Juni 23, 2010 4:00 nachm. CEST
Loftus Versfeld Stadium, Pretoria
Schiedsrichter: Frank de Bleeckere (Belgium)
USA
USA
Algerien
Algerien
Spielbericht WM 2010 Gruppe C: USA – Algerien
Das Nationalteam der USA steht im WM-Achtelfinale! Lange dauerte es, bis Landon Donovan mit seinem Siegtreffer das Spiel gegen Algerien entschied. Davor gingen die US-Angreifer mit ihren Chancen oftmals grob fahrlässig um.
Von Dirian EL AMINE
Pretoria. Mit seinem unheimlich wichtigen Tor zum 1:0-Endstand schießt Landon Donovan die USA in der Partie gegen Algerien ins WM-Achtelfinale.
PERSONAL & TAKTIK
US-Trainer Bob Bradley verzichtete im finalen Gruppenspiel auf Verteidiger Oneywu vom AC Mailand, dafür rückte Kapitän Bocanegra neben DeMerit in die Innenverteidigung, auf den Außenpositionen in der Viererkette vor Keeper Tim Howard agierten Steven Cherundolo und der Neue in der Startelf, Jonathan Bornstein. Gladbachs Bradley und Edu formierten das zentrale Mittelfeld, Donovan und Dempsey sollten dem Sturmduo Altidore und Gomez tatkkräftig zuarbeiten.
Wie schon im letzten Spiel, beim überraschenden 0:0 gegen England, vertraute Algeriens Nationalcoach Saadane dem eigentlich als Keeper Nummer 2 berufenen Schlussmann Rais M'Bohli. Mit Bougherra, Halliche und Spielführer Yahia stand die etatmäßige Dreierkette in der Abwehr, vor der Hassan Yebda und Mehdi Lacen absicherten. In der Offensive wirbelten Kadir und Belhadj. Ziani und Matmour sollten wie bewährt auf den Flügeln für Schwung sorgen und die alleinige Spitze, Rafik Djebbour, mit Pässen füttern.
SPIELVERLAUF 1. HALBZEIT
Im mit 35.000 Zuschauern leicht unterbesetzten Loftus Versfeld Stadium steckten die Wüstenfüchse gleich zu Beginn ihre Ansprüche ab: Karim Matmour versucht es nach wenigen Sekunden mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, der jedoch das Ziel deutlich verfehlt. Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Partie dann so richtig Fahrt aufnahm: Djebbour kommt im amerikanischen Strafraum an den Ball (6.) und wagt per Direktabnahme den Torschuss – der Ball knallt aus sechs Metern gegen die Latte! Die Fans stehen Kopf, Zeit zum Durchatmen gibt es aber nicht. Postwendend kann das US-Team kontern, Gomez prüft Algeriens Keeper M'Bohli aus halbrechter Position (7.). Die Nordafrikaner dominierten die Anfangsphase, Djebbour kann von einem erneuten Abspielfehler der US-Abwehr profitieren (10.) und verzieht aus spitzem Winkel nur knapp. Die US-Boys aber wehren sich gegen die spielerische Überlegenheit der Algerier: Dempsey kommt nach einem Durcheinander im algerischen Strafraum zum Abschluss (21.) und netzt ein – doch das Schiedsrichtergespann um Frank de Bleeckere entscheidet auf Abseits! Beim Studium der Fernsehbilder aber wird klar: Verteidiger Bougherra stand auf gleicher Höhe mit Dempsey – eine fragwürdige Entscheidung des Unparteiischen, die allerdings sehr schwer richtig zu beurteilen war.

Clint Dempsey bejubelt seinen Treffer, der aber wegen Abseits nicht anerkannt wird.
