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Juli 11, 2010 8:30 nachm. CEST
Soccer City, Johannesburgo
Schiedsrichter: Howard Webb (ENG)
Spanien
Spanien
Niederlande
Niederlande
Spielbericht WM 2010 - Das Finale: Niederlande - Spanien
Eines war schon vor dem Anpfiff des großen Endspieles sicher: Es würde Geschichte geschrieben werden. Denn ein neuer Champion würde dann die Ehrentafel aller Sieger des Weltpokals im Fußball zieren. Und erstmals würde eine Mannschaft aus Europa die Trophäe auf einem fremden Kontinent in Empfang nehmen. Blieb also nur noch eine Frage: Oranje oder Rojo?
Von Nils RESCHKE
Johannesburg. Wann immer eine Weltmeisterschaft stattfindet: Spanien und die Niederlande stehen stets auf dem Zettel der Experten. Doch ihrem Ruf als Geheimtipp wurden beide Teams nie gerecht. Dieses Mal, bei der WM 2010 war alles anders. Das Finale in Soccer City zu Johannesburg wurde von der Seleccion und der Elftal bestritten, leider mehr schlecht als recht. Einen Sieger musste es dennoch geben. Der wurde aber erst in der Verlängerung entschieden. Andres Iniesta kürte Spanien mit seinem 1:0 (0:0, 0:0) in der 116. Minute erstmals zum Weltmeister. Felicidades, Espana!
PERSONAL & TAKTIK
Finale Überraschungen ließen sich beide Trainer nicht vor dem Endspiel entlocken. Spanien wie Holland operierten im bewährten 4-2-3-1-System, jenes also, auf das auch Bundestrainer Joachim Löw setzte. Stichwort Deutschland: Vincente del Bosque hatte nun wirklich keinen Grund, seine Startelf gegenüber dem Halbfinale zu ändern. Bitter deswegen für Fernando Torres, der abermals auf der Bank Platz nehmen musste.
Bert van Marwijk allerdings nahm Änderungen vor, was aber ebenfalls nicht überraschend kam. Die im Semifinale gesperrten van der Wiel und de Jongs kehrten zurück, weswegen de Zeeuw und Stuttgart Boulahrouz zunächst nur die Reservebank blieb. Und so war also alles angerichtet für ein grandioses Finale: Wesley Sneijder und David Villa mit der Chance auf den Goldenen Schuh, beide Endspielteilnehmer mit der Bestbesetzung. Was wollte man mehr?
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE
Die Niederlande hatten offensichtlich genau hingeschaut beim Halbfinale der Spanier, probierten durch gesunde Körpersprache, den spanischen Ballstaffetten erst gar nicht hinterherrennen zu müssen. Das aber misslang, schon nach fünf Minuten zwang ein Kopfball von Sergio Ramos Marten Stekelenburg zu einer Glanztat. Der Spieler von Real Madrid war auffälligster Akteur der Anfangsviertelstunde, besaß per Flachschuss auch die nächste Möglichkeit der Iberer, die Heitinga zur Ecke klärte (11.). Im Anschluss daran trat David Villa das erste Mal in Erscheinung, traf aber nur das Außennetz (12.).
Dann hatte der Fußball Pause, und beide Teams bewiesen, dass sie auch die Grätsche mitgebracht hatten. Van Persie sah Gelb (15.), ebenso Puyol (17.) und Sergio Ramos (23.). Die Grätsche von Mark van Bommel indes an Iniesta war schon dunkelgelb (22.), Nigel de Jongs Gelbe Karte nach einem Tritt gegen Xabi Alonso hätte definitiv Rot sein müssen (28.). Oranje völlig von Sinnen, Referee Howard Webb musste Schwerstarbeit verrichten, das Niveau dieses Finales hatte vorerst den Tiefpunkt erreicht.
