FC Bayern München: Riberys Botschaft an die Bosse

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Franck Ribery trifft beim Rückrundenauftakt und spricht anschließend über seine Zukunft. Der Franzose offenbart in Leverkusen aber auch Schwächen.


HINTERGRUND

Es war wie in alten Zeiten am Freitagabend. Mit kleinen Schritten und kurzen Kontakten tänzelte Franck Ribery vom linken Flügel in die Mitte, dann schoss er den Ball dahin, wo ihn kein Torhüter der Welt halten kann. Trocken, platziert und wuchtig flog das Leder ins linke untere Toreck - und Ribery sprintete zum Gästeblock, er klopfte mit seiner rechten Hand aufs Logo des FC Bayern und jubelte ausgelassen. Es schien, als wollte er sagen: Seht her, ich kann es immer noch. Oder um es mit Pep Guardiolas Worten auszudrücken: Ich habe noch ein Bullet, ich bin noch nicht tot.

Analyse: Bayern gewinnt zum Rückrundenauftakt in Leverkusen

Denn darüber wird ja derzeit fleißig diskutiert an der und rund um die Säbener Straße. Darüber, ob es Sinn macht, den 34-jährigen Franzosen noch einmal mit einem neuen Vertrag auszustatten oder nicht. Die Verantwortlichen meinen: Erst einmal abwarten. Ribery meint: Natürlich. 

"Es ist ein Wahnsinn, wie gut ich spielen kann, wenn ich gesund bin", hatte Ribery erst vor wenigen Tagen in der Bild gesagt. Kurz darauf spielte er dann Wahnsinn, erzielte drei Treffer im Testspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach , drei Treffer ohne Wert. Wahnsinn war es dann aber auch, wie Ribery den Ball am Freitagabend versenkte, beim 3:1-Sieg (1:0) des FC Bayern München zum Rückrundenauftakt bei Bayer Leverkusen. Diesmal hatte sein Treffer einen Wert. In der BayArena wurde allerdings auch deutlich, dass Ribery eben nicht mehr ganz der Alte ist.

Leverkusen - Bayern: Die Stimmen zum Spiel

Er gewann nur ein drei seiner zwölf Zweikämpfe, zu oft lief er sich fest. Es wirkte mitunter, als mache der Körper nicht mehr das, was der Kopf vor hat. Einen Gegenspieler kann Ribery auch heute noch stehen lassen, spätestens beim zweiten oder dritten wird es auf höchstem Niveau aber schwierig. Dann fehlt ihm die Spritzigkeit aus vergangenen Tagen, der Antritt und die Endgeschwindigkeit. Fähigkeiten, die seinen Konkurrenten Kingsley Coman auszeichnen.

"Das hat Zeit"

"Spieler wie Franck Ribery werden zurückkommen, unter mir wird er funktionieren, das weiß ich", hatte Jupp Heynckes auf seiner ersten Spieltagspressekonferenz nach seiner Rückkehr Mitte Oktober versprochen. In der Folge funktionierte aber vor allem ein anderer: Kingsley Coman. Unter Heynckes reifte der 21-Jährige, spielte besser und vor allem effektiver als unter Vorgänger Carlo Ancelotti. Auch das lässt die Verantwortlichen der Bayern daran zweifeln, ob eine Vertragsverlängerung mit Ribery die richtige Entscheidung wäre.

"Wir waren heute mit anderen Dinge beschäftigt", lachte Heynckes im ZDF -Studio auf die Zukunft seines Schützlings angesprochen. "Das", sagte der 72-Jährige, "hat Zeit, und das weiß auch der Franck. Er hat schon im Testspiel am Dienstag drei Tore erzielt, er hat heute wieder getroffen und war ein Aktivposten." Dann allerdings wollte Heynckes nicht mehr über Ribery sprechen, dann sollte seine Mannschaft und das Spiel im Mittelpunkt stehen.

