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Bundesliga

  • 12. April 2015
  • • 17:30
  • • Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart
  • Schiedsrichter: G. Perl
  • • Zuschauer: 51330
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ENDE
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Ginzcek (l.) traf gegen Werder doppelt

Nach aufopferungsvollem Kampf: Stuttgart ringt Werder nieder

Ginzcek (l.) traf gegen Werder doppelt

Bongarts

In einem verrückten Spiel sichert sich der VfB den so eminent wichtigen Heim-Dreier. Ein Torwart-Schnitzer und purer Wille entscheiden das Spiel. Die Analyse.

Am 28. Spieltag der Bundesliga hat der VfB Stuttgart  sein Heimspiel gegen den SV Werder Bremen  mit 3:2 (1:0) gewonnen. Nach acht Spielen als Tabellen-Schlusslicht geben die Schwaben die Rote Laterne damit an den Hamburger SV ab.

Vor 51.330 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena brachte Christian Gentner den VfB per Volleyschuss in der 16. Minute in Führung. Davie Selke erzielte nicht einmal fünf Minuten nach seiner Einwechslung den Ausgleich für Werder (50.).

In der zweiten Halbzeit ging das Spiel auf und ab: Martin Harnik vergab eine Reihe an Großchancen, Daniel Ginczek erzielte die erneute VfB-Führung (70.), ehe Jannik Vestergaard zum 2:2 traf (86.). In der Nachspielzeit gelang Ginczek doch noch der umjubelte Siegtreffer (90.+1) für die Schwaben. Martin Harnik flog nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz (84.).

Aus den letzten drei Heimspielen holte der VfB starke sieben Punkte. Bei Bremen riss durch die Niederlage die Serie von vier ungeschlagenen Bundesliga-Gastspielen in Folge. Eine andere Werder-Serie hat dagegen Bestand: Seit fünf Spielen hat Werder nicht mehr gegen einen Tabellenletzten gewonnen.

Tipico

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Huub Stevens vertraut der gleichen Elf, die auch beim 1:3 in Wolfsburg begann - einzige Ausnahme: Nationalspieler Rüdiger kehrt erstmals nach seiner Knie-OP zurück in die Startformation. Baumgartl muss dafür wieder auf die Bank.

Werder tauscht dagegen im Vergleich zum torlosen Remis gegen Mainz auf mehreren Positionen: Für den gelbgesperrten Prödl beginnt Lukimya in der Innenverteidigung neben Vestergaard. Im Mittelfeld sind Junuzovic und Fritz wieder fit für die Startelf - sie ersetzen Kroos und Selke, für den Bartels von der Außenbahn in den Sturm vorrückt.

16., 1:0: Gentner: Harnik vertändelt im Werder-Strafraum den Ball, Sternberg klärt aber nur halbherzig in den Rückraum. Da steht Gentner, der aus 20 Metern volles Risiko geht und den Ball volley ins rechte untere Eck haut. Wolf steht auf dem falschen Fuß.

18.: Und wieder der VfB: Nach einer Hereingabe verpasst Kostic den Ball im Zentrum erst knapp, dann gerät auch Ginczek frei vor dem Tor ins Straucheln. Trotzdem kommt auch Klein aus dem Rückraum noch zur Schusschance, drischt den Ball aber deutlich drüber.

35.: Harnik lässt halblinks im Strafraum Bartels aussteigen und zieht kompromisslos ab - knapp drüber. Den hätte Wolf wohl nicht mehr bekommen.

1:1, 50., Selke: Fritz bringt den Ball in vollem Lauf aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum, wo sich der eingewechselte Selke frei stiehlt und das Laufduell gegen die VfB-Abwehr gewinnt. Aus 14 Metern köpft der Joker ins linke untere Eck.

61.: Riesending für Harnik! Gentner tankt sich durch die Werder-Abwehr und legt im richtigen Moment nach rechts auf Harnik, der aus 12 Metern freie Schussbahn hat. Der Stuttgarter haut den Ball aber drüber!

62.: Und ein noch viel dickeres Ding! Wieder Harnik! Nach einer Hereingabe von links steht Harnik fünf Meter alleine vor dem leeren Tor. Er muss nur seinen Fuß hinhalten - macht das auch - und schafft es trotzdem, den Ball rechts am Tor vorbeizuschieben. Wahnsinn!

2:1, 70., Ginczek: Riesenpatzer von Wolf! Nach einem langen Ball auf Harnik kommt Wolf völlig unnötig aus dem Kasten und lässt sich sehr einfach umkurven. Harnik flankt auf den hereinstürmenden Ginczek, der aus vollem Lauf einköpft.