Leider passte es ins Bild, das Hollands beste Chance bis dato dadurch bestand, dass ein eigentlich als faires Rückspiel gedachter Schuss von Robin van Persie um ein Haar im Kasten von Iker Casillas eingeschlagen wäre (34.). Doch den Spielern von Bert van Marwijk konnte das alles bislang herzlich egal sein. Denn bis auf einen eher harmlosen Schuss von Pedro (38.) brachte auch der Europameister nichts mehr zustande. In der Nachspielzeit musste Casillas dann sein ganzes Können aufbieten, tauchte bei Arjen Robbens Schuss aber in die richtige Ecke. Also ging es ohne Tore in die Katakomben im ausverkauften Soccer City von Johannesburg.
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE
Wieder war es der Europameister, für den nach der Kopfballverlängerung von Carles Puyol Joan Capdevila der große Held hätte werden können. Doch er schlug über das Leder und die Riesenchance war dahin (48.). Stattdessen jubelte um ein Haar danach Oranje. Nach einem katastrophalen Stellungsfehler in der spanischen Deckung, den man so gut wie gar nicht bei dieser WM gesehen hatte, tauchte Arjen Robben alleine vor Iker Casillas auf. Doch dem Superstar von Bayern München versagten die Nerven, und Casillas rettete mit dem Fuß in höchster Not (62.). Das hätte es sein müssen!
Weiter also alles auf Null, die Spannung und Dramatik stieg. Spanien machte jetzt wieder Druck, ließ sich von dieser Möglichkeit von den Niederlanden nicht beeindrucken. Und wäre um ein Haar noch einmal in einen Konter gerannt, weil wieder Robben auf und davon eilte, doch Spaniens Schlussmann von Real Madrid nicht umkurven konnte (83.). So hätte es sich beinahe doch gerächt, dass David Villa in der 68. Minute nach einem Fehler von Heitinga die ganz dicke Chance auf das 1:0 ausgelassen hatte. Mit den Holländern, die sich jetzt nur noch in die Verlängerung retten wollten, war zu jederzeit zu rechnen. Das hatten sie bewiesen. Und sie bekamen ihre Extra Time.
VERLÄNGERUNG
Jetzt wurde es endlich der ersehnte offene Schlagabtausch, bei dem die Niederlande gleich zu Beginn die erste knifflige Szene zu überstehen hatten, als Heitinga Xavi im Strafraum durchaus berührte, Howard Webb aber weiterspielen ließ. Kein Grund für Spanien, das Tempo zu drosseln. Zwar probierte Holland, erfolgreiche Konter anzulegen - doch dieses Unterfangen blieb meist fruchtlos. Immer größer wurde der Druck der Roten Furie, Furia Roja, die vehement auf das Siegtor drängte. Mit aller Macht eben, aber glücklos.
Doch sowohl Fabregas (95.), Iniesta (99.) und auch der eingewechselte Jesus Navas mit einem Schuss ans Außennetz (101.) gingen viel zu leichtfertig mit ihren Torchancen um. Das war nun wirklich der einzige Vorwurf, den sich die Mannschaft von Vincente del Bosque gefallen lassen musste. Also brachte der Coach nun seinen Edeljoker Fernando Torres für die letzte Viertelstunde für den glücklosen und über weite Strecken auch blassen David Villa. Und es blieb mit Wesley Sneijder nur noch einer auf dem Feld, der Thomas Müller den Goldenen Schuh noch streitig machen konnte.
Der allerdings traf nicht, dafür ein Spanier. Der vielleicht beste Spieler diese Weltmeisterschaft. Denn als Edson Braafheid scheinbar einen Tiefschlaf hielt, schlug Andres Iniesta eiskalt aus halblinker Position zu und ließ in der 116. Minute den starken Marten Stekelenburg nicht den Hauch einer Chance. Der Europameister lag mehr als verdient in Front - sechs Minuten später durfte sich Spanien auch Weltmeister nennen!
SCHLÜSSELSPIELER
Sergio Ramos sorgte nicht nur über die rechte Seite für reichlich Wirbel. Der Akteur von Real Madrid besaß auch Spaniens erste beiden sehr guten Möglichkeiten. Doch wie erst Marten Stekelenburg zeigte auch später Torwart Iker Casillas ein fehlerfreies Endspiel. Auf Hollands Seite gefiel Arjen Robben, während Robin van Persie und auch Dirk Kuyt untergingen. Von David Villa war bei Spanien bis auf ein Schuss ans Außennetz auch nichts zu sehen, was ebenso für Wesley Sneijder galt. Beide verpassten die Chance, den Goldenen Ball alleine für sich zu beanspruchen.
