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Bundesliga

  • 21. September 2010
  • • 20:00
  • • WIRSOL Rhein-Neckar-Arena, Sinsheim
  • Schiedsrichter: T. Kinhöfer
  • • Zuschauer: 30150
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ENDE
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Spielbericht Bundesliga: 1899 Hoffenheim - FC Bayern München

Spielbericht Bundesliga: 1899 Hoffenheim - FC Bayern München

Der Bann ist gebrochen! Nach 330 Minuten ohne Tor und drei Spielen ohne Sieg hat der Titelverteidiger zurück auf die Erfolgsspur gefunden. Ein Sieg allerdings, den die Bayern mit einer erneuten Verletzung von Franck Ribéry teuer bezahlen müssen. Für die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick bleibt es hingegen auch nach dem fünften Versuch dabei: Es will bisher nicht klappen mit einem Sieg gegen den Rekordmeister!

(eln) Sinsheim. Thomas Müller und Daniel van Buyten retteten den FC Bayern München am fünften Bundesliga-Spieltag bei 1899 Hoffenheim noch drei Punkte, nachdem Vedad Ibisevic die Hausherren bereits in der ersten Minute in Führung geschossen hatte. Während die Bayern somit nach dem ersten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg (auch damals mit 2:1 in letzter Minute) erstmals wieder einen dreifachen Punktgewinn feiern, kassieren die Kraichgauer ihre erste Saison-Niederlage.

PERSONAL & TAKTIK

Bei den Gastgebern stand Ersatzkeeper Daniel Haas für den angeschlagenen Stammkeeper Tom Starke im Tor. Zudem berief Trainer Ralf Rangnick Mittelfeldspieler Sebastian Rudy für Angreifer Peniel Mlapa in die Mannschaft. Ein Wechsel, der eine taktische Umstellung von Hoffenheims üblichem 4-3-3 auf ein 4-4-2 mit den beiden Stürmer Vedad Ibisevic und Demba Ba nach sich zog. Dabei agierte Ba etwas versetzt hinter seinem Sturmpartner.

Bayern-Coach Louis van Gaal vertraute der gleichen Mannschaft, die beim letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln (0:0) 78 Prozent (!) Ballbesitz nicht in ein einziges Tor ummünzen konnte – wie auch die beiden Partien zuvor gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:2) sowie gegen Werder Bremen (0:0) ohne eigenen Treffer endeten. Somit lief im vertrauten 4-5-1-System erneut Miroslav Klose als einzige Sturmspitze auf, Thomas Müller agierte zentral hinter ihm. Toni Kroos bildete zusammen mit Franck Ribéry die Flügelzange.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Die Zuschauer hatten kaum Platz genommen, da startete die Partie gleich mit einem Paukenschlag: Bayerns Linkverteidiger Diego Contento vertändelte in der Nähe der Außenlinie den Ball gegen Rudy, der direkt nach innen passte, wo Ibisevic vom Strafraum aus abzog. Sein Ball berührte zunächst den Innenpfosten und flog von dort in die Maschen – das 1:0 für Hoffenheim nach gerade einmal 34 Sekunden!



Hoffenheimer Jubel nach der frühen Führung

Die Bayern antworteten mit ihrem gewohnten Spiel: Mit jeder Menge Ballbesitz, aber ohne zwingende Aktionen in Strafraumnähe. Nach Flanke von Kroos kam Bastian Schweinsteiger zu einer guten Kopfballmöglichkeit, doch sein Ball flog klar am Kasten vorbei (7. Minute). Die größte Gäste-Chance bot sich Kroos in der 12. Minute, der sich freistehend vor 1899-Keeper Haas falsch entschied und auf Klose abspielte, der jedoch im Abseits stand.

Hoffenheim zog sich derweil weit zurück und lauerte auf seine schnell vorgetragenen Konter. Gefährlich wurde es für die Bayern in der 26. Minute, als Hoffenheims Ba mit feinem Flankenwechsel auf rechts Andreas Beck in Szene setzte, der den Weg nach innen suchte und Torwart Hans-Jörg Butt zu einer tollen Parade zwang. Überragend auch die Aktion von Sejad Salihovic kurz vor der Pause: Nach Foul von Daniel van Buyten an Ba setzte der Freistoßkünstler den Ball aus etwa dreißig Metern an den rechten Pfosten – dieser Schuss hätte ein Tor verdient gehabt (42.)! Somit ging es mit einem 1:0 für die Kraichgauer in die Halbzeit.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Der FC Bayern kam auf zwei Positionen verändert aus der Kabine: Für Kroos und Contento kamen Ivica Olic und Danijel Pranjic ins Spiel. Müller rückte somit auf Kroos’ rechte Außenbahn und Olic unterstützte Klose im Angriff, wobei sich dieser etwas hinter Olic fallen ließ. Auch Hoffenheim nahm einen Wechsel vor: Boris Vukcevic ersetzte den bereits verwarnten Weis und agierte auf der rechten Flanke, weshalb Rudy nach innen wechselte.