84., Gelb-Rot für Harnik (Stuttgart): Überflüssig wie ein Kropf. Harnik holt sich übermotiviert die Ampelkarte ab. Der Österreicher grätscht an der Seitenlinie Junuzovic um. Gebrauchter Tag für den VfB'ler.

2:2, 86., Vestergaard: Der Ausgleich! Standardspezialist Junuzovic flankt die Kugel von links ins Zentrum, wo Vestergaard am höchsten steigt und aus sieben Metern relativ unbedrängt zentral zu seinem zweiten Saisontor einköpft. Ulreich bekommt die Arme nicht rechtzeitig hoch.

3:2, 90.+1, Ginczek: Serey Die steckt den Ball im Stile eines Spielmachers in den Lauf von Ginczek durch, der sich frei vor Wolf keine Blöße gibt und durch dessen Hosenträger zum 3:2 einnetzt. 

Fazit: Ein verrücktes Spiel! Beide Mannschaften rennen auf und ab, ohne spielerisch zu glänzen. Mit den Tugenden des Abstiegskampfs siegt der VfB am Ende verdient gegen weitestgehend harmlose Bremer.

Der Star des Spiels: Daniel Ginczek. Knipste zweimal wichtig zur Führung und war somit Matchwinner bei den Schwaben. War vorne stets anspielbar und agil und bereitete weitere Chancen vor. Führte überragende 22 Luftzweikämpfe mit der Werder-Abwehr.

Der Flop des Spiels: Raphael Wolf. Patzte beim 1:2 fürchterlich und hatte auch sonst kaum Aktionen. Strahlte von hinten keine Ruhe aus und war nicht der sichere Rückhalt, den Werder gebraucht hätte. Auch schwach: Fin Bartels, der die wenigsten Ballaktionen (15) hatte und zur Halbzeit raus musste.

Der Schiedsrichter: Günter Perl. Hatte gerade im ersten Durchgang große Laufwege, da beide Mannschaften schnell umschalteten und viele Fouls zogen. War aber fast immer auf Ballhöhe und bewertete die Zweikämpfe nachvollziehbar. Rüdiger und di Santo nach ihrem kleinen Zwist in der ersten Halbzeit jeweils Gelb zu zeigen, geht in Ordnung. Das Halten Niedermeiers gegen Selke kurz nach Wiederanpfiff hätte aber durchaus einen Elfmeter nach sich ziehen können. Auch Gelb-Rot gegen Harnik ist okay. Insgesamt souveräne Leistung.

Das fiel auf:

Gerade zu Beginn war den Stuttgartern die Verunsicherung der letzten Wochen anzumerken. Gegen Werders gut strukturierte Ordnung tat sich der VfB mit dem Spielaufbau schwer. Immer wieder hatten Rüdiger und Niedermeier keine andere Wahl als den langen Ball in Richtung Ginczek, der damit gegen Lukimya und Vestergaard wenig zu melden hatte. 

Nach einer Viertelstunde löste sich Werder vom zunächst abwartenden Spiel und versuchte selbst, über die Außen Druck zu machen. Das ging auf Kosten der defensiven Grundordnung: Die Kompaktheit der Bremer Ketten war in der Rückwärtsbewegung überhaupt
nicht mehr gegeben, was dem VfB mehrere gefährliche Konter ermöglichte. Bartels, der bei Werder als zweite Spitze neben di Santo aufgeboten war, hing mit seinem Sturmpartner oft in der Luft und ließ sich deshalb häufig ins Mittelfeld zurückfallen, um das Stuttgarter Übergewicht im Zentrum zu minimieren. Skripniks Idee, durch die Doppelspitze mehr Druck auf die VfB-Abwehr auszuüben, ging zunächst nicht auf.

Das hatte zur Folge, dass Bartels, der mit 15 Ballaktionen die wenigsten aller Feldspieler hatte, zur Pause in der Kabine blieb und durch Selke ersetzt wurde. Der zeigte durch seine Physis und intelligente Laufwege eine ganz andere Präsenz und bot Werder die Möglichkeit, nach Ballgewinn
schneller umzuschalten. 

Spielerisch mangelt es bei beiden Mannschaften. Um das Mittelfeld zu überbrücken, jagen Werder und der VfB den Ball oft lang nach vorne, in der Hoffnung, über den zweiten Ball in die Angriffszone zu gelangen. Wenig überraschend, dass das Spiel durch Kampf und einen individuellen Patzer entschieden wurde.

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