arsenal und einige Klubs aus Holland waren am Defensivspezialisten interessiert. Christensens erster Trainer bei Bröndby war John Ranum, der den Abschied seines Schützlings Richtung London miterlebte.

"Das war ein trauriger Tag, denn wir hatten gehofft, dass er bleibt und bei uns nach vielleicht einem weiteren Jahr in der ersten Mannschaft spielt. Er sollte einfach beweisen, dass er gut genug für das erste Team war", erzählte Ranum Goal .

 

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"Das hatten wir damals gehofft. Wenn man jetzt aber zurückschaut, war der Abschied für ihn eine gute Entscheidung. Der Plan, den Chelsea für ihn vorbereitet hat, war fantastisch. Sie haben sich um seine Ausbildung gekümmert und die ist sehr, sehr gut verlaufen", sagte der Coach.

"Chelsea hat eine hervorragende Jugendabteilung. Wenn man sich dort nicht gut entwickelt, schafft man es auch bei anderen Klubs nicht. Sie haben einfach alles. Jetzt hoffe ich, dass er nach seiner Rückkehr eine Chance bekommt", meinte Ranum.

Hervorragendes Spielverständnis

"Technisch gesehen ist er toll. Als Mensch ist er sehr ruhig und hat einen guten Überblick. Er war schon immer sehr, sehr gut darin, das Spiel zu lesen. Als er begonnen hat, als Innenverteidiger zu spielen, haben manche Leute gesagt, dass er dafür körperlich nicht stark genug sei, um es ganz nach oben zu schaffen", so Ranum.

"Wir haben dann immer gesagt 'Doch, er schafft es, weil er die Kraft gar nicht braucht. Die wird er sich später in seiner Karriere schon holen'. Er liest das Spiel so gut, dass er gar keine Kraft braucht", fügte er hinzu.

"Bei Gladbach hat man seine Spielübersicht sehr gut gesehen. Und wenn er doch eimal in einen körperlichen Zweikampf gehen musste, hat er jetzt auch die Physis dafür", sagte Ranum.

Andreas Christensen

Christensen schaute als Kind seinem Vater zu, wie der im Tor von Bröndby spielte. Mittlerweile arbeitet Sten als Torwarttrainer für den Klub aus Kopenhagen. Bröndby ist der Verein, bei dem Andreas Christensen mit der Liebe für den Fußball-Sport infiziert wurde.

Sten gibt jedoch zu, dass er einer kleinen Notlüge bedurfte, um die Karriere seines Sohne bei Birkerod, einem kleinen Verein in Kopenhagen zu starten.

Ganz früher Karriere-Beginn

"Andreas hat Fußball gespielt, seit er zwei Jahre alt war, ist immer einem Ball hinterhergelaufen. Er hat unheimlich gerne auf die kleinen Tore gespielt", erzählte Sten Christensen. "Von kleinauf hatte er immer einen Ball am Fuß. Selbst heute noch, wenn wir miteinander reden oder etwas essen, hat er einen Fußball mit dabei", fügte er hinzu.

"Das geht nun schon so, seitdem er zwei ist. Mit richtigem Fußball hat er begonnen, als er vier Jahre alt war. Wir mussten wegen seines Alters ein wenig lügen, denn in Dänemark darf man erst mit fünf Jahren beginnen", so Sten Christensen.

Andreas wurde auf dem Weg in den Profifußballer von einer starken Familie unterstützt: Seine Mutter stand genauso hinter ihm wie sein jüngerer Bruder Magnus. Nach den Anfängen als Kind wurde Sten schließlich gefragt, ob er seinen Sohn zu Bröndby mitbringen wollte - und damit einen großen Schritt in der Entwicklung gehen möchte.

"Den Leuten bei seinem ersten Verein haben wir gesagt, dass er fünf ist, als er noch vier war. Danach hat er bei einem kleinen Verein in Nordsjaelland weitergemacht. Als er zehn Jahre alt war, hat er mich gefragt, ob er bei Bröndby auf einem höheren Niveau trainieren könnte", sagte Sten.

 

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"Ich habe Ja gesagt und wir haben ihn mitgenommen. Einer der Trainer, John Ranum, hat gesagt 'Okay, wir sehen Andreas als Sechser, aber dafür müssen wir ihm noch Abwehrarbeit beibringen, deshalb stellen wir ihn als Innenverteidiger auf, damit er defensiv mehr zu tun hat", erinnerte sich Vater Christensen. "Als kleiner Junge war er Stürmer, rechter Flügelspieler und auch Linksverteidiger. Er kann immer noch auf vielen Positionen spielen. Seine Stärke ist das Spielverständnis, das hat er sich schnell angeeignet", fügte er hinzu. "Als er 15 Jahre alt war, hat Aston Villa ihn bei einem Jugendturnier in Holland entdeckt. Das Wichtigste bei Andreas ist, dass er ein Teamplayer ist, der nie die falsche Einstellung hatte", erklärte Sten Christensen.

"Er ist sehr ruhig, er möchte einfach nur auf dem Platz stehen und Fußball spielen. Das ist seine einzige Motivation. Er muss nicht in der Zeitung stehen und er redet auch nur selten in den Medien. Er will einfach kicken, weil er das liebt", ergänzte er.

Zwei Merkmale werden immer wieder genannt, wenn man sich mit den Leuten unterhält, die Christensen gut kennen: Er ist cool und ruhig - und entspricht damit voll dem Klischeebild eines Dänen. 

Andreas Christensen

Außerdem will er einfach nur Fußball spielen. Deshalb war es ihm auch völlig egal, dass Mönchengladbach nicht gerade eine glitzernde Metropole ist, sondern für ihn nur das Sprungbrett zur großen Karriere in Europa. Sein ehemaliger Trainer John Ranum stimmt bei seinem Urteil mit dem von Vater Sten überein und sieht in Andreas einen der besten Innenverteidiger der Welt in seiner Altersklasse.

"Er muss noch einige Schritte gehen"

"Ich denke, dass er mit Sicherheit einer der besten Innenverteidiger seines Alters ist", meinte Ranum. "Er muss allerdings noch einige Schritte gehen, damit er ganz weit kommen kann. Er hat aber sicherlich das Potenzial, für die besten Vereine Europas zu spielen", so der Ex-Coach.

"Bei seinem nächsten Schritt bei Chelsea muss er 30 bis 40 Spiele pro Saison machen. Nachdem er es in der Bundesliga geschafft hat, ist das Wichtigste, dass er in den meisten Spielen weiterhin in der Startelf steht. Das ist meiner Meinung nach wichtig", fügte er hinzu.

Die Zeit wird es zeigen, ob es Christensen auch bei Chelsea schafft. Aber man hat das Gefühl, dass der Klub schlecht beraten wäre, wenn er diesem besonderen Nachwuchsspieler nicht die Chance geben würde, die Nachfolge von John Terry bei den Blues anzutreten.

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