Antonio Rüdiger: Tänzer, Sänger, Hoffnungsträger

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Vor einem Jahr platzte für Antonio Rüdiger ein großer Traum. Nun nimmt er einen neuen Anlauf im DFB-Team und er wirkt bereit für die ganz große Bühne.


HINTERGRUND

Ein Schrei, große Schmerzen, betretene Gesichter bei den Mannschaftskameraden: Vor ziemlich genau einem Jahr brach für Antonio Rüdiger eine Welt zusammen. Der junge Verteidiger war mit riesigen Erwartungen und Hoffnungen in die Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Frankreich gestartet und dann das: In der ersten Trainingseinheit der DFB-Elf in Evian-les-Bains verdrehte er sich in einem Zweikampf mit Thomas Müller unglücklich das rechte Knie und riss sich das Kreuzband - das sichere Aus für die Endrunde.

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"Das war so bitter. Wir waren gerade in Evian angekommen, in unserem Teamquartier während der EM. In dieser Situation dachte ich sofort: 'Okay. Jetzt ist es vorbei.' Ich habe ein lautes Knacksen gehört – wie viele meiner Mitspieler auch", erinnerte sich der Abwehrspieler des AS Rom vor wenigen Tagen im Sportbuzzer an diese für ihn so grausame Szene.

Antonio Rüdiger feiert sein Comeback nach 141 Tagen

Für Rüdiger, der damals fest als Ersatz für den noch verletzten Mats Hummels eingeplant war, bedeutete das eine enorm harte Zeit. In den Kader der WM 2014 hatte er es nicht geschafft, die Europameisterschaft sollte sein erstes großes Turnier werden und die Aussicht auf Einsätze stand gut. Doch statt Duellen mit Europas Elite folgte vier Tage nach der Verletzung eine Operation und anschließend quälende Monate der Rehabilitation. "Medizinische Behandlung" schützt Ronaldo vor FIFA-Sanktionen (Multimedia+Foto) KASAN (SID) - Superstar Cristiano Ronaldo hat wegen des Fernbleibens von der offiziellen Pressekonferenz nach dem ersten Auftritt von Europameister Portugal beim Confed Cup in Kasan gegen Mexiko (2:2) keine Sanktionen zu befürchten. Der Fußball-Weltverband FIFA wies auf SID-Anfrage darauf hin, dass der portugiesische Verband eine medizinische Behandlung für den Mannschaftskapitän als Grund des Fehlens angegeben habe. Dies gelte als "relevante Begründung". Der 32-Jährige war zum Man of the Match gewählt worden, dessen Erscheinen zum Medientermin ist grundsätzlich obligatorisch. Ronaldo fürchtete aber offensichtlich Fragen zu seiner Steueraffäre in Spanien und zur möglichen Trennung vom Champions-League-Sieger Real Madrid. Während der Partie waren bei dem Weltfußballer keinerlei gesundheitlichen Probleme zu erkennen.

Nach nur 141 Tagen feierte er schließlich sein Comeback im Dress der Roma und knüpfte schnell an die starken Leistungen seiner ersten Saison in der Serie A an. Anfang März nominierte ihn Bundestrainer Joachim Löw wieder für die Nationalelf und im Freundschaftsspiel gegen England stand er dann 90 Minuten lang auf dem Rasen. Ein Szenario, dass auch bei den anstehenden Partien des Confederations Cup zu erwarten ist. Neben Weltmeister Shkodran Mustafi ist Rüdiger in der Defensivzentrale fest eingeplant. Und obwohl er erst 24 Jahre alt ist, zählt der ehemalige Stuttgarter zu den erfahrenen Kräften im deutschen Kader.

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Denn der heutige Antonio Rüdiger hat nicht mehr allzu viel mit jenem hochtalentierten Abwehrspieler gemein, der vor zwei Jahren vom VfB in die Serie A auszog und dort bei der Roma anheuerte. Damals galt Rüdiger als enorm großes Talent. Aber auch als ein Spieler, der gerne mal Fehler einstreute, zu Nachlässigkeiten neigte und nicht immer in der Lage war, die Konzentration hochzuhalten.

Diese Dinge hat er in Italien abgelegt und ist zu einem Verteidiger von internationaler Klasse gereift. Zu einem Defensivspieler, um den Roma-Rivale Inter Mailand angeblich seine neue Mannschaft aufbauen möchte und daher bereit ist, mehr als 35 Millionen Euro Ablöse zu zahlen . Auch der FC Chelsea soll weiter Interesse haben, doch Roms neuer Sportdirektor Monchi hat allem Werben der Konkurrenz bereits einen Riegel vorgeschoben: "Es gibt absolut keine Chance, dass Toni weggeht."

