Barcelona, wir haben ein Problem!

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Die Supercopa-Pleite gegen Real Madrid offenbart einige Schwächen des FC Barcelona. Barca hat ein Problem. Wegen Neymar und einer unklaren Zukunft.


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Mit gesenkten Gesichtern schlichen sie nach dem 1:3 gegen Real Madrid vom Platz, während es auf den Rängen rumorte. Der FC Barcelona verließ das Camp Nou als Geschlagener, den Ort, der jahrelang rauschende Fußball-Feste in Serie erlebt hatte. Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, herrscht bei Barca Krisenstimmung. Natürlich zum einen, weil mit Neymar der nach Lionel Messi wichtigste Spieler den Verein verließ und die Verhandlungen mit Nachfolge-Kandidaten wie Philippe Coutinho oder Ousmane Dembele stocken. Zum anderen aber, weil Real besser war, abgezockter.

Es scheint, als sei der Glanz vergangener Tage endgültig abgeblättert, als stünde den stolzen Katalanen unter dem neuen Trainer Ernesto Valverde eine schwere Saison bevor. Der FC Barcelona hat ein Problem. Noch bevor das erste LaLiga-Spiel absolviert ist.

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Das erkannte zum Beispiel auch Kevin-Prince Boateng. Der twitterte nach der Partie am Sonntagabend: "Fehlt ihnen Neymar???? Ich frage nur." Die Marca schrieb: "Um eine Show zu sehen, kommt man nun nicht mehr nach Barcelona. Wenn man Show geboten bekommen will, dann ist man jetzt bei Real Madrid an der richtigen Stelle." Die spanische Tageszeitung weiter: "Wir erlebten gestern Nacht ein Spiel zwischen dem FC Messi und Real Madrid." Die Hauptaussage: Messi ist bei den Blaugrana auf sich alleine gestellt, während bei Real eben andere in die Bresche springen, wenn Ronaldo zunächst auf der Bank Platz nimmt.

Isco zum Beispiel. Mit seinen feingliedrigen Bewegungen drückte er dem Spiel seinen Stempel auf, ließ Barcas Abwehrspieler teilweise stehen wie schwerfällige Hütchen. Oder Casemiro. Der Brasilianer übernimmt immer mehr Verantwortung, läuft Räume zu, erobert Bälle, damit das Weiße Ballett vorne wirbeln kann. Und dann sind da ja auch noch: Toni Kroos, Gareth Bale, Sergio Ramos, Marcelo, Karim Benzema oder der starke Mateo Kovacic.

Verzweifelter Schiffskapitän Messi

Barca dagegen wirkt wie ein Schiff, dessen Kapitän, Messi, verzweifelt versucht irgendwie Kurs zu halten, dessen Crew aber entweder der früheren Form hinterherläuft (Pique, Alba) oder aber nicht die Klasse hat, um zu helfen, das auf hoher See die richtige Richtung einzuschlagen wie Aleix Vidal, der Isco teilweise hinterher rannte wie ein Akteur einer Schülermannschaft.

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Es war nicht so, dass am Sonntag ein Klassenunterschied zu erkennen war, aber Real zeigte eindrucksvoll, warum es die erste Mannschaft ist, die es geschafft hat, zweimal in Folge die Champions League zu gewinnen. Ronaldos und Asensios Treffer? Marke Traumtore! Marcelo, Carvajal und Casemiro? Abgezockt, stark, ballsicher. Kroos? Nun ja, eben Toni Kroos. Und Asensio? Der stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie die neue Philosophie Reals auf dem Transfermarkt Früchte trägt. Der 21-Jährige bringt alles mit, um es zu schaffen. Er steht gemeinsam mit Dani Ceballos für die Real-Zukunft.

Bei Barca dagegen Behäbigkeit, Ideenlosigkeit gegen die von Ramos und Casemiro exzellent organisierte Real-Defensive. Auch, wenn es zu einfach ist, alles auf die Neymar-Personalie herunterzubrechen: Er fehlte an allen Ecken und Enden. Denn er schafft oft mit dem ersten Kontakt Raum, er kann mit Messis genialen Ideen Schritt halten und Chance um Chance kreieren. Außerdem war es nicht zuletzt der Brasilianer, der in großen Spielen überragte. Er hinterlässt spielerisch eine Lücke, die ein Gerard Deulofeu - bei allem Respekt - nie im Leben stopfen können wird.

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Die Zeit läuft davon

Barca rennt nun die Zeit davon. Wie es bei Coutinho und Dembele weiter geht? Völlig offen. Auch der Transfer von Real Sociedads Verteidiger Inigo Martinez verzögert sich. Der Kader ist zu schwach, um die Champions League zu gewinnen. Trotz Messi, einem alternden Iniesta und Suarez. Das ist die bittere Wahrheit. Während Real gar nicht groß aktiv auf dem Transfermarkt werden muss und es (aktuell) locker verschmerzen kann, einen Kylian Mbappe nicht zu bekommen, braucht Barca Verstärkungen. Vorne und hinten sowieso. Da muss man inständig hoffen, dass Nelson Semedo rechts hinten einschlägt. Und das innen Pique wieder in Tritt kommt und Samuel Umtiti schleunigst die nächsten Schritte macht, die man von einem 23-Jährigen eigentlich noch gar nicht erwarten kann.

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Es fehlt die Lockerheit im Spiel, Neymars Abgang hat auch prestigemäßig wehgetan. "Mehr als ein Klub", heißt das Vereinsmotto noch immer. "Der größte Klub der Welt", der man selbstredend in den letzten zehn Jahren war, ist man aber schon länger nicht mehr. Andere haben den FC Barcelona überholt, der nun zusehen muss, schnell zu handeln, wenn man nicht endgültig den Anschluss an Real verlieren will. So oder so: Barcelona hat ein Problem. Und ganz so wie im Kultfilm "Apollo 13" Astronaut James Lovell "Houston, wir haben ein Problem" verlauten lässt, weiß man auch in der Hauptstadt Kataloniens nicht, ob sich dieses so schnell lösen lässt.

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