1 - 0
Abpfiff
Juni 14, 2010 4:00 nachm. CEST
Free State Stadium, Bloemfontein
Schiedsrichter:‬ Olegario Benquerenca (Portugal)‎
 
 
Der Spieler des Spiels
Keisuke Honda
Keisuke Honda
Japan
Keisuke Honda
Keisuke Honda
Japan
Der Flop des Spiels
P. Webó
P. Webó
Kamerun
P. Webó
P. Webó
Kamerun

Spielbericht WM 2010 Gruppe E: Japan – Kamerun

Die „Blue Samurai“ entscheiden das Duell mit den „Unbezähmbaren Löwen“ für sich. Ein lichter Moment reichte dank einer kämpferisch starken Leistung.

Von Benjamin HOFMANN

Der Japaner Honda schoss Kamerun ab (Getty Images)
Bloemfontain. Mit 1:0 setzt sich Japan gegen Kamerun im zweiten Spiel der Gruppe E durch. Damit versiebt nach Algerien und Nigeria die dritte von insgesamt sechs afrikanischen Mannschaften ihren Auftakt bei der WM 2010.

PERSONAL & TAKTIK

Japans Trainer Takeshi Okada bedachte die aktuelle Form- und insbesondere Offensivschwäche seiner Schützlinge. Aus einem massiven 4-5-1 sollte Keisuke Honda das Spiel machen. Vorne verzichtete Okada auf Topstürmer Shinji Okazaki, bot stattdessen eine Art Dreigestirn aus gelernten offensiven Mittelfeldspielern eben mit Honda, Yoshito Okubo, einst in Diensten des VfL Wolfsburg, und Daisuke Matsui auf. Hinten rechts erhielt Komano den Vorzug vor Neu-Schalker Atsuto Uchida. Okada hatte in der Vorbereitung auf den Auftakt viel Wert auf Höhentraining gelegt, schließlich fand die Partie auf rund 1500 Metern im südafrikanischen Bergland statt. So legte Okada seinen Schützlingen beispielsweise das Tragen von Sauerstoffmasken zur Regeneration im Vorfeld nahe.

Kameruns „Unbezähmbare Löwen“ wollten ihre Stärken im Angriff zum Tragen bringen mit drei nominellen Spitzen um Topstar Eto’o sowie Eric Choupo-Moting und Pierre Webo. Im Mittelfeld brachte Paul Le Guen Matip, Makoun und Enoh. In der Innenverteidigung verzichtete er erwartungsgemäß auf Rekordnationalspieler Rigobert Song, N’Koulo und Bassong sollten dort dicht machen. Die größte Überraschung deutete sich bereits am Vortag der Partie an: statt Carlos Kameni stand Oldie Souleymanou Hamidou zwischen den Pfosten.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Beide Teams boten einen fußballerisch mageren Auftakt. Es fehlte sowohl bei den „Blue Samurai“ als auch bei den „Unbezähmbaren Löwen“ die ordnende Hand im Mittelfeld. Erst nach 20 Minute ein Aufreger, als Torwart-Dino Hamidou einen Flankenball unter Behinderung von Keisuke Honda fallen ließ, der portugiesische Schiri Bequerenca jedoch wegen Abseitsstellung abpfiff.

Nachdem ein spektakulärer Sturz von Japan-Keeper Eiji Kawashima in der 32. Minute lange der einzige Höhepunkt gewesen war, ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Eyong Enoh endlich mit dem ersten echten Torschuss nach schöner Ablage von Coupo-Moting, doch im Gegenzug ließen die Kameruner den Asiaten zu viel Platz. Matsui hatte alle Zeit der Welt zum Flanken und am langen Pfosten stand Keisuke Honda, der das Leder in aller Ruhe stoppen und zur Führung einschieben konnte (38.), goldrichtig. Dabei blieb es dann auch bis zum Seitenwechsel.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Unverändert ging es aus den Kabinen und offenbar konnte sich besonders Samuel Eto’o in den Katakomben motivieren. In der 49. Minute ließ der Champions League-Sieger gleich drei Japaner wie Fahnenstangen an der Grundlinie stehen und legte mustergültig für Choupo-Moting vor, doch der Hamburger verzog.

Obwohl die Afrikaner nun das Heft zunehmend in die Hand nahmen und den Druck erhöhten, blieb dies längere Zeit die einzige echte Möglichkeit. Kameruns offensivere Ausrichtung spiegelte sich auch in den Personalien wieder. Achille Emana durfte für den unauffälligen Matip aufs Feld (62.).

