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Bundesliga

  • 4. April 2015
  • • 15:30
  • • WIRSOL Rhein-Neckar-Arena, Sinsheim
  • Schiedsrichter: T. Kinhöfer
  • • Zuschauer: 30150
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Jubelnde Fohlen: In Sinsheim feierte die Borussia einen verdienten Dreier

Analyse: Gladbacher Offensive bestraft fahrlässige Hoffenheimer

Jubelnde Fohlen: In Sinsheim feierte die Borussia einen verdienten Dreier

AFP

Von einem Rückstand lassen sich die Fohlen in Sinsheim nicht beeindrucken. Erschreckend einfach kommen sie gegen eine nachlässige TSG zum Erfolg - und Kruse überragt.

Borussia Mönchengladbach hat am 27. Spieltag der Bundesliga den dritten Tabellenplatz gefestigt. Bei der TSG Hoffenheim feierten die Fohlen trotz Rückstand einen verdienten 4:1 (3:1)-Erfolg.

In der mit 30.150 Zuschauern ausverkauften Rhein-Neckar-Arena durften dank des Führungstreffers von Sven Schipplock zunächst die Gastgeber jubeln (17.). Gladbach fand allerdings nach anfänglichen Schwierigkeiten schnell in die Partie und glich wenig später durch einen Foulelfmeter von Max Kruse aus (26.).

Der 27. Spieltag in Bildern 

Patrick Herrmann (31.) und Raffael (36.) erhöhten noch vor der Pause. Kurz nach dem Seitenwechsel sorgte wiederum Herrmann (51.) dann früh für eine Vorentscheidung.

Reaktionen: 

Markus Gisdol (Trainer 1899 Hoffenheim): "Ich habe eine sehr gute Anfangsphase von uns gesehen. Aber Gladbach ist momentan in einer unglaublich guten Verfassung. Sie haben uns große Probleme bereitet mit ihrem schnellen und präzisen Spiel. Wir haben gegen einen sehr guten Gegner verdient verloren."

Lucien Favre (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Wir wollten alle drei Punkte. Das hat geklappt. Wir haben nach 90 Minuten verdient gewonnen. Vor allem haben wir im richtigen Moment das 4:1 gemacht. Das war eine gute Leistung von uns."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff:

Hoffenheims Personalsorgen aus dem Vorfeld entspannten sich nur bedingt: Pirmin Schwegler fiel weiterhin aus, Eugen Polanski ebenso. Auf der Doppelsechs begann Trainer Markus Gisdol daher mit dem jungen Nadiem Amiri an der Seite von Sebastian Rudy. In der Innenverteidigung ersetzte David Abraham den gelb-rot-gesperrten Ermin Bicakcic, auf dem linken Flügel erhielt der zuletzt von Rückenproblemen geplagte Steven Zuber den Vorzug vor Tarik Elyounoussi.

Gladbach-Coach Lucien Favre tauschte derweil im Vergleich zum 2:0-Coup bei den Bayern auf zwei Positionen: Max Kruse durfte im Sturm anstelle von Andre Hahn starten, im Deckungszentrum vertrat Roel Brouwers den angeschlagenen Martin Stranzl (Knieprobleme).

5.: Nach einer Flanke von Beck kommt zunächst Amiri am kurzen Pfosten zum Schuss, wird aus neun Metern aber gut von Dominguez abgeblockt. Der Ball landet anschließend im Strafraumkreis bei Rudy, doch der Nationalspieler verzieht aus 20 Metern knapp links am Tor vorbei.

6.: Volland hebt den Ball mit dem Rücken zum Tor elegant in den Lauf von Zuber, der schnörkellos abzieht. Führung für die TSG – dachten alle. Aber Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer entscheidet auf Abseits. Bei genauem Hinschauen eine falsche Entscheidung, denn Zuber stand auf einer Höhe mit dem letzten Gladbacher Verteidiger.

9.: Erster Gladbacher Ansatz: Kramer schickt Wendt auf links, doch dessen Flanke kann Kim in letzter Sekunde vor Kruse auf Kosten einer Ecke klären.

