Bayern bei Besiktas: Das "Höllenloch" von Istanbul

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Sportlich gesehen dürfte das Thema schon vor dem Anpfiff durch sein. Doch ein Erlebnis dürfte das Spiel in Istanbul für die Bayern trotzdem werden.

Die Sieger der Vorrundengruppen in der UEFA Champions League bekommen bei der Auslosung der Achtelfinal-Partie traditionell einen kleinen Vorteil eingeräumt: Sie dürfen das Rückspiel in der Runde der letzten 16 vor eigenem Publikum gegen einen der Gruppenzweiten austragen. Mit den Fans im Rücken kann so ein möglicher Rückstand aus dem ersten Aufeinandertreffen noch umgebogen werden.

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Besiktas Istanbul ist in der aktuellen Spielzeit solch ein Gruppensieger. Doch die Belohnung für die starken Auftritte in den ersten sechs Duellen der Königsklasse war keine besonders schöne für den türkischen Meister: Denn mit dem FC Bayern München bekamen die Istanbuler einen der deutlich härteren Brocken im Dezember zugelost.

Während man beim deutschen Rekordmeister das Los mit einem freundlichen Lächeln quittierte, immerhin wäre unter anderem auch Real Madrid als Gegner in Frage gekommen, ärgerte man sich bei Besiktas etwas. Der allgemeine Tenor lautete jedoch: 'Lasst uns im Hinspiel ein gutes Resultat holen und mit der Unterstützung unserer Fans dann versuchen, ins Viertelfinale zu kommen.'

Hinspiel bringt die Vorentscheidung

Das Vorhaben mit dem Erreichen eines guten Ergebnisses im ersten Duell verlief für Besiktas nicht nach Plan. Eine frühe Rote Karte für Domagoj Vida wegen einer Notbremse brachte die Türken auf die Verliererstraße – und nach dem 0:5 in München hilft wohl auch die beste Unterstützung in einem der lautesten Stadien Europas nicht mehr, um doch noch sensationell ins Viertelfinale zu kommen.

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Die Dinge sind schon nach den 90 Minuten in München geklärt – aber trotzdem wollen die Besiktas-Fans im Rückspiel am Mittwoch (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) ihr Bestes geben, um wieder eine ganz besondere Atmosphäre im Vodafone Park zu schaffen. "Ich habe Besiktas gegen Leipzig beobachtet. Da haben sie in Istanbul mit ihrer Fankulisse die Leipziger beeindruckt", erinnerte sich Bayerns Thomas Müller an die Partie aus der Gruppenphase.

Achtung: Anpfiff des Bayern-Spiels in Istanbul bereits um 18 Uhr

Damals schien besonders RB-Nationalspieler Timo Werner der Lärm und die Atmosphäre im 2016 eingeweihten Stadion zu schaffen zu machen. Er hielt sich die Ohren zu und verließ bereits in der ersten Hälfte den Platz. Was macht die Stimmung im Besiktas-Stadion so besonders?

"Der größte Vorteil ist, dass der Platz abgesenkt ist und die Tribünen sehr steil sind", sagt Onur Özgen von Goal Türkei, selbst großer Besiktas-Fan. "Das Spielfeld ist für den Gegner damit wie ein Höllenloch", fügt er hinzu. Die Ränge wirken wie Wände, die die Akustik noch verstärken – und das beeindruckt regelmäßig die Gegner: "Ich habe immer noch die Stimmen im Ohr", sagte beispielsweise Liverpools Kolo Toure nach einem Auftritt in Istanbul. "Die Atmosphäre ist wie in der Hölle. Das ist ein Ort, den ich nicht mit Worten beschreiben kann", meinte Napolis Coach Maurizio Sarri.

BESIKTAS

Im Inönü-Stadion, dem Vorgänger des Vodafone Parks, war die Stimmung nach Meinung fast aller Experten sogar noch besser und beeindruckender. Doch mit dem Umzug in die neue Arena litten auch die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen in der Fanszene der Istanbuler. Nicht alle Anhänger machten den Schritt mit; die Zusammenarbeit, der Zusammenhalt auf den Tribünen musste erst wieder organisiert werden.

Mannschaft und Fans bilden eine Einheit

Dass es aber dennoch schon hervorragend mit dem Zusammenspiel zwischen Team und Anhängern klappen kann, zeigte Besiktas beim 3:3 gegen Benfica, als die Mannschaft zur Pause schon fast aussichtslos mit 0:3 zurücklag. "Ich habe in der zweiten Halbzeit mitgespielt", meint Onur Özgen, "das glaube ich immer noch." Wie ein Mann stehen die Anhänger nicht hinter der Mannschaft, sondern eigentlich schon neben den Akteuren auf dem Platz. "Sie spielen zusammen mit den Spielern", sagt Özgen über die Besiktas-Fans.

Dass es selbst mit der bestmöglichen Unterstützung wohl nichts mit dem Viertelfinal-Einzug werden wird, ist in Istanbul allen Beteiligten klar. Doch immerhin können die Fans im Vodafone Park ihrem tollen Ruf gerecht werden und den Bayern zeigen, wie ein echtes "Höllenloch" aussieht.

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