Rüdigers Idole: Maldini, Nesta und Cannavaro

Rüdiger selbst betont, dass der sich in Rom pudelwohl fühle und der Wechsel nach Italien für seine Entwicklung goldrichtig gewesen sei. Nicht nur, weil er damit in der Liga seiner großen Vorbilder auflaufen konnte. "Als ich vom Stürmer zu einem Verteidiger wurde, waren (Paolo) Maldini und (Alessandro) Nesta sehr stark und auch (Fabio) Cannavaro", so der Rechtsfuß über seine Idole als Nachwuchsspieler.

Vor allem in Sachen Taktik habe er dann in Rom unter Trainer Luciano Spalletti eine Menge gelernt. "Wir haben wir oft bis zu anderthalb Stunden Videoanalysen. Und am Trainingsplatz paukst du in Italien oft eine Stunde lang nur Taktik. Wir stehen dann auf dem Feld und verschieben die ganze Zeit. Es gibt sicherlich Spannenderes, aber es hilft", sagt er: "Darum kam ich hierher, um zu lernen: Ich denke, es gibt für einen Verteidiger keinen besseren Ort."

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Joachim Löw ist schon seit Jahren ein großer Fan Rüdigers, bescheinigte ihm bereits im Frühjahr 2016 eine "große Entwicklung und großes Potenzial". Der 1,91 Meter große Hüne vereint viele Fähigkeiten, die der Bundestrainer schätzt. Rüdiger ist enorm schnell und in der Lage, viele Bälle abzulaufen. Auch deshalb ist die Roma in der Serie A die Mannschaft, die das höchste Pressing spielt. Brenzlige Situationen nach Steilpässen der Gegner bereinigen Rüdiger und sein Nebenmann Kostas Manolas in der Regel allein mit ihrem Tempo.

Außerdem ist der 13-fache Nationalspieler stark in den Zweikämpfen, gut im Kopfballspiel und zudem noch flexibel einsetzbar. Er kann problemlos die Position des Rechtsverteidigers bekleiden und hat bei den Giallorossi auch schon die linke Außenbahn beackert. Zudem ist er mit seiner positiven Art ein Spieler, der für die gute Laune sorgt. Nicht unwichtig bei einem langen Turnier.

Rüdiger glaubt: DFB-Elf wird in Russland unterschätzt

Rüdiger, der sich scherzhaft selbst als "besten Tänzer" im Kader der Roma bezeichnet und der via Instagram auch gerne mal eine Kostprobe seiner Gesangsfähigkeiten zum besten gibt, freut sich nach eigenen Angaben nach der verpassten EM nun „umso mehr auf den Confed-Cup“. Dort will er Pluspunkte sammeln, schließlich ist die Konkurrenz in der deutschen Viererkette enorm. Und er rechnet damit, dass der Weltmeister auch mit einer völlig neu formierten Mannschaft in Russland Erfolg haben wird: "Wir sind nicht mit der voll besetzten Mannschaft da. Deshalb glaube ich, dass uns einige Gegner unterschätzen werden. Das wird für uns ein Vorteil sein."

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Zum "neuen" Antonio Rüdiger gehört auch, dass er sich öffentlich klar positioniert. Zum Beispiel gegen den Rassismus, der ihm in den Stadien der Serie A immer noch häufig begegnet. In mehreren Interviews hat der gebürtige Berliner mit Wurzeln in Sierra Leone das bereits angeprangert und auch auf der DFB-Pressekonferenz am Samstag kritisierte er die Tatenlosigkeit der Verbände : "Ich wurde in mehreren Spielen mit ‚Uh, uh, uh‘-Lauten ausgebuht, und es ist trotzdem nichts passiert. Das ist für mich unverständlich, dagegen muss gehandelt werden. Wir befinden uns im Jahr 2017, meiner Meinung nach dürfte es das heute nicht geben. Immer wieder sehe ich Plakate mit dem Slogan 'No to racism', aber in Italien passiert nicht viel. Bei allem Respekt: Es ist einfach zu sagen von Leuten, die nicht dieselbe Hautfarbe haben, wir sollen ruhig bleiben. Sie werden nie wissen, wie es sich anfühlt. Deshalb sollte dagegen hart vorgegangen werden."

In Russland steht nun hoffentlich der Sport im Vordergrund und Antonio Rüdiger kann das tun, was er eigentlich bereits vor einem Jahr vorhatte: sein erstes großes Turnier erfolgreich bestreiten. Wenn er in den kommenden Wochen schreibt, dann hoffentlich nur vor Glück.

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