14.: Das muss das 0:1 sein! Kruse tritt einen Freistoß von der halbrechten Seite in Richtung des langen Pfostens. Dort lauert Dominguez zwei Meter vor dem Tor, wird aber von Beck so stark behindert, dass der Spanier die Kugel am linken Pfosten vorbeischiebt.

17., 1:0, Schipplock: Ein Ballgewinn von Rudy leitet die Hoffenheimer Führung ein. Zielstrebig kombiniert die TSG in die Spitze, im Sechzehner angelangt legt Firmino überlegt für Schipplock auf, der souverän einschiebt.

21.: Gladbach verlagert das Spiel klug auf die linke Seite, wo Wendt massig Freiraum hat. Des Schweden präziser Pass in die Mitte wird von Fabian Johnson knapp verpasst, am zweiten Pfosten vollendet Patrick Herrmann unbedrängt. Jubel brandet bei den Borussen aber nicht auf. Warum? Schiri Kinhöfer zeigt auf den Elfmeterpunkt, weil David Abraham Gegenspieler Johnson ins Straucheln gebracht hatte. Für eben solche Situationen wurde doch einst die Vorteil-Regel eingeführt …

26., 1:1, Kruse (FE): Kruse behält nach langer Behandlungspause von Abraham und Oliver Baumann, die in der vorherigen Szene aneinander gerauscht waren, die Nerven und verwandelt den kurios zustande gekommenen Strafstoß.

28.: Ein Fernschuss von Granit Xhaka streift den Pfosten. Toller Versuch des Schweizers. Gladbach ist nun am Drücker.

31., 1:2, Herrmann: Kruse schnappt sich den Ball weit in der eigenen Hälfte, treibt ihn relativ ungehindert nach vorne. Sein Zuspiel auf die linke Seite erreicht Wendt, der erneut viel Platz hat. Seine flache Hereingabe in die Mitte spitzelt der durchgestartete Herrmann ins lange Eck.

36., 1:3, Raffael: Herrmann schleppt die Kugel von der rechten auf die linke Seite, lässt einen gefühlvollen Chip in den Lauf von Kruse folgen. Der Nationalspieler schneidet mit seinem Anspiel die Hoffenheimer Abwehr auf, findet Raffael am zweiten Pfosten – und der Brasilianer besorgt mühelos den Rest.

45.: Fast das 1:4! Herrmann zieht auf rechts den Flügel herunter und spielt die hohe Hereingabe an den Elfmeterpunkt. Kruse verpasst zunächst noch, doch Johnson schießt volley auf den Kasten von Baumann. Der hat mit dem unplatzierten Innenristschuss jedoch wenig Probleme.

48.: Erste Chance in der zweiten Hälfte: Kim flankt an den kurzen Pfosten, wo Schipplock die Birne hinhält. Sein Kopfball geht aber gut zwei Meter über Sommers Kasten.

51., 1:4, Herrmann: Kruse ist auf der linken Seite zu clever für Strobl, erschleicht sich seinen Freiraum. Was daran anschließt, ist weltklasse: Mit viel Auge und Präzision bedient er den abermals Fahrt aufnehmenden Herrmann, der Baumann im Eins-gegen-Eins keine Chance lässt.

55.: Wenn Hoffenheim noch eine letzte Chance auf einen Punkt hatte, dann vergibt sie Schipplock in diesem Moment: Nach einer Ecke von der rechten Seite kommt der TSG-Sturmtank am kurzen Pfosten zum Kopfball, setzt die Kugel aber viel zu hoch an.

66.: Hoppala! Volland prüft Sommer von der rechten Strafraumkante, doch der Schweizer ist auf dem Posten und klärt das Geschoss des Nationalspielers im kurzen Eck ins Toraus.

78.: Das müsste doch der Anschluss sein! Nach einem Salihovic-Freistoß von rechts kommt Modeste aus fünf Metern frei zum Kopfball, doch der Franzose bleibt zu ungenau. Sommer pariert stark und sichert sich auch den Abpraller rechtzeitig vor den herannahenden Stürmern.