SCHLÜSSELSZENEN
Viele Möglichkeiten, das hatte Deutschland schon erfahren müssen, bekommt man gegen den amtierenden Europameister nicht. Nach einer Stunde war es allerdings soweit: Hollands Toni Kroos hieß Arjen Robben, der alleine vor Iker Casillas auftauchte, doch Spaniens Keeper parierte mit dem Fuß. Eine Führung wäre schmeichelhaft gewesen, aber wen hätte das interessiert? Ähnlich stark reagierte Marten Stekelenburg zu Beginn der Verlängerung gegen Fabregas. Dieses Tor wäre wohl die Entscheidung gewesen.
Turkish Airlines präsentiert den TOPSPIELER DES SPIELS: Andres INIESTA
Ein echte Leader, einer, der niemals aufgibt. Er schoss das einzige und damit entscheidende Tor in diesem Finale. Ehre, wem Ehre gebührt.
SCHIEDSRICHTER: Howard WEBB (England) - Note: 6.5
Der Brite leitete auch schon das Endspiel der Champions League zwischen Bayern München und Inter Mailand. Und er hatte im ersten Durchgang viel zu tun. Van Bommel und de Jong wandelten am Rande einer Roten Karte. Webb beließ es bei Gelb, das Match beruhigte sich zwischenzeitlich wieder. Natürlich kann man diskutieren, ob Rot vor allem zu solch einem frühen Zeitpunkt zwingend nötig gewesen wäre. Wir meinen nicht. Allerdings hätte das Foul von Heitinga an Xavi auch mit Elfmeter bestraft werden können. Sehr knifflig. Völlig richtig die Ampelkarte gegen Heitinga. Mit zunehmender Spieldauer aber immer unkonzentrierter.
SPIELNOTE: 5.5
So leid es einem für die Fußballfans in Johannesburg tun konnte: Dieses Match war eines Finales nur selten in den 90 Minuten würdig. Kampf, Zweikämpfe am Rande des Erlaubten, diktierten das Geschehen. Tormöglichkeiten gab es selten. Und dass dadurch natürlich zumindest die Spannung siegte, bleibt ein schwacher Trost. Dafür ging es zu ruppig zu auf dem Feld und entstanden Torchancen nur durch individuelle wie teils haarsträubende Fehler auf beiden Seiten. Spanien entschädigte ein wenig mit einer bärenstarken Verlängerung.
GOAL.COM-FAZIT
Die Niederlande, insbesondere Arjen Robben, hatten Spaniens K.o. auf dem Fuß. Am Ende aber wurden die Iberer für die ganz starke und druckvolle Verlängerung belohnt. Das 1:0 geht völlig in Ordnung. Und auch die Weltmeisterschaft hat das beste, weil reifeste Team gewonnen.
Eure Meinung: Wie bewertet ihr Howard Webbs Leistung in einem schwer zu leitenden Endspiel? Und ist die beste Mannschaft zurecht Weltmeister geworden?
Ersatzbank & Wechsel
Ersatzbank & Wechsel
Tor
Eigentor
Elfmeter
Elfmeter verschossen
Gelbe Karte
Vorlage
Elfmeter gehalten
Tor Elfmeterschießen
Fehlversuch Elfmeterschießen
Gelb-Rote Karte
Rote Karte
Einwechslung
Auswechslung
Verletzung
Goal.com Note
Man of the Match der Redaktion
Flop of the Match der Redaktion
Top & Flop Rang
Man of the Match der User
Flop of the Match der User
| Spieler | Tore | Elfmeter | |
|---|---|---|---|
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Diego Forlan Corazo
Angriff Uruguay |
5 | 1 |
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David Villa
Angriff Spanien |
5 | 0 |
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Wesley Sneijder
Mittelfeld Niederlande |
5 | 0 |
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Thomas Müller
Angriff Deutschland |
5 | 0 |
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Robert Vittek
Angriff Slowakei |
4 | 1 |