Borussia Dortmund: Peter Bosz vor der Woche der Wahrheit

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Zunächst die Tottenham Hotspur, dann der FC Schalke: Borussia Dortmund steht vor der Woche der Wahrheit. Trainer Peter Bosz benötigt dringend Siege.

Nur ein Sieg aus den vergangenen acht Pflichtspielen, 12:16 Tore, in der Champions League nur noch Chancen auf das Überwintern in der Europa League und in der Bundesliga derzeit eine Bilanz wie ein Absteiger. Die vergangenen Wochen von Borussia Dortmund waren desaströs. Selbst die Gegner urteilen über den BVB: "Borussia Dortmund befindet sich in der Krise", sagte Ron-Robert Zieler vom VfB Stuttgart am Freitag, nachdem sein Team den BVB mit 2:1 besiegte.

Leugnen kann dies niemand. Und das ausgerechnet vor der wohl wichtigsten Woche der bisherigen Saison. Am Dienstag (20.45 Uhr, LIVETICKER) empfangen die Schwarz-Gelben im letzten Champions-League-Heimspiel der Saison Tottenham Hotspur (das Duell ist natürlich auch im TV und im LIVESTREAM zu sehen - alle Informationen gibt es hier). Es ist die vorletzte Chance, wichtige Punkte fürs Überwintern in der Europa League zu holen. Und es ist die letzte Chance, Selbstvertrauen vor dem Revierderby am kommenden Samstag gegen den FC Schalke zu sammeln. Genau das geht den Borussen momentan nämlich mindestens genauso ab wie jegliche Ideen im Spiel. Ausgerechnet vor dieser wichtigen Woche ist der BVB mächtig in Schieflage geraten.

Miserable Defensive gepaart mit Unglück

Unglückliche Aktionen (wie vor dem 0:1 gegen Stuttgart, als Roman Bürki und Marc Bartra per Slapstickeinlage das Gegentor vorbereiteten) und miserable Defensivarbeit wechseln sich seit Wochen ab. "Wenn man so einfache Tore bekommt, wird es schwer zu gewinnen", monierte Peter Bosz am Freitag. Er wusste spätestens nach dieser Niederlage, dass es ungemütlich wird. Noch vor einigen Wochen wurden der Niederländer und seine Truppe für den belebenden Offensivfußball gefeiert. Inzwischen ist davon nicht mehr viel übrig geblieben. Die Dortmunder treten ohne Selbstvertrauen und Sicherheit auf. Dazu stimmt die Absicherung der Defensive nicht.

Kapitän Marcel Schmelzer beschwört vor der Woche der Wahrheit alle im Verein und ruft zur Besonnenheit auf. "Es bringt jetzt nichts, wenn wir uns die Köpfe einschlagen", sagte er. Sportdirektor Michael Zorc springt Bosz deshalb demonstrativ zur Seite. "Er arbeitet jeden Tag mit seiner ganzen Kraft daran, dass wir wieder in die Spur kommen." Der Coach selbst schwört: "Wir geben nicht auf, sondern gehen weiter."

Doch wohin? Aktuell geht es nämlich stetig bergab - nicht nur in der Tabelle. Auch die Stimmung rund um den Verein ist inzwischen so schlecht wie zuletzt unter Jürgen Klopp, als der BVB sogar auf einem Abstiegsplatz landete. Viele Fans nahmen die Niederlage gegen den VfB Stuttgart und den indiskutablen Auftritt in der zweiten Halbzeit einfach so hin. Ähnlich dürfte es am Dienstag sein, wenn die Spurs in Dortmund gastieren. Hofften viele Anhänger beim Hinspiel noch, dass der defensive Offenbarungseid ein Ausrutscher war, sind sie inzwischen eines Besseren belehrt worden.

Bosz in der Kritik

Der offensive Spielstil von Bosz ist der größte Kritikpunkt. Er könne nichts anderes, sagen Kritiker. Ein Teil der Wahrheit. Den anderen Teil nannte Schmelzer in den vergangenen Wochen häufiger: "Die Trainerfrage stellt sich nicht. Nicht er macht die Fehler, sondern wir." Die Spieler scheinen diese Fehler aber nicht abstellen zu können. Von Woche zu Woche wiederholen sich derzeit dieselben Patzer in der Defensive. Hinzu kommt, dass der BVB in der Offensive oft ideenlos agiert. Das Mittelfeld um Shinji Kagawa und Julian Weigl hing beispielsweise am Freitag komplett in der Luft, war gar kein Faktor. Das so wichtige Passspiel im System Bosz konnte nicht aufgezogen werden. Einzig Mario Götze überzeugte in der Zentrale.

Peter Bosz Borussia Dortmund
Steht in der Kritik: BVB-Trainer Peter Bosz

Auch in der Mannschaft scheint die Stimmung am Nullpunkt angelangt zu sein. Nach den vergangenen Partien wiesen die Defensivleute immer wieder darauf hin, dass auch die Offensivleute zum Verteidigen dazugehören. Zudem wird sich scheinbar auch über die Trainingszeiten gewundert. Am Sonntag etwa hatten die Dortmunder Spieler trotz der anhaltenden Probleme trainingsfrei. Neuzugang Andrey Yarmolenko sagte schon im September gegenüber einem ukrainischen Internetportal: "In zwei Wochen bei Borussia Dortmund hatte ich mehr frei Tage als in sechs Monaten bei Dynamo Kiew."

Schalke plötzlich vor dem BVB

All dies trägt derzeit dazu bei, dass es ungewöhnlich unruhig ist beim BVB. Selbst die Fans des Erzrivalen, Gegner am Samstag, wundern sich derzeit, dass ausgerechnet ihr Verein gerade für Ruhe und Gelassenheit steht. Zudem übernahmen die Knappen erstmals seit 911 Tagen wieder die Führung in der "Ruhrpotttabelle". Schalke steht eine Woche vor dem Derby plötzlich auf Platz zwei, der BVB nur noch auf Rang fünf. Noch ist das nur ein Nebeneffekt der vergangenen Wochen. Doch schon nächste Woche, nach dem Revierderby, könnte der S04 auf sechs Punkte davon gezogen sein. Ein Schreckensszenario für alle, die es mit dem BVB halten.

Aus diesem Grund ist diese Woche richtungsweisend für Borussia Dortmund und Peter Bosz. Verliert er beide Spiele, wird es ein richtig ungemütlicher Spätherbst im Ruhrgebiet. Denn vor allem nach einer Niederlage im Derby dürften die Fans nicht mehr so ruhig bleiben wie bisher.

Aber was macht den Dortmundern Mut? "Wir müssen einfach zusammenbleiben als Mannschaft. Wir müssen uns Mut zusprechen, müssen klar bleiben. Irgendwann wird der Knoten wieder platzen und wir werden Siege holen. Dann wird uns auch vieles leichter fallen", sagte Andre Schürrle gegenüber BVBtotal. Es klingt wie eine Durchhalteparole. Aber vielleicht geht diese Rechnung ja auf. Dann muss der BVB aber schnell anfangen, wieder zu siegen.

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