86.: Wenn's nicht läuft, dann läuft's nicht: Modeste taucht mit einem Mal frei vor Sommer auf, scheitert aber mit dem Flachschuss ins lange Eck, weil der Schweizer brillant hält. Zuber rennt dem Abpraller entgegen, stolpert ihn aber nur ins Aus.

Fazit: Hoffenheim begann hoffnungsfroh und aggressiv, ließ sich nach den ersten zehn Minuten aber den Schneid abkaufen. Gladbach beeindruckte hingegen mit zielstrebigen und inspiriertem Offensivspiel, war die deutlich griffigere Mannschaft. Erst in der Schlussphase wachte 1899 wieder auf, konnte die erspielten Chancen aber nicht nutzen. Die Fohlen siegen daher verdient, aber letztlich ein wenig zu hoch.

Der Star des Spiels: Max Kruse. Der eiskalt verwandelte Elfmeter zum Ausgleich war nur der Anfang. Danach zeigte Kruse Spielfreude pur, war bei fast allen Gladbacher Angriffen Schaltstation. Das 2:1 leitete er als Ballschlepper ein, beim dritten und vierten Treffer bewies er mit seinen Assists sowohl perfektes Auge als auch enorme Präzision.

Der Flop des Spiels: David Abraham. Sollte in der Innenverteidigung "Eisen-Ermin" Bicakcic ersetzen – und versagte. Den Elfmeter zum Gladbacher Ausgleich verschuldete er ungeschickt, beim 1:2 kam er gegen Torschütze Herrmann zu spät. Auch im weiteren Spiel war der Argentinier alles andere als ein Sicherheitsfaktor, agierte ebenso nachlässig wie Nebenmann Strobl.

Der Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer. Mit einer gravierenden Fehlentscheidung startete der Unparteiische in die 90 Minuten, als er Zubers Treffer (6.) fälschlicherweise wegen Abseits aberkannte. Dass sich der Schweizer auf gleicher Höhe befand, war allerdings auch schwer zu erkennen. In der 21. Minute stand Kinhöfer dann unfreiwillig im Mittelpunkt: Herrmann traf nach Hereingabe von Wendt, wurde jedoch zurückgepfiffen, weil der Schiedsrichter aufgrund eines vorangegangenen Fouls von Abraham an Johnson auf Elfmeter entschied. Hier hätte man Vorteil laufen lassen müssen. Weitere umstrittene Pfiffe blieben anschließend aus, ordentliche Leistung.

Das fiel auf:

  • Kruse ließ sich häufig weit nach hinten fallen, leitete dann selbst die Angriffe ein. In vorderster Front ergab sich damit Raum für die Außenspieler Herrmann und Johnson, die dort hineinstarten konnten. Erfolgreiche Strategie, da auf eben diese Art und Weise das 2:1 und das 4:1 entstanden.
  • Verlagerung ist Trumpf: Bei der Entstehung der drei ersten Tore spielte sich Gladbach von der rechten auf die linke Seite, um von dort mit Hereingaben in die Mitte zum Erfolg zu kommen.
  • Im Mittelfeldzentrum fehlte der TSG nach den ersten Minuten jeglicher Zugriff. So gewann Rudy in der ersten halben Stunde nur 11,1 Prozent seiner Zweikämpfe, Nebenmann Amiri lediglich deren 25 Prozent. Zum Vergleich die Werte ihrer Gladbacher Pendants zu diesem Zeitpunkt: Xhaka 75 Prozent, Kramer 58,3 Prozent.
  • Gladbach kam erstaunlich einfach zum Erfolg. Oft reichte ein überlegter Pass, um die auf außen sehr hoch stehende und zentral unzureichend abgesicherte TSG zu übertölpeln.
  • Nach dem 4:1 schaltete Gladbach in den Verwaltungsmodus, kam nur noch vereinzelt in die Nähe des gegnerischen Tores.

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