Caner Erkin gegen Fenerbahce: Die Rückkehr des Fashionista

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Erstmals seit seinem Weggang von Fenerbahce kehrt Caner Erkin zurück ins Sükrü Saracoglu Stadi - ausgerechnet im Trikot des Stadtrivalen.


HINTERGRUND

Fünftagebebartet, sonnenbebrillt und mit lässigem Hut grinst der junge Mann in die Kamera. Zeit für ein Selfie mit seiner wunderschönen Ehefrau, der Schauspielerin Sükran Ovali, die ihm liebevoll einen Kuss auf die Wange haucht. Im Hintergrund die Umtriebigkeit einer römischen Luxuseinkaufsgasse, mit all ihrer gucci- und versacegeschwängerten Erhabenheit.

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Caner Erkin integriert sich mit seinem Look nicht nur in die Szenerie, er verleiht dem Foto erst die Nuance Stilsicherheit, der es bedarf, dass der Schnappschuss ohne weiteres als Aufmacher für die TV-Werbung einer großen Reisesuchmaschine herhalten könnte. Leichtigkeit, Urlaub, Ausspannen – und das alles gut gekleidet, das männliche Pendant zur Fashionista.

 

Siyah Beyaz Aşk

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Fernab von winterlichen Shopping-Touren in der italienischen Hauptstadt mit der Liebsten, weit weg von Latte Macchiato im Caffe Greco, muss sich Caner am Samstag in einem etwas anderen Umfeld beweisen, einem Ort, wo Hut und Ray Ban gegen seine Arbeitskleidung, das Trikot von Besiktas, eingetauscht werden – und genau dieser Umstand keine Jubelstürme bei den mehrheitlich vertretenen Menschen auslöst: im Sükrü Saracoglu Stadi, der Spielstätte des Stadtrivalen Fenerbahce, seinem ehemaligen Klub, für den er sechs Jahre lang die Schuhe schnürte.

Erstmals seit seinem Abgang von den Kanarienvögeln im vergangenen Jahr wird Erkin in dem Stadion auflaufen, wo er einst frenetisch empfangen wurde – und, wo seine Zeit so unrühmlich endete. Was war passiert? Im Sommer 2015 übernahm der Portugiese Vitor Pereira das Traineramt bei Fener, musste aber gleich zu Beginn der Saison gezwungenermaßen drei Begegnungen auf Caner verzichten, weil der sich in der vorletzten Partie der abgelaufenen Spielzeit in der Schlussminute eine Rote Karte eingehandelt hatte. Doch auch als der türkische Nationalspieler wieder zur Verfügung stand, ließ Pereira ihn häufiger draußen, setzte ihn mal über die volle Distanz ein, um ihn eine Woche später wieder auf die Bank zu verbannen. Ein Meniskusriss setzte Caner im November dann erneut außer Gefecht.

Caner Erkin Fenerbahce

Der große, irreversible Bruch zwischen Spieler und Trainer erfolgte allerdings erst im April letzten Jahres. Caner erfuhr im Vorfeld des Derbys gegen den ungeliebten Nachbarn Galatasaray, dass Pereira ihm erneut nur die Reservistenrolle zukommen lassen wollte. Noch auf dem Trainingsgelände Fenerbahces kam es zum Streit, bei dem Erkin seinen Übungsleiter offenbar derart übel verbal attackierte, dass dieser sich dazu gezwungen sah, den Linksverteidiger ganz aus dem Kader zu streichen. "Ich habe die Kontrolle verloren und dafür möchte ich mich, insbesondere bei unserem Klubpräsidenten Aziz Yildirim, den Klubfunktionären, bei meinen Mannschaftskollegen und den Fans entschuldigen", schrieb Caner im Nachhinein bei Twitter. Und zeigte sich weiter reumütig: "Meine Taten sind nicht rechtfertigbar und ich habe aus meinen Fehlern gelernt!"

