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Bundesliga

  • 2. Mai 2015
  • • 15:30
  • • Schwarzwald-Stadion, Freiburg im Breisgau
  • Schiedsrichter: M. Gräfe
  • • Zuschauer: 24000
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ENDE
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Srdjan Lakic (r.) und Vladimir Darida im Zweikampf

Paderborn bestraft Freiburger Passivität

Srdjan Lakic (r.) und Vladimir Darida im Zweikampf

Bongarts

Die Breisgauer haben scheinbar die Kontrolle über die Partie, liegen zur Pause verdient in Front. Zunehmend passive Spielweise wird ihnen aber zum Verhängnis. Die Analyse.

Der SC Paderborn hat am 31. Bundesliga-Spieltag einen wichtigen 2:1 (0:1)-Auswärtserfolg beim SC Freiburg gefeiert. Damit überholen die Gäste ihren Gegner aus dem Breisgau und springen auf Rang 14 der Tabelle. Der SCF rutscht auf Platz 15 ab, der Abstiegskampf spitzt sich zu.

Tipico

Vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Schwarzwald-Stadion brachte Nils Petersen die Hausherren kurz vor dem Pausentee in Front (40. Minute). Die zunehmende Passivität der Freiburger nach dem Seitenwechsel bestrafte der eingewechselte Lukas Rupp zunächst mit dem 1:1 (70.), kurz darauf gelang Rupp sogar noch der Siegtreffer (80.).

Trotz rekordverdächtiger 30 Flanken aus dem Spiel heraus (Höchstwert am Bundesliga-Nachmittag) stand Freiburg damit am Ende mit leeren Händen da. Paderborn dagegen beendete eine Serie von vier Auswärtsniederlagen in Folge.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff:

Bei den Gastgebern wechselt Trainer Christian Streich im Vergleich zur Vorwoche (2:2 in Stuttgart) kräftig durch. Krmas kehrt von seiner Gelbsperre zurück und ersetzt Torrejon im Deckungszentrum, an seiner Seite verteidigt Höfler für den zuletzt indisponierten Mitrovic. Für den gegen den VfB ebenfalls schwachen Günter rückt Sorg von der Sechs auf seine angestammte linke Seite, dafür kehrte Darida ins Mittelfeld zurück. Weiterer Wechsel: Frantz beginnt anstelle von Klaus.

Paderborn-Coach Breitenreiter stellt gegenüber dem 2:2 gegen Bremen nur auf zwei Positionen um: Vucinovic darf hinten rechts für den gelb-rot-gesperrten Heinloth ran, im Mittelfeldzentrum erhält Ziegler den Vorzug vor dem etwas offensiver eingestellten Vrancic.

9.: Haarscharf! Paderborn erhält nach Foul von Höfler an Kachunga einen Freistoß aus 18 Metern in idealer Position. Vucinovic lässt einen sehenswerten Versuch folgen, der aber um Zentimeter am Winkel vorbei segelt.

20.: Eine scharfe Flanke von Stoppelkamp landet auf dem Kopf des aufgerückten Vucinovic, der den Ball aus knapp 16 Metern aber nicht zwingend genug in Richtung Tor bringt.

28.: Die bis dato größte Torgelegenheit verpasst Mehmedi. Der Schweizer Nationalspieler ist nach Zuspiel von Riether plötzlich frei vor Kruse, verpatzt aber den ersten Kontakt. So kann Kruse den Winkel geschickt verkürzen und Mehmedis Versuch mit einer starken Parade stoppen.

31.: Glück für Paderborn! Einen Freistoß von Schmid klärt der SCP unzureichend in den rechten Rückraum, wo Darida die Kugel kurz stoppt und dann abzieht. Ein Abwehrbein fälscht den Schuss knapp am kurzen Eck vorbei ins Toraus ab.

40.: 1:0, Petersen: Stark ausgespielt! Schuster schnappt sich den zweiten Ball nach einer abgewehrten Flanke und hat den Blick für Mehmedi auf der rechten Seite des Strafraums. Der Schweizer steckt überlegt durch in den Lauf von Schmid, der flach und mit Druck in die Mitte gibt, wo Petersen aus kurzer Distanz eiskalt vollstreckt. Verdiente Führung.

56.: Mehmedi verschafftt sich im Strafraum mit geschickter Bewegung Raum, zieht dann mit dem schwächeren linken Fuß durch. Unabsichtlich abgefälscht von Rafa Lopez‘ Hand landet der Ball auf dem Kopf von Krmas, der aus wenigen Metern aber zu unplatziert in die Arme von Kruse abschließt.

