Arturo Vidal vom FC Bayern: Die Rückkehr des Kriegers

TeilenSchließen Kommentare
Vidal wurde von seinem Förderer bereits angezählt, im Spiel gegen Augsburg zeigte er eine Reaktion - und seine mit Abstand beste Saisonleistung.


HINTERGRUND

Javi Martinez klatschte begeistert in die Hände, Jupp Heynckes nickte anerkennend. Nach 80 Minuten im Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC Augsburg (3:0) leuchtete auf der Anzeigetafel des vierten Offiziellen die "23" in rot und die "19" in grün auf. Arturo Vidal  schritt mit einem Grinsen im Gesicht unter dem Applaus der Zuschauer vom Feld. Er hatte gut gespielt. So gut wie lange nicht mehr.

Analyse: Bayern lässt Augsburg keine Chance

Den ersten Treffer erzielte Vidal aus dem Gewusel heraus selbst (31.), den zweiten von Robert Lewandowski (38.) legte er vor. Im Mittelfeld gewann der Chilene gegen Caiuby den Ball, er marschierte und bediente seinen erblondeten Kollegen schließlich im perfekten Moment. Es waren aber nicht nur seine offensiven Qualitäten, nicht nur seine beiden Scorerpunkte sowie sein Lattenkopfball (54.), sondern auch seine zerstörerischen Fähigkeiten, von denen der Rekordmeister am Samstag profitierte.

Vidal führte die meisten Zweikämpfe aller Spieler und verzeichnete nach Mats Hummels die meisten Balleroberungen. "Arturo ist unheimlich wichtig, wenn er in einer guten Verfassung ist. So wie er heute gespielt hat, braucht man ihn immer in seinem Team", lobte Innenverteidiger Niklas Süle. Vidal habe "unglaublich viel gearbeitet" und "viele wichtige Zweikämpfe gewonnen, sodass wir uns ein bisschen was herausnehmen konnten, weil er vorne schon so viel abgesaugt hat."

Süle: "Niemals auf einer Ebene mit Boateng"

Für einige kam Vidals Leistungssteigerung nach zuletzt vielen schwachen Darbietungen überraschend, nicht aber für Heynckes. "Ich kenne Arturo sehr gut aus unseren gemeinsamen zwei Jahren in Leverkusen. Ich weiß, was er zu leisten vermag. Damit, wie er vorher gespielt hat, als ich hier ankam, war ich überhaupt nicht zufrieden. Und das habe ich ihm auch klipp und klar gesagt", berichtete der Bayern-Trainer. 

Positive Reaktion auf Heynckes' Warnung

Vidal habe daraufhin "zwei Wochen sehr intensiv an sich gearbeitet, er hat top trainiert. Da konnte man auch sehen, dass er gerne wieder spielen wollte. Ich habe ihm auch gesagt: Wenn er sich nicht wieder in Form bringt, gibt es andere Spieler, die den Vorrang haben."

Gegen Augsburg bekam jedoch Vidal den Vorzug vor Sebastian Rudy und Corentin Tolisso - und rechtfertige das Vertrauen. "Ich bin heute mit ihm zufrieden", konstatierte Heynckes. 

Arturo Vidal FC Bayern FC Augsburg 20171118

Die Eindrücke des Fußballlehrers bestätigten auch Aushilfskapitän Arjen Robben sowie Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Wir haben bei Arturo diese Woche gesehen, dass er sich viel vorgenommen hat. Er hat sehr gut trainiert. Er war heiß und das hat er auch gezeigt. Arturo hat es sehr gut gemacht", meinte Robben. Salihamidzic erklärte: "Arturo hat super trainiert, das hat er mit seiner Leistung auch bestätigt." 

Vidal trat in der Interviewzone der Allianz Arena mit einem Lächeln vor die Reporter. "Ich bleibe trotz der medialen Kritik gelassen. Ich weiß um meinen Wert", erklärte er. Ausschalggebend für seine Leistung sei seine körperlich Verfassung gewesen: "Ich bin sehr glücklich, weil ich mich physisch gut fühle. Ich bin bei hundert Prozent. Die vergangenen zwei Wochen waren der Schlüssel."

Zuletzt umstritten

Noch im Oktober hatte Vidal zum wiederholten Male negative Schlagzeilen gemacht. Nach der verpassten WM-Qualifikation mit der chilenischen Nationalmannschaft war er ins Zentrum der Kritik gerückt. Im südamerikanischen Fernsehen plauderten plötzlich Schwiegermütter von Mitspielern ihren Ärger aus. "Alle Welt weiß, dass Vidal besoffen zum Training kam", sagte Pilar Lizana, die Mutter von Claudio Bravos Ehefrau. Darüber hinaus war über andere unschöne Verfehlungen Vidals berichtet worden.

Und auch beim FC Bayern war der 30-Jährige zuletzt nicht mehr unumstritten. Beim wichtigen Ligaspiel in Dortmund wurde er erst eingewechselt, als alles längst entschieden war. In den beiden Duellen mit RB Leipzig hatte er zuvor genauso enttäuscht wie im Champions-League-Spiel beim FC Celtic. Nach der Partie in Glasgow sagte Heynckes: "Ich erwarte viel mehr von ihm als das, was er heute gezeigt hat."

Vidal leistete sich nicht das erste Mal unnötige Ballverluste und unerklärliche Schlampigkeiten im Passspiel. Auch sein Zweikampfverhalten war nicht selten ungeschickt. Für einen zentralen Mittelfeldspieler, der sich genau darüber definiert, kein gutes Zeichen.

Der kicker berichtete vor einigen Tagen, dass es auch intern Zweifel gebe. An Vidals Leistungsvermögen und in der Folge auch daran, ob er nochmal wichtig werden kann in den wichtigen Spielen. Gegen Augsburg machte Vidal nun einen Schritt in die richtige Richtung. Er zeigte keine überragende, aber eine gute Leistung. Seine mit Abstand beste in der laufenden Saison. 

Mit Heynckes hat Vidal derzeit einen seiner größten Förderer als Trainer. Dass der 72-Jährige seinen Arturo bereits angezählt hat, verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. In den kommenden Wochen muss Vidal zeigen, dass seine Leistung gegen Augsburg keine Ausnahme war. Dass er wieder regelmäßig der Krieger sein kann, für den er sich selbst hält. 

Nächster Artikel:
Der FC Everton bietet 35 Millionen Euro für Malcom von Girondins Bordeaux
Nächster Artikel:
ICC 2018: Spielplan, LIVE-STREAM, TV, Mannschaften, Regeln und Co. - alle Informationen zum International Champions Cup
Nächster Artikel:
Nach dem Transfer Cristiano Ronaldos: Juventus Turin will Gonzalo Higuain verkaufen, Chelsea und Milan lauern
Nächster Artikel:
Chelsea-Trainer Maurizio Sarri spielt Spekulationen um Eden Hazard herunter
Nächster Artikel:
FC Valencia verlängert mit Trainer Marcelino Garcia
Schließen

Wir verwenden Cookies, um für ein optimales Online-Erlebnis zu sorgen. Indem Du unsere Webseite besuchst, stimmst Du der Verwendung von Cookies im Rahmen der Datenschutzerklärung zu.

Mehr zeigen Akzeptieren