"Nicht auf seine Dienste angewiesen"

Eine Einsicht, die Pereira jedoch kaltließ: "Caner bleibt weiterhin vom Kader ausgeschlossen. Seine Taten sind unverzeihlich! Er widersetzt sich, meinen Befehlen und Anordnungen zu folgen, weshalb ich nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten werde! Ich bin nicht auf seine Dienste angewiesen", gab der Coach damals gegenüber Pressevertretern zu Protokoll. Türkische Medien berichteten darüber hinaus, dass sich Caner zudem mit dem Vorstand überworfen hatte, ein Weggang aus Kadiköy stand damit fest. Inter Mailand schlug zu, sicherte sich die Dienste des erfahrenen Defensivmannes und holte ihn ablösefrei in die Modemetropole, weil Roberto Mancini ihn als Wunschspieler auserkoren hatte.

Doch glücklich wurde Caner bei den Nerazzurri nicht. Vor allem, weil Mancini schnell auf die Straße gesetzt wurde und dessen Nachfolger, Frank de Boer, nicht unbedingt große Stücke auf den Türken hielt. "Caner muss noch an seinem Kampfgeist arbeiten", begründete de Boer die Ausbootung Erkins kurz nach seiner Amtsübernahme. Das Resultat: Caner wechselte zunächst auf Leihbasis zu Besiktas, wo er eigenen Angaben zufolge wieder "glücklich" wurde. Ganz abgeschlossen mit dem wenig zufriedenstellenden Intermezzo in der Lombardei hatte er indes aber nicht. "Ich habe nie eine plausible Erklärung für de Boers Entscheidung erhalten und deswegen war es für mich schlüssig, dass er voreingenommen war. Anders kann ich mir das nicht erklären", stellte er im Gespräch mit Cumhuriyet klar.

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Tatsächlich ging es bei Besiktas für Erkin wieder bergauf, war er doch auf der Position des Linksverteidigers gesetzt. Im Oktober folgte aber der nächste Rückschlag: Im Liga-Spiel gegen Antalyaspor zog er sich einen Achillessehnenriss, und damit eine der langwierigsten Verletzungen überhaupt zu. Erst seit Mai diesen Jahres steht Caner wieder auf dem Platz, wurde mittlerweile fest von Besiktas verpflichtet, das lediglich 750.000 Euro nach Mailand überwies. In der noch jungen Saison hat sich Caner seinen Stammplatz zurückgeholt. In allen Süper-Lig-Partien kam der dreimalige türkische Meister über 90 Minuten zum Einsatz, wobei bereits drei Vorlagen auf der Habenseite stehen.

Der Hass ist Caner gewiss

Gegen den Ex-Verein, der mit einer Punkteausbeute von einem Zähler in zwei Spielen einen mäßigen Saisonstart hingelegt hat, soll nun also der sechste Dreier im sechsten Spiel für die Adlerträger her. Dort, wo er die wohl beste Zeit seiner Karriere verlebte, wo die Fans ihm einst bei erfolgreich gestalteten Derbys den Hof machten. Schaut man sich die Gefühlslage auf Twitter im Vorfeld des Derbys an, dürfte die Begrüßung für Caner im Sükrü Saracoglu diesmal anders ausfallen. Immer wieder ist das Wort "Verräter" zu vernehmen. Goal-Türkei-Redakteur Yagiz weiß: "Wenn man sich als Spieler in der Türkei dazu entschließt, zu einem Rivalen zu wechseln, dann muss man damit klarkommen, gehasst zu werden."

Wie souverän Caner mit der Abneigung seiner früheren Freunde umgeht, bleibt abzuwarten. Was jedoch klar ist: Bei seiner Rückkehr wird sich der Fashionista wünschen, wieder die Unbefangenheit zu spüren, ein gutes Cafe mit seiner Frau aufzusuchen, auszuspannen. Denn als Ex-Kanarya mit dem Adler auf der Brust vorstellig zu werden, lässt alles aufkommen, aber keine Gelassenheit.  

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