Die Münchener machten gleich von Wiederanpfiff an deutlich, dass sie auf den schnellen Ausgleich drängten. Olic tauchte nach Pranjic-Flanke von links vor Haas auf, kam jedoch nicht rechtzeitig an den Ball (50.). In der 62. Minute wurden die Münchener schließlich für ihre, wenn auch oft etwas unbeholfen anmutenden, Bemühungen belohnt: Ribéry setzte sich über links gut durch, Haas konnte den Schuss des Franzosen nicht festhalten und wehrte ihn zur Seite ab, wo Müller zum Ausgleich einschob – nach 330 Minuten wieder das erste Bundesliga-Tor für die Bayern! Bitter jedoch, dass Ribéry bei der Torvorbereitung übel umknickte und ausgewechselt werden musste. Hamit Altintop kam für ihn ins Spiel. Droht den Bayern nach Arjen Robbens Muskelriss somit bereits der zweite Langzeitausfall eines Leistungsträgers?



Schon wieder eine längere Verletzungspause? Franck Ribéry (rechts)

Die Gäste suchten nun das zweite Tor, während sich Hoffenheim immer mehr auf Ergebnisverwaltung beschränkte - das wurde letztlich bestraft: In der Nachspielzeit flanke Altintop von halblinks in den Strafraum, wo Olic auf van Buyten ablegte und der Innenverteidiger zum Siegtor für die Bayern traf (91.)! Eine späte, aber aufgrund der Daueroffensive gerade in der zweiten Halbzeit verdiente Belohnung für den deutschen Meister. Für Hoffenheim ergab sich in den verbliebenen Nachspielminuten keine Gelegenheit mehr zu antworten.

SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN

Entscheidende Szene war, na logisch, der Last-minute-Siegtreffer für die Bayern durch Daniel van Buyten. So wurden die Gäste nach langem Anrennen schließlich doch noch belohnt. Hoffenheim hingegen tat die frühe Führung letztlich nicht gut, da es sich während der folgenden neunzig Minuten zuwenig um die Offensive bemühte. Eine für die nächsten Spiele aus Bayern-Sicht negative Schlüsselszene könnte die Verletzung von Ribéry vor dem Ausgleich sein, sollte der Franzose erneut länger ausfallen.

SPIELER DES SPIELS

Sebastian Rudy stand überraschend in der Startelf, da ihm Rangnick den Vorzug vor Mlapa gab. Und sein überraschender Einsatz machte sich gleich bezahlt, als er schon in der ersten Minute Contento den Ball abluchste und Torschütze Ibisevic mustergültig zur Führung auflegte. Während der zweiten 45 Minuten, als Rudy nach der Einwechslung von Vukcevic im Zentrum spielte, agierte er nicht mehr so auffällig wie zuvor.

SCHIEDSRICHTER: Thorsten Kinhöfer – Note: 7

An der Leistung von Thorsten Kinhöfer gab es kaum etwas zu kritisieren, nur Kleinigkeiten wie in der ersten Halbzeit bei einer Aktion von Ribéry, wo Kinhöfer hätte abpfeiffen müssen, als der Franzose Gegenspieler Tobias Weis wegschob. Der Referee hatte keine Probleme mit einer überwiegend sehr fair geführten Begegnung.

Anmerkung: Die Noten reichen wie bei der Spielnote von einem Punkt (grottenschlecht) bis zu zehn Punkten (Weltklasse).

SPIELNOTE: 7

Die Partie begann gleich spektakulär, als Ibisevic sein Team nach gut einer halben Minute in Führung brachte. Doch für die Attraktivität des Spiels war dies nicht förderlich, denn Hoffenheim zog sich anschließend weit zurück und lies die über weite Strecken ideenlosen Bayern agieren. Für ein absolutes Klasse-Spiel fehlte es lange Zeit an mehr Torraumszenen auf beiden Seiten. Dramatik bot die Schlussphase mit dem Last-minute-Sieg der Bayern.

FAZIT

Der FC Bayern wusste auf das rasend schnelle Gegentor lange Zeit keine Antwort, ehe ihn Müllers Treffer nach langer Torflaute erlöste und Matchwinner van Buyten schließlich noch einen draufsetzte. Deutlich wurde, dass sich die Münchener derzeit mit zwei Angreifern wohler fühlen als mit einem Stürmer (wenn auch Klose später zurückgezogen spielte) - und zudem Kroos auf der rechten Seite deplatziert ist. Hoffenheim hingegen verpasste es, sich mit einer mutigeren Spielweise weiter oben in der Tabelle festzusetzen und verließ sich zu sehr auf schnelle Konter.

Eure Meinung: Wie bewertet Ihr das Spiel zwischen Hoffenheim und Bayern?

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