70.: 1:1, Rupp: Der kurz zuvor eingewechselte Rupp kommt 30 Meter vor dem Tor in zentraler Position an den Ball. Mutig sucht er den Weg durch die Mitte, spielt Lakic an, startet durch und wird vom Ex-Lauterer per Sohle erneut bedient. Elf Meter vor dem Kasten wird Rupp daraufhin nicht entscheidend gestört und schiebt eiskalt zum Ausgleich ein.

80.: 1:2, Rupp: Spiel gedreht! Und wunderschöner Vortrag: Stoppelkamp leitet mit sehenswerter Finte ein, Saglik steckt den weiter geleiteten Ball sofort für Rupp durch. Der Joker entscheidet sich erneut für den direkten Weg zum Tor, ist von der Freiburger Abwehr nicht mehr aufzuhalten und netzt mit einer bemerkenswerten Ruhe zur Gäste-Führung ein.

88.: Freiburg im Pech! Der aufgerückte Günter wird von Schmid bedient, wählt den Abschluss aus vollem Lauf und scheitert am Pfosten.

Fazit: Freiburg stellt sich selbst ins Abseits! Nach zehnminütiger Findungsphase waren die spielerisch überlegenen Breisgauer eindeutig der Herr im Haus, lagen zur Pause hochverdient in Front. Unverständlicherweise gewährten sie dem SCP allerdings nach dem Seitenwechsel, Stück für Stück ins Spiel zurück zu finden. Dass die Ostwestfalen diese Entwicklung derart eiskalt bestrafen, war nicht zu erwarten. Dennoch ist der Auswärtsdreier für Paderborn aufgrund der starken zweiten Hälfte zwar glücklich, aber keineswegs unverdient.

Der Star des Spiels: Lukas Rupp. Nach gut einer Stunde schickte Breitenreiter den Mittelfeldmann für Rafa Lopez aufs Feld. Mit Überzeugung schnitt er später zweimal durch Freiburgs Abwehr und schloss nach gekonnten Zuspielen seiner Mitspieler jeweils enorm ruhig und abgezockt ab. Eine Einwechslung, die am Ende der Saison entscheidend zum Klassenerhalt beitragen könnte.

Der Flop des Spiels: Süleyman Koc. Eine Flügelzange funktioniert nur mit zwei Spielern. Paderborn hatte mit Stoppelkamp aber nur einen Spieler, der dazu beitrug. Koc dagegen präsentierte sich äußerst unauffällig, blieb ohne offensive Wirkung, hatte nur 13 Ballaktion und brachte keinen seiner mickrigen fünf Pässe zum Mitspieler. Folgerichtig wurde er zur Pause ausgetauscht.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe sah unglücklich aus, als er eine raffinierte Freistoß-Variante der Freiburger nicht erahnte und daher Schuster bei dessen Abschluss im Weg stand. Ansonsten hatte er kaum brenzlige Situationen zu überstehen, agierte meist souverän. Ein unabsichtliches Handspiel von Paderborns Rafa Lopez im Strafraum übersah er jedoch. Nach strenger Regelauslegung hätte hier durchaus ein Strafstoß für Freiburg folgen können.

Das fiel auf:

  • Beide Mannschaften verfolgten den gleichen Ansatz: Über die Flügel gefährlich werden. Unterschied: Paderborn beschränkte sich meist auf Flanken aus dem Halbfeld, während Freiburg konsequent die Grundlinie suchte.
  • Weil Freiburgs defensives Umschaltspiel sehr gut funktionierte war es Paderborn kaum möglich, die Konter mit der gewünschten Wirkung zu Ende zu spielen.
  • Mit der Führung im Rücken war Freiburg nach dem Seitenwechsel vornehmlich um Spielkontrolle bemüht. Entschlossen zu Ende gespielte Angriffe wurden seltener, gefährliche Kontergelegenheiten für die Gäste sollten tunlichst vermieden werden.
  • Jene zurückhaltende Herangehensweise wurde den Breisgauern zum Verhängnis. Beim Ausgleich durfte Rupp durchs Zentrum spazieren, Krmas wurde im entscheidenden Zweikampf von Lakic abgekocht.
  • Rupp war der entscheidende Faktor: Was die Mittelfeldkollegen Bakalorz und Ziegler nicht schafften, vollführte der frühere Gladbacher in Perfektion. Er erkannte die Schnittstellen in Freiburgs Viererkette und sorgte mit seinen Läufen in die Spitze dafür, dass Paderborn endlich auch mit ausreichender Besetzung den Weg Richtung Tor wählte.

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