"Sehr gut", habe sein Team das nämlich gemacht: "Unsere Offensivspieler müssen defensiv arbeiten, und das haben sie getan", lobte Heynckes. Letztlich waren es Javi Martinez (32.), Ribery (59.) und James Rodriguez (90. +1), die den Erfolg mit ihren Treffern sicherten. Kevin Volland hatte zwischenzeitlich für die Werkself verkürzt (71.).

Heynckes' Serie hält - Wagner trotz Jokerrolle zufrieden

"Wir haben uns viel vorgenommen und im Trainingslager gut gearbeitet. Das hat man heute gesehen. Wir sind als Mannschaft aufgetreten und haben unsere Chancen gut genutzt", sagte Sandro Wagner nach der Partie. Der Nationalstürmer war trotz des Ausfalls von Robert Lewandowski für manch einen überraschend nur eingewechselt worden, an seiner Stelle hatte Thomas Müller in vorderster Front begonnen. "Ich habe auch gedacht, dass ich von Anfang an spielen würde. Aber ich bin nie sauer, weil ich ein sehr positiver Mensch bin. Ich bin mit einem Sieg angekommen, da gibt es schlimmere Auftakte", erklärte er. Dann berichtete er von seiner Rückkehr zu "einem der besten Vereine", von seinem Dasein als Nationalspieler und resümierte: "Ich habe ein gutes Leben momentan."

Sandro Wagner FC Bayern 12012018

Das wiederum gilt derzeit auch für Ribery, dessen Treffer sein erster in der laufenden Saison war. "Es war gut, heute ein Tor zu machen", sagte er kurz und knapp. Aber geht er auch ab Sommer 2018 für den FC Bayern auf Torejagd? "Ich hoffe. Das ist mein Ziel. Ich will so lange wie möglich bei Bayern bleiben. Ich bin hier immer glücklich", antwortete Ribery. Der Freitagabend war auch seine ganz persönliche Botschaft an Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.

Zum Spiel sagte Ribery allerdings auch: "Wir müssen etwas besser mit dem Ball spielen." Denn alles klappte längst noch nicht nach der kürzesten Winterpause der Bundesliga-Geschichte bei den Münchnern. In der Anfangsphase hatte Bayern genauso wie streckenweise im zweiten Durchgang Probleme mit dem forschen Pressing der offensiven Leverkusener. Bayer-Coach Heiko Herrlich hatte seine Elf extrem mutig ausgerichtet auf den Platz geschickt, Karim Bellarabi, Leon Bailey, Julian Brandt, Kai Havertz und Volland, sie alle standen in der Startformation. 

Bayer Leverkusen Bayern München

"Wir brauchen uns nicht zu schämen. Wir haben versucht, Bayern von Anfang an unter Druck zu setzen", erklärte Herrlich. Sven Bender meinte indes, die Mannschaft hätte noch mutiger spielen müssen. Aber auch so schnupperte die Werkself kurz nach dem Anschlusstreffer am Ausgleich. Volland wurde erst in letzter Sekunde von Jerome Boateng geblockt (70.), der Fernschuss des eingewechselten Lucas Alario verfehlte das Tor nur knapp (77.). "Nach dem 2:0 haben wir ein bisschen die Konzentration verloren und unnötige Ballverluste gehabt", wusste auch Heynckes. 

Vorne wurden seine Bayern primär nach Ecken gefährlich, aus dem Spiel dagegen taten sie sich schwer. Letztlich wird es den Münchnern egal sein, am Ende haben sie verdient gewonnen, zum ersten Mal seit 2013 in der BayArena, sie haben einen gelungenen Auftakt gefeiert und den 16. Sieg im 17. Spiel unter Heynckes eingefahren. In der Bundesliga wird der Vorsprung auf den ersten Verfolger also auch nach dem 18. Spieltag mindestens elf Punkte betragen. Die Situation ist komfortabel, so komfortabel, dass man sich eigentlich auch mit anderen Dinge beschäftigen könnte beim deutschen Rekordmeister. Etwa mit der Zukunft Franck Riberys.

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