Doch auch er konnte nichts ändern an der fehlenden Durchschlagskraft. Le Guens Schützlinge spielten zu umständlich, die Japaner zeigten sich gut organisiert und sehr diszipliniert in der Rückwärtsbewegung. Ob ihrer enormen Laufleistung machten sie es den Westafrikanern zusätzlich schwer.

In der 82. Minute hätten die Asiaten beinahe noch auf 2:0 erhöht. Makoto Hasebe fasste sich ein Herz und zog aus der zweiten Reihe ab, doch Hamidou parierte stark. Beim Nachschuss an den Pfosten stand der mittlerweile eingewechselte Okazaki im Abseits. Ebenfalls Aluminium traf Stephane Mbia in der 85. Minute. Den 25-Meter-Hammer des Rechtsverteidigers hätte Kawashima nicht mehr erreicht.

In der Nachspielzeit musste Japans Keeper noch einmal seine Klasse beweisen, Eto’o hatte eine Geremi-Flanke zwar verpasst, doch Webo lauerte am langen Eck. Kawashima war zur Stelle, doch zuvor war ohnehin bereits abgepfiffen worden. Der Unparteiische hatte eine akrobatische Einlage von Eto'o zuvor als Foul geahndet - sicher umstritten, doch dank der Parade von Kawashami nicht spielentscheidend. Dies war auch die letzte Szene in einer insgesamt biederen Partie, die aber zumindest Spannung bis zum Schlusspfiff bot.



SCHLÜSSELSPIELER

Kameruns Hamidou sollte mit seiner Erfahrung Stabilität verleihen, doch Le Guens Plan ging nicht auf, er verunsicherte die Abwehr mit seinem Irrflug im ersten Durchgang. Vorne enttäuschte Eto’o, einzig seine Szene, als er für Choupo-Moting auflegte, blieb in Erinnerung. Im Mittelfeld konnte Jean Makoun das Spiel nicht an sich reissen – es fehlt der Stratege.

Den braucht Japan nicht, die fehlenden spielerischen Mittel kompensierten die „Blue Samurai“ mit Kampf. Vorlagengeber Matsui wurde völlig entkräftet ausgewechselt. Auch Makoto Hasebe und Keisuke Honda verdienten sich als Dauerläufer Bestnoten. Hinten hielten die Innenverteidiger Tulio und Nakazawa mit Torwart Kawashima die Null.

SCHLÜSSELSZENE

Bei einem 1:0 ist die Schlüsselszene der Partie logischerweise das Tor. Dabei zeigte sich Kameruns Abwehr zu unentschlossen. Entscheidend sicher auch der Lattenkracher von Mbia und vor allem die verpasste Chance von Choupo-Moting. Hätte der Hamburger getroffen, wer weiß. Möglicherweise wäre die Partie gekippt, denn in dieser Phase hatte Japan das Spielen eingestellt und wäre wohl nicht mehr zurück gekommen.

SPIELER DES SPIELS: Keisuke Honda

Der Star der Japaner machte heute im Gegensatz zum Star der Kameruner, Samuel Eto’o, den Unterschied. Blieb beim Tor ganz cool, auch ansonsten mit einer sehr ordentlichen Leistung. Stellte sich trotz seiner Ausnahmestellung in den Dienst der Mannschaft und war sich auch für großen läuferischen Einsatz nicht zu schade.

SCHIEDSRICHTER: Olegario Bequerenca (Portugal) – Note: 6,5

Hatte mit der fairen Partie keine Probleme. Die Gelbe Karte gegen N´Koulo in der Schlussphase jedoch war eine Fehlentscheidung, da hätte der Portugiese auch auf Schwalbe des Japaners Okazaki entscheiden können. Zudem hatte Eto’o nach Geremi`s Flanke in der Nachspielzeit nicht gefoult, doch der falsche Pfiff wäre ohnehin folgenlos geblieben.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 4

Die Partie reiht sich leider in das Gros der bisherigen WM-Matches ein. Nervosität, defensive Sicherheit im Fokus und vor allem ein armes, technisches Niveau. Zumindest kann man festhalten, dass die Fans in Bloemfontain eine spannende Schlussphase erlebten. Wenigstens etwas.

STATISTIK

Daisuke Matsuis Kurve in den Castrol Rankings ging im vergangenen Jahr steil nach oben. Der Japaner, der in Frankreich in Grenoble sein Geld verdient, verbesserte sich seit September 2009 um rund 800 Plätze auf Rang 439. Gegen Kamerun gab er die Vorlage zum 1:0. Schlägt er weiter so präzise Flanken, wird auch sein Weg in den Rankings nach oben gehen.

FAZIT

Den eigentlich spielerisch nicht schlechten Kamerunern fehlt ein kreativer Kopf im Mittelfeld. Bei Samuel Eto’o hatte man das Gefühl, er möchte sich gerne um alles kümmern. Vorlagengeber am Flügel, Taktgeber im Zentrum, Vollstrecker im Strafraum. Damit übernimmt er sich und macht sich selbst schwach. Japan kopiert die Taktik von 2002, der WM im eigenen Land, erfolgreich. Sie kompensieren technische Schwächen mit Hingabe, Kampf und Einsatz. Kommt dann noch in der ein oder anderen Situation individuelle Klasse hinzu wie beim 1:0, überstehen die „Blue Samurai“ die Vorrunde.

Eure Meinung: Wie habt Ihr die Partie Japan gegen Kamerun gesehen?


Japan

-
Eiji Kawashima
Torhüter
-
5
Yuichi Komano
Verteidiger
-
4
Marcus Tulio Tanaka
Verteidiger
-
22
Yuji Nakazawa
Verteidiger
-
55
Yuto Nagatomo
Verteidiger
-
13
Makoto Hasebe
Mittelfeldspieler
89′
-
10
Y. Ōkubo
Stürmer
81′
-
7
Yasuhito Endo
Mittelfeldspieler
-
22
Yuki Abe
Mittelfeldspieler
91′
-
7
Keisuke Honda
Mittelfeldspieler
39′
-
22
Daisuke Matsui
Mittelfeldspieler
69′
-

Kamerun

-
16
Hamidou
Torhüter
-
13
Nicolas N'Koulou
Verteidiger
72′
-
17
Stephane Mbia
Verteidiger
-
32
Benoit Assou-Ekotto
Verteidiger
-
19
S. Bassong
Verteidiger
-
6
Eyong Enoh
Mittelfeldspieler
-
32
Joel Matip
Mittelfeldspieler
63′
-
77
Jean II Makoun
Mittelfeldspieler
75′
-
13
-
9
Eto'o
Stürmer
-
-
P. Webó
Stürmer

Ersatzbank & Wechsel

1
Seigo Narazaki
Torhüter
-
1
-
3
Daiki Iwamasa
Verteidiger
-
22
Atsuto Uchida
Verteidiger
-
25
Shunsuke Nakamura
Mittelfeldspieler
-
11
Keiji Tamada
Stürmer
-
11
-
31
Shinji Okazaki
Stürmer
69′
-
9
Kisho Yano
Stürmer
81′
-
20
Junichi Inamoto
Mittelfeldspieler
89′
-
15
Yasuyuki Konno
Verteidiger
-
14
Kengo Nakamura
Mittelfeldspieler
-

Ersatzbank & Wechsel

-
1
Carlos Kameni
Torhüter
-
4
Rigobert Song
Verteidiger
-
14
Georges Mandjeck
Mittelfeldspieler
-
7
Landry N'Guemo
Mittelfeldspieler
-
17
Alex Song
Mittelfeldspieler
-
23
Aboubakar Paté
Stürmer
-
10
Achille Emana
Stürmer
63′
-
8
Geremi
Verteidiger
75′
-
25
-
14
Aurélien Chedjou
Verteidiger
-
24
Gaetan Bong
Verteidiger

Trainer

-
Takeshi Okada
Trainer
-

Trainer

-
-
Paul Le Guen
Trainer
 
  • Tor
  • Eigentor
  • Elfmeter
  • Elfmeter verschossen
  • Gelbe Karte
  • Vorlage
  • Elfmeter gehalten
  • Tor Elfmeterschießen
  • Fehlversuch Elfmeterschießen
  • Gelb-Rote Karte
  • Rote Karte
  • Einwechslung
  • Auswechslung
  • Verletzung
  • Goal.com Note
  • Man of the Match der Redaktion
  • Flop of the Match der Redaktion
  • Top & Flop Rang
  • Man of the Match der User
  • Flop of the Match der User
Top-Torjäger
Spieler   Tore Elfmeter
Diego Forlan Corazo Diego Forlan Corazo
Angriff
Uruguay
5 1
David Villa David Villa
Angriff
Spanien
5 0
Wesley Sneijder Wesley Sneijder
Mittelfeld
Niederlande
5 0
Thomas Müller Thomas Müller
Angriff
Deutschland
5 0
Robert Vittek Robert Vittek
Angriff
Slowakei
4 1