Die Amerikaner haderten mit der verwehrten Führung, nur wenige Minuten später folgte die nächste Hiobsbotschaft: England war im Spiel gegen Slowenien in Führung gegangen. Das hieß: Nur mit einem Sieg kann sich das US-Team zum gegenwärtigen Zeitpunkt für die nächste Runde qualifizieren. Sogleich erhöhte die Mannschaft um Landon Donovan das Tempo beträchtlich: Eine Cherundolo-Flanke findet Dempsey, dessen wuchtiger Kopfball aber Verteidiger Bougherra abblockt (33.). Eine Chance jagte nun die andere: Wieder ist es Dempsey, der nach einem tollen Zuspiel nur am reaktionsschnellen Rais M'Bohli im algerischen Tor scheitert (35.). Die Offensive der USA zeigte weiter Nerven: Altidore, den Donovan mustergültig in Szene setzt, hat die Führung praktisch auf dem Fuß (37.), schießt den Ball jedoch aus kurzer Distanz über das Tor! Unglaublich, wie fahrlässig die Amerikaner mit ihren Möglichkeiten umgingen! Im Gegenzug kann Matmour mit einem strammen Schuss aus der Distanz Torgefahr heraufbeschwören (38.), Ziani tut es ihm wenig später gleich, verfehlt das Ziel allerdings ebenfalls (43.). Chancen waren zum Pausenpfiff nicht gerade Mangelware, doch vor allem die US-Boys konnten zum Teil hochkarätige Gelegenheiten nicht zum Torerfolg nutzen. Zum zweiten Durchgang musste sich also etwas ändern, wollte man doch das Achtelfinale erreichen.
SPIELVERLAUF 2. HALBZEIT
Bob Bradley brachte zu Wiederanpfiff Feilhaber für Gomez ins Spiel und hatte damit Altidore als
einzigem Stürmer das Vertrauen geschenkt. Die Fennecs aus Nordafrika legten sogleich couragiert los: Kadir gibt von der rechten Seite auf Matmour herein, der allerdings im Abseits stand. Das Tempo hielten die Wüstenfüchse wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit hoch und erspielen sich durch einige Eckstöße Möglichkeiten, aus denen aber wenig Gefahr resultiert. Ganz anders dagegen der Gegner, der sich zum Teil Chancen erspielte, bei denen es einer Todsünde glich, diese zu vergeben. Doch eben das taten die Amerikaner mit Fleiß: Altidore arbeitet Dempsey hervorragend zu (57.), der dann aber – allein vor Torwart M'Bohli – nur den Pfosten trifft! Es entwickelte sich nun eine chancenreiche Partie, in der sich das US-Team die deutlich zwingenderen Gelegenheiten erspielen konnte. Algeriens Offensivspieler dagegen kamen oftmals nicht über den Ansatz hinaus und kreierten nur wenig Torgefahr, wie Yebda, der es nach einer Kadir-Flanke (59.) per Fallrückzieher versucht.

In der Defensive gefordert: Madjid Bougherra (rechts)
Es blieben noch gut 25 Minuten, doch die Uhr tickte – zu Ungunsten der Amerikaner, die zum Weiterkommen unbedingt einen Sieg benötigten. Feilhaber scheitert aus spitzem Winkel (65.) nur am herausragenden Torwart M'Bohli. Sie schienen am algerischen Torwart zu verzweifeln! Aus gerade einmal vier Metern kann der Keeper einen Altidore-Kopfball (68.) parieren und hält seine Mannschaft damit im Rennen. In der Offensive ging den Wüstenfüchsen die Dynamik merklich ab, Ziani versucht es (69.) mal aus der Distanz, wird kurz danach aber ausgewechselt – die US-Elf bleibt deutlich überlegen, drängt die Wüstenfüchse immer weiter in die eigene Hälfte und bringt Verteidiger Bougherra so arg in Bedrängnis, dass dieser bei einem Klärungsversuch fast das eigene Tor trifft (70.). So bricht die Schlussviertelstunde an, die USA drängt nun vehement auf das alles entscheidende Tor, doch aus Freistößen (74./78.), die dem aggressiven Defensivspiel der Algerier geschuldet sind, entsteht kaum Torgefahr. Immer nervöser werden beide Mannschaften, die Partie wird hektisch und Yahia sieht nach einem rüden Foul gegen Altidore Gelb. Doch Dempsey haut den anschließenden Freistoß – nach langem Zögern – über die Querlatte (84.). Es war dann die Nachspielzeit, die die Amerikaner zum ganz großen Freudenfest nutzten: Aus einer Überzahlsituation ergibt sich das hart erarbeitete 1:0! Nachdem M'Bohli Dempseys Schuss noch abwehren kann, trifft Donovan im Nachschuss und sichert der USA mit seinem Last-Minute-Treffer den Achtelfinaleinzug. Algerien dagegen scheidet ohne jegliches erzieltes Tor aus. Zu allem Überfluss wurde Kapitän Yahia wegen Meckerns noch in der Schlussminute mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen.
SCHLÜSSELSZENEN
Amerika feiert nach Donovans entscheidendem Tor in einer heiß umkämpften Schlussphase! Wieder einmal konterte das US-Team Algerien aus und kam so zu einer Überzahlsituation im gegnerischen Strafraum. Doch anders als in unzähligen Szenen davor nutzte die US-Offensive dieses Mal die Chance. Donovan trifft im Nachschuss zum Sieg und beschert seinem Team den Einzug in die nächste Runde.
SCHLÜSSELSPIELER
Die Offensive der USA wirbelte und erspielte sich ein klares Chancenplus. Dempsey und Altidore waren phasenweise immer wieder für überraschende Offensivaktionen gut, scheiterten aber am glänzenden algerischen Rückhalt: An Keeper Rais M'Bohli, der mit seinen weltklasse Paraden Algerien fast bis ganz zum Schluss im Spiel hielt.
Turkish Airlines präsentiert den TOPSPIELER DES SPIELS: Landon Donovan
Sein Tor machte den Tag perfekt und eröffnete den Jubelreigen der mitgereisten Fans. Mit letzter Kraft warf sich der Mittelfeldspieler in der Nachspielzeit gegen den frei liegenden Ball und erzielte per Nachschuss das entscheidende 1:0. Ganz stark!
SCHIEDSRICHTER: Frank de Bleeckere (Belgien) - Note: 5
Eine unglückliche Abseitsentscheidung gegen Dempsey (21.), ansonsten recht souverän. Hätte Yahia nach einem Schlag gegen Dempsey schon früher vom Platz stellen können.
STATISTIK
In den Castrol Rankings liegt Clint Dempsey, der beste US-Boy, mit 706 Punkten auf Platz 86 und lässt damit seine Mannschaftskameraden weit hinter sich. Algeriens bester Akteur ist Mittelfeldakteur Medhi Lacen, der au Position 490 rangiert.
SPIELNOTE: 7
Bis zum Schluss eine völlig offene Begegnung. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als die USA mächtig unter Druck geriet, eine unheimlich fesselnde Partie mit spierischen Höhepunkten. Einziges Manko: Viele Leerlaufphasen.
FAZIT
Die USA hat sich durch einen engagierten Auftritt das Ticket fürs Achtelfinale erstritten, Algerien blieb in der Offensive viel zu blass und scheidet deshalb auch zurecht aus.
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Ersatzbank & Wechsel
Ersatzbank & Wechsel
Tor
Eigentor
Elfmeter
Elfmeter verschossen
Gelbe Karte
Vorlage
Elfmeter gehalten
Tor Elfmeterschießen
Fehlversuch Elfmeterschießen
Gelb-Rote Karte
Rote Karte
Einwechslung
Auswechslung
Verletzung
Goal.com Note
Man of the Match der Redaktion
Flop of the Match der Redaktion
Top & Flop Rang
Man of the Match der User
Flop of the Match der User
| Spieler | Tore | Elfmeter | |
|---|---|---|---|
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Diego Forlan Corazo
Angriff Uruguay |
5 | 1 |
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David Villa
Angriff Spanien |
5 | 0 |
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Wesley Sneijder
Mittelfeld Niederlande |
5 | 0 |
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Thomas Müller
Angriff Deutschland |
5 | 0 |
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Robert Vittek
Angriff Slowakei |
4 | 1 |