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Weltmeisterschaft

  • 30. Juni 2014
  • • 22:00
  • • Estádio José Pinheiro Borba (Beira-Rio), Porto Alegre, Rio Grande do Sul
  • Schiedsrichter: Sandro Meira Ricci
  • • Zuschauer: 43063
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N. V.
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Deutschland konnte am Ende doch noch jubeln

Neuer und Schürrle bewahren DFB-Elf vor WM-Blamage

Deutschland konnte am Ende doch noch jubeln

AFP

In einem Krimi über 120 Minuten setzte sich am Ende das DFB-Team knapp gegen Algerien durch. Schürrle und Neuer sicherten den Erfolg für Deutschland.

Porto Alegre. André Schürrle und der überragende Manuel Neuer haben die deutsche Nationalmannschaft vor einer der größten Blamagen ihrer ruhmreichen Geschichte bewahrt. Schürrle erzielte im WM-Achtelfinale gegen Algerien in der 92. Minute nach einer über weite Strecken katastrophalen Leistung des haushohen Favoriten per Hacke das erlösende Führungstor beim 2:1 (0:0)-Zittersieg nach Verlängerung. Mesut Özil traf zum 2:0 (119.), Abdelmoumene Djabou gelang noch der Anschlusstreffer (120.+2).

Matchwinner war aber vor allem Neuer. In zahlreichen Situationen während der regulären Spielzeit verhinderte er einen Rückstand und führte seine phasenweise konfuse Mannschaft als "Libero" in ihr achtes WM-Viertelfinale in Folge.

Bei ihrem schwächsten Auftritt unter Bundestrainer Joachim Löw spielte die deutsche Elf aber dennoch wie von allen guten Geistern verlassen. Ohne eine deutliche Leistungssteigerung ist im Viertelfinale gegen Frankreich am Freitag in Rio de Janeiro das Aus vorherbestimmt.

Fahriger Beginn

Die deutsche Mannschaft hatte von Beginn an enorme Schwierigkeiten und geriet schnell in die Nähe eines erneuten Desasters gegen die Algerier. Die Nordafrikaner hatten zuvor beide Duelle mit der DFB-Elf gewonnen, 1982 bei der WM in Spanien (2:1) und 18 Jahre zuvor (2:0).

Gegen die wie erwartet defensiv aufgestellten Algerier fand die DFB-Elf keine Mittel und geriet ihrerseits immer wieder unter Druck. Die spärlichen Ideen von Bastian Schweinsteiger, der den Vorzug vor Sami Khedira erhalten hatte, brachten keinerlei Ertrag.

Dafür stand Neuer immer wieder im Mittelpunkt. Der Bayern-Schlussmann, der schnell keinem einzigen seiner verunsicherten Vorderleute mehr trauen konnte, klärte schon in der Anfangsphase zweimal in höchster Not weit vor seinem Tor (9. und 28.).

Algerien im Pech

Die Wüstenfüchse waren bis weit hinein in die zweite Halbzeit die bessere Elf. Zunächst sorgte Sofian Feghouli (10.) mit seinem Schuss von halbrechts für Gefahr, dann traf sogar Slimani per Kopf (17.), allerdings aus Abseitsposition, was auch Schiedsrichter Sandro Ricci (Brasilien) bemerkte.

Die deutsche Defensive wirkte konfus. Löw war an der Seitenlinie sichtbar erbost über das beängstigende Ausmaß an Desorganisation. Dazu gesellten sich viele Fehlpässe im Aufbauspiel und sogar fehlende Laufbereitschaft - es war ein Rückfall in dunkle Zeiten des deutschen Rumpel-Fußballs.

Und Algerien drückte weiter. Nachdem Neuer einen Patzer von Per Mertesacker in höchster Not ausgebügelt hatte, strich ein von Boateng abgefälschter Schuss von Mehdi Mostefa nur knapp am deutschen Tor vorbei (39.).

Erst in der 41. Minute gab es die erste Großchance für den Favoriten. Einen Schuss von Toni Kroos ließ Mbohli nach vorne abprallen, war dann aber beim Nachschuss von Mario Götze zur Stelle.

Löw-Taktik geht nicht auf

Löw hatte seine Startelf notgedrungen umbauen müssen, weil Mats Hummels mit einem grippalen Infekt kurzfristig ausfiel. Für den Dortmunder rückte Jerome Boateng in die Zentrale, auf rechts spielte WM-Neuling Shkodran Mustafi.

In der Pause sprach Ex-Kapitän Michael Ballack im US-Fernsehen von "einer der schlechtesten Vorstellungen der letzten Jahre". Löw reagierte und brachte Schürrle für den wirkungslosen Götze, und der Angreifer vom FC Chelsea sorgte mit einem abgefälschten Schuss knapp neben das Tor (47.) gleich für Gefahr. Dennoch steckte der Mannschaft die Verunsicherung tief in den Knochen, bei schnellen Gegenstößen stand die entblößte Deckung sogar mitunter einer Überzahl an algerischen Angreifern gegenüber. Nur der aufmerksame Neuer und die Abschlussschwäche der Wüstenfüchse verhinderten einen Rückstand.

Aber zumindest bekam die DFB-Elf nun auch Chancen. Philipp Lahm scheiterte mit seinem platzierten Schuss an Mbolhi (55.). Doch von einer Initialzündung konnte keine Rede sein. Die DFB-Elf blieb ideenlos, spielte statisch, fast verängstigt.

Lahm als Rechtsverteidiger bringt Stabilität

In der 70. Minute musste Mustafi mit einer Muskelverletzung vom Feld, Khedira kam ins Spiel, und Kapitän Lahm rückte auf die rechte Seite der Viererkette. Die erste Aktion nach dem Wechsel hatte wieder Neuer, der bei einem langen Ball erneut in Libero-Manier Kopf und Kragen riskierte (72.).

Schweinsteiger per Kopf (78.) nach einer Flanke des zumindest bemühten Thomas Müller riss die Mannschaft etwas aus ihrer Lethargie. Zunächst scheiterte Müller (80.) per Kopf am glänzenden Mbohli, dann verfehlten Höwedes (81.) per Kopf, Müller nach einer schönen Einzelaktion (82.) und Schweinsteiger (89.) die Führung knapp. Zwischenzeitlich musste wieder Neuer als letzter Mann außerhalb seines Strafraums bei einem Konter der Algerier Schlimmeres verhindern.

In der Verlängerung erwischte die DFB-Elf einen Blitzstart, Müller bereitete den sehenswerten Treffer Schürrles vor. Doch die Abwehr blieb anfällig. In der 102. Minute erzielte Mostefa nach einem Khedira-Fehler beinahe das 1:1.

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