Benders Abgang beim BVB: Ein Stück Menschlichkeit geht

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Kaum ein Spieler hat den BVB so verinnerlicht wie Sven Bender. Der Wechsel zu Leverkusen hinterlässt menschlich eine große Lücke. Ein Kommentar


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Es war vielleicht die Aktion seines Lebens: Am 26. April 2017, es läuft die 63. Minute im DFB-Pokalhalbfinale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Sven Bender, genannt "Iron Manni" reißt sein Bein hoch, die Fußspitze weit hochgezogen. Mit ihr rettet er vor dem einschussbereiten Arjen Robben und lenkte den Ball an den Pfosten. Es wäre das 3:1 für den deutschen Rekordmeister gewesen und wahrscheinlich das Aus der Dortmunder Titelträume. Doch es kam anders: Der BVB gewann 3:2 in München - und im Mai in Berlin den DFB-Pokal. Alles wohl dank der Fußspitze Benders.

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Seit Donnerstag ist klar: Ab der neuen Saison wird die berühmte Bender-Grätsche, die ihn über viele Jahre ausmachte, nicht mehr in Schwarz-Gelb zu sehen sein. "Manni" wechselt auf eigenen Wunsch zu Bayer Leverkusen, wo er wieder mit seinem Bruder Lars zusammenspielen wird - wie früher bei 1860 München. Für Borussia Dortmund ist der sportliche Verlust durch die enorme Breite des Kaders aufzufangen. Ohnehin hätte er es schwer gehabt, im Mittelfeld oder der Innenverteidigung zum Zuge zu kommen. Doch menschlich wiegt der Abgang eines der größten Aushängeschilder des Vereins enorm schwer.

Bender, von den Mitspielern geliebt

"Der geht mit dem Kopf dahin, wo ich den Fuß wegziehe", hat Dortmunds Nuri Sahin einmal über Bender gesagt. Jürgen Klopp nannte ihn "Mentalitätsmonster". Mit diesen beiden Zitaten ist vortrefflich beschrieben, welchen Wert Bender für seine Mannschaft hatte. Wie gut der ausgewiesene und bescheidene Teamplayer mit allen Akteuren beim BVB zwischenmenschlich konnte, verdeutlichten die Tweets und Reaktionen seiner Mitspieler am Donnerstag. "Ein Vollprofi, dem es immer ums Team ging. Es war mir eine Ehre mein Freund", twitterte etwa Sahin. Sportdirektor Michael Zorc betonte, dass "es uns nicht nur sportlich, sondern auch menschlich sehr schwer fällt, in Sven Bender eine absolute Führungsfigur ziehen zu lassen" .

Sven Bender, Borussia Dortmund

Es sind Worte, die darauf schließen lassen, wie sehr sie in Dortmund um einen Verbleib der Identifikationsfigur gekämpft haben. Denn wohl kaum ein Spieler hat von seiner Mentalität so gut zu dem Verein gepasst, wie er. Bender war immer anständig und ehrlich. Er bewies Charakter und Loyalität - auch in schwierigen Zeiten. Sprach offen an, was ihm nicht passte, ohne dabei ausfällig zu werden, hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Und er war vor allem eins: freundlich im Umgang. Einfach authentisch.

Den BVB verinnerlicht

In acht Jahren bei Borussia Dortmund stoppten ihn immer wieder Verletzungen - vor allem im Gesicht. Bilder mit Maske? Bei Bender keine Seltenheit. Er ging eben dahin, wo es wehtut. Er war eine dieser Persönlichkeiten, die man im modernen Fußball so gerne fordert und oft vergebens sucht. Er war beim BVB trotz seiner Verletzungssorgen eine Führungspersönlichkeit und nach dem Abgang von Kevin Großkreutz "Integrationsminister" für die Neuzugänge. Dabei kommt er selbst aus Bayern. Aber Bender ist beim BVB heimisch geworden.

"Ganz ehrlich: Wenn es nicht ausgerechnet Manni mit seiner BVB-Vita gewesen wäre, der einen solchen Wunsch vorgetragen hätte, dann hätten wir niemals Ja gesagt", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem Abgang des Spielers. Es verdeutlicht den Stellenwert des Spielers. Aber es verdeutlicht auch, dass Bender kein Profi ist, dem es egal ist, wo und wie er sein Geld verdient. Weil er in Dortmund die Chancen auf Einsatzzeiten beschränkt gesehen hat, wechselt er. Es gehört Mut dazu, die Komfortzone zu verlassen.

So ehrlich muss man sein: Die Zeiten, in denen Bender sportlich unersetzbar war, sind vorbei. Stattdessen ist der Abgang ein herber menschlicher Verlust. Er wird eine Lücke hinterlassen, in die nun andere Spieler hineinschlüpfen müssen. Der Abgang zeigt deshalb auch: Der Umbruch beim BVB ist auch in diesem Sommer noch im